Eigentlich soll auf Snapchat alles schnell verschwinden. Die mithilfe der Smartphone-App veröffentlichten Fotos werden nach wenigen Sekunden wieder gelöscht, was manche Nutzer dazu motiviert, auch intime Einblicke dort zu teilen. Sie sollten sich allerdings nicht darauf verlassen, dass Snapchat sie zuverlässig vor den Blicken Unbefugter schützt.

Zum Jahresende wurden die Daten von rund 4,6 Millionen Snapchat-Nutzern auf der speziell dafür eingerichteten Website snapchatdb.info veröffentlicht. Mittlerweile ist die Adresse abgeschaltet worden (hier die Cache-Version). Doch bis dahin konnte jeder eine Datei mit allen Nutzernamen und den nur geringfügig verfremdeten Telefonnummern herunterladen.

Diese Daten sind deshalb sensibel, weil viele Menschen denselben Nutzernamen auf unterschiedlichen Plattformen verwenden. Relativ einfach lassen sich die Klarnamen der Betroffenen durch einen Abgleich mit anderen Diensten wie Facebook, Twitter oder Google+ ausfindig machen. Und da bei den Telefonnummern nur die letzten beiden Stellen unkenntlich gemacht wurden, bräuchte es höchstens ein wenig Geduld, um die Nummer eines Betroffenen herauszufinden.

Die Hackergruppe, die für die Aktion verantwortlich ist, will auf die Angreifbarkeit des in Los Angeles ansässigen Dienstes hinweisen. Auf Anfrage verschickten die Hacker eine Zeit lang sogar die unbearbeitete Version der Daten. Nach dem Abschalten der Seite funktioniert die angegebene E-Mail-Adresse zwar nicht mehr. Der Reddit-Nutzer "antimatter15" aber hat sich schon früh das Rohmaterial genau ansehen können und dabei festgestellt, dass die verzeichneten Telefonnummern im Wesentlichen aus den USA stammen. Auch zwei kanadische Vorwahlnummern hat "anitmatter15" ausfindig gemacht. Auf der Seite Snapcheck können besorgte Nutzer überprüfen, ob sie auch auf der Liste stehen.

350 Millionen Snapchat-Nachrichten täglich

Sicherheitsforscher schätzen den Hack als eher minderschwer ein, da keine wirklich sensiblen Daten wie Kreditkarteninformationen oder die Snapchat-Fotos selbst veröffentlicht wurden. Doch das Leck wirft ein Schlaglicht darauf, wie wichtig das junge und extrem gehypte Unternehmen die Sicherheit seiner Nutzer nimmt. Oder eben nicht.

Snapchat gilt wegen seiner vorwiegend jungen Nutzerschaft als eines der aussichtsreichsten Start-ups zurzeit. Die App gibt es für iPhones und Android-Handys, und sie ist außerordentlich beliebt. Im September sollen laut Wall Street Journal pro Tag 350 Millionen Nachrichten darüber ausgetauscht worden sein. Erst kürzlich haben die beiden Gründer unwidersprochenen Berichten zufolge ein Kaufangebot in Höhe über drei Milliarden Dollar abgelehnt – weil sie damit rechnen, schon bald deutlich mehr wert zu sein.