Der US-Geheimdienst NSA arbeitet laut Washington Post an einem Quantencomputer. Diese neue Computertechnologie könnte dem Geheimdienst ermöglichen, an bislang verschlüsselte Informationen zu gelangen. Das berichtet die Zeitung unter Berufung auf Dokumente des Whistleblowers Edward Snowden. Demnach betreibt der Geheimdienst ein fast 80 Millionen Dollar teures Forschungsprogramm zum Bau eines "kryptologisch nützlichen Quantencomputers".

Die NSA forscht dem Bericht zufolge in geheimer Zusammenarbeit mit einem Labor in College Park im Bundesstaat Maryland. Die Auswirkungen seien gravierend: Gängige Verschlüsselungstypen seien gegenüber Quantencomputern hinfällig – Daten aus Politik, Medizin und Wirtschaft könnten dadurch problemlos zugänglich werden. 

Die zugespielten Dokumente legten aber nahe, dass der Geheimdienst keinen Vorsprung vor der Wissenschaft habe. Ein Einsatz der Technologie sei daher wohl erst in mehreren Jahren möglich.  

Quantencomputer basieren auf einer Abwandlung des üblichen Binärsystems. Während ein Bit eines üblichen Computers auf Nullen und Einsen basiert, verwendet ein Quantencomputer sogenannte Qubits, die sowohl Null als auch Eins sind, und Berechnungen somit theoretisch um ein Vielfaches schneller durchführen können. 

Die Physiker Serge Haroche und David J. Wineland wurden 2012 für ihre Untersuchungen von Quantenzuständen mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.

Bislang wurden Geräte, die die Quantentechnologie nutzen, überwiegend zu wissenschaftlichen Zwecken eingesetzt. Künftig sollen sie auch die Entwicklung von Medikamenten fördern. Ein kanadisches Unternehmen hatte 2011 behauptet, den ersten kommerziellen Quantencomputer entwickelt zu haben, was Forscher jedoch anzweifelten.