Die Suchmaschine DuckDuckGo feiert am 13. Januar den Nationalen Gummienten-Tag. © Screenshot ZEIT ONLINE

Gabriel Weinberg dürfte der NSA sehr dankbar sein. Als im vergangenen Sommer bekannt wurde, wie allumfassend die Schleppnetzüberwachung des US-Geheimdienstes ist, stiegen die Zugriffszahlen auf Weinbergs privatsphärefreundliche Suchmaschine DuckDuckGo rasant. Mittlerweile liegen sie recht konstant bei etwa vier Millionen Suchabfragen pro Tag – doppelt so viel wie vor Beginn der Snowden-Enthüllungen im Juni 2013.

Was hier sichtbar wird, ist eine Verzweiflungstat. DuckDuckGo verschlüsselt die Datenübertragung via SSL und verspricht, keine persönlichen Nutzerdaten zu sammeln, in der Standardeinstellung keine Cookies zu verwenden, kein Tracking zu betreiben und Suchbegriffe nicht an die Betreiber der Seiten in den Suchergebnissen weiterzugeben. Möglicherweise glauben viele Menschen deshalb, DuckDuckGo sei eine NSA-sichere Suchmaschine.

So einfach ist es aber nicht. DuckDuckGo ist ein US-Unternehmen und unterliegt damit amerikanischem Recht. Ein Gericht könnte Weinberg zwingen, seine SSL-Schlüssel herauszugeben, so wie das beim E-Mail-Provider Lavabit geschehen ist. Das geheim tagende FISA-Gericht könnte DuckDuckGo außerdem zwingen, künftig doch Nutzerdaten zu erheben und herauszurücken, ohne die Nutzer darüber zu informieren. 

DuckDuckGo betreibt seinen Dienst zudem auf Amazon-Servern, ebenfalls ein US-Unternehmen – das zudem freiwillig mit den dortigen Geheimdiensten zusammenarbeitet. Amazon ist der Cloud-Dienstleister der CIA.

Vielleicht wissen viele das alles auch und nutzen trotzdem lieber DuckDuckGo als Google. Weinberg hatte Ende 2012 im Interview mit ZEIT ONLINE gesagt, er wolle ja nicht nur mehr Datenschutz bieten als die Konkurrenz, sondern auch die besseren Suchergebnisse. Tatsächlich funktioniert seine Suchmaschine gerade für englischsprachige Themen gut, zumindest als Ergänzung zu anderen Anbietern ist DuckDuckGo absolut geeignet.

Im Vergleich zu Google sind die Zahlen von DuckDuckGo aber immer noch kaum der Rede wert. Google verzeichnet ungefähr dreimal so viele Suchanfragen pro Tag wie DuckDuckGo im ganzen Jahr, wie TechCrunch berichtet.

Und es berichten zwar auch andere datenschutzfreundliche Angebote wie Startpage und Ixquick seit Mitte 2013 deutlich gestiegene Zugriffszahlen. Insgesamt aber bedeutet das noch nicht, dass sie nennenswerte Nutzergruppen von den etablierten Suchanbietern wegbewegen. Falls die Steigerungen zulasten der großen Suchmaschinen gehen sollten, dann nur auf einem kaum wahrnehmbaren Niveau. Von comScore erhobene Zahlen jedenfalls lassen keine Negativentwicklung bei Google, Bing oder Yahoo erkennen.

Keine Änderung des Suchverhaltens

Anders gesagt: Die NSA-Enthüllungen mögen bei Anbietern von Netzwerktechnik wie Cisco bereits für sinkende Umsätze sorgen. Die Prognosen für amerikanische Cloud-Anbieter mögen zudem düster sein, Analysten erwarten bis 2016 Verluste zwischen 35 und 180 Milliarden Dollar. Aber auf dem Suchmaschinenmarkt hat die NSA bisher nicht zu einer Änderung des Verhaltens geführt.

Dabei könnten gerade die europäischen Angebote Startpage und Ixquick tatsächlich vor der NSA schützen. Beide unterliegen eben nicht amerikanischem Recht und übertragen alle Daten ebenfalls verschlüsselt. Um dort an Informationen über Nutzer zu kommen, müsste sich die NSA schon in deren Datenzentren hacken. Nicht, dass sie so etwas nicht tun würde, ihr Programm Muscular tut genau das.

Update: Leser haben uns darauf hingewiesen a) dass die von uns zunächst genannte Zahl von 400.000 Suchanfragen pro Tag bei DuckDuckGo falsch ist – es sind vier Millionen.

b) dass DuckDuckGo auf Perfect Forward Secrecy setzt, womit eine erzwungene Herausgabe des SSL-Schlüssels noch keine rückwirkende Entschlüsselung von übertragenen Daten möglich macht.

c) dass auch Startpage in den USA gehostet wird und damit dem Patriot Act unterliegt. Das allerdings stimmt nach Angaben eines Unternehmenssprechers so nicht: Ein Teil der Server stehe in den Niederlanden, sagte er auf Anfrage, darauf greifen alle europäischen Nutzer zu. In den USA stünden zwar Server für US-Nutzer, die dem niederländischen Unternehmen Surfboard Holding BV gehörten – dem Betreiber von Startpage und Ixquick. Als niederländisches Unternehmen aber unterliegt Startpage aber weder dem dem Patriot Act noch dem Foreign Intelligence Surveillance Act (Fisa), muss also den US-Behörden nicht helfen.

Abgesehen davon lägen auf den Servern aber eh keine verwertbaren Nutzerdaten – was auch für DuckDuckGo gilt, wie das Unternehmen selbst mitteilt.