Die massenhafte Telefonüberwachung seitens des Geheimdienstes NSA hat nach Ansicht der New America Foundation bislang nur wenig dazu beigetragen, Anschläge zu vereiteln. Wie die Washington Post berichtete, untersuchte die Denkfabrik 225 Terrorismus-Fälle seit den Anschlägen vom 11. September 2001.

Die Organisation komme zu dem Schluss, dass die Ermittlungen meistens durch traditionelle Strafverfolgungs- und Fahndungsmethoden angestoßen worden seien. Dagegen habe das Sammeln von Telefondaten seitens der NSA "keinen erkennbaren Einfluss auf die Verhinderung von Terrorakten gehabt".

Die Anzahl gesammelter Daten lässt sich allerdings nur schwierig mit verhinderten Terroranschlägen in Zusammenhang setzen, da die Überwachungstechnik vor allem präventiv eingesetzt wird. Selbst bei einer hohen Anzahl tatsächlicher Verbindungen zu terroristischen Akten wäre das Verhältnis von gesammelten Daten gegenüber den Ermittlungserfolgen gering. Ausschlaggebend ist das Verhältnis zu den herkömmlichen Ermittlungsmethoden.  

Der aktuellen Studie zufolge lieferte das NSA-Programm in nur einem Fall die Hinweise, um Terrorermittlungen einzuleiten. Dabei sei es um einen Taxifahrer in San Diego gegangen. Dieser wurde demnach verurteilt, weil er einer Terrorgruppe in Somalia Geld geschickt hatte. Drei Komplizen seien ebenfalls verurteilt worden. Um einen drohenden Anschlag gegen die USA sei es nicht gegangen.

Das Problem der Anti-Terror-Beamten liege nicht darin, dass sie größere Mengen Information aus den massenhaften Überwachungsprogrammen bräuchten, heißt es laut Zeitung in der Studie. Vielmehr würden sie "die Informationen, die sie bereits besitzen und die mit herkömmlichen Techniken gewonnen wurden, nicht ausreichend verstehen oder weitreichend teilen".

Die umfassende Überwachung durch die NSA hatte weltweit Empörung ausgelöst. Allein in den USA werden seit mindestens sieben Jahren die Telefonverbindungen aller Amerikaner gesammelt, um – laut NSA – gegen Terroristen vorzugehen. Auch im Ausland griff der Geheimdienst massenhaft Daten ab. US-Präsident Barack Obama kündigte an, in der nächsten Woche Pläne für eine Beschränkung der Überwachung vorzustellen.

Stille SMS in Berlin erfolglos

Auch die Ermittlungsmethoden deutscher Behörden stehen in der Kritik. Wie aus einer kleinen Anfrage des Piratenpolitikers Christoph Lauer an das Abgeordnetenhaus Berlin hervorging, versendeten Berliner Polizeibeamte von 2006 bis zum ersten Halbjahr 2013 fast 890.000 sogenannte stille SMS, die zur Ortung von Mobiltelefonen oder zur Erstellung von Bewegungsprofilen eingesetzt werden, ohne dass der Betreffende davon Kenntnis hat.

Die Behörde konnte laut Lauer jedoch keinen Fall vorlegen, in dem ein solches Vorgehen zu einem Ermittlungserfolg geführt hätte. Auch hier muss aber beachtet werden, dass ein rein zahlenmäßiger Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Überwachungstechniken und der Aufklärung von Kriminalfällen wenig aussagekräftig ist.