Die Journalisten, denen der Informant Edward Snowden die von ihm heruntergeladenen geheimen Dokumente übergeben hatte, haben eine neue Website gestartet. Nach Angaben der drei Gründungsmitglieder soll The Intercept die Enthüllungen auf Basis der Snowden-Unterlagen fortführen. Themen sollen etwa Korruption, Justizmissbrauch, Verletzung bürgerlicher Freiheiten und soziale Ungleichheit sein. Langfristig sei ihre Mission, "aggressiven und unabhängigen kontroversen Journalismus" zu liefern, schreibt Greenwald.

Das Team besteht im Kern aus dem früheren Guardian-Journalisten Glenn Greenwald und der Dokumentarfilmerin Laura Poitras, die das erste Interview mit Snowden nach dessen Flucht in Hongkong geführt hatte. Ihnen hatte der frühere Geheimdienstmitarbeiter seine Dokumente überlassen. Zu ihnen stieß der Enthüllungsreporter Jeremy Scahill, der mit seinen Recherchen zur früheren US-Söldnerfirma Blackwater und zu den geheimen US-Kommandoaktionen im sogenannten Kampf gegen den Terror für Aufsehen gesorgt hatte.

Finanziert wird das Projekt von Pierre Omidyar, einem milliardenschweren Mitgründer der Handelsplattform eBay. Er hatte sich schon vor Jahren nach Hawaii zurückgezogen und dort mit Journalismus-Projekten experimentiert. Im vergangenen Jahr entschied er sich nach eigenen Angaben gegen einen Kauf der Washington Postdie dann in den Besitz von Amazon-Chef Jeff Bezos überging. Stattdessen will er 250 Millionen Dollar in das Projekt mit Greenwald stecken. Die Journalisten beteuerten, dass ihre redaktionelle Unabhängigkeit garantiert sei. The Intercept ist nur das erste von mehreren Onlinemagazinen, die von Omidyars Plattform First Look Media veröffentlicht werden sollen.

Neue Enthüllungen über Drohnenangriffe

Im ersten Bericht von The Intercept geht es um Drohnenangriffe des US-Militärs, deren Ziele oft allein auf Grundlage von Daten-Auswertung und Handy-Ortung bestimmt werden. Die Identität der Zielperson wird dabei nicht von Agenten im Einsatzgebiet geprüft, was zum Tod Unschuldiger führe. Greenwald und Scahill, die Autoren des Berichts, berufen sich auf Snowden-Dokumente und die Aussagen zweier ehemaliger Drohnenpiloten, die an tödlichen Angriffen beteiligt waren. Bereits im Oktober hatte die Washington Post einen ähnlichen Bericht veröffentlicht. Dabei ging es vor allem um die Drohnenangriffe der CIA.

Die neue Enthüllungsplattform "The Intercept" präsentiert die neue Recherche über US-Drohnenangriffe © Screenshot The Intercept

Die zweite Story auf der – zwischenzeitlich nicht erreichbaren – Seite von The Intercept stammt von Trevor Paglen. Der Fotograf, der sich darauf spezialisiert hat, die Welt der Geheimdienste und der geheimen Militärprojekte sichtbar zu machen, hat Luftaufnahmen der Hauptquartiere von NSA, NRO (National Reconnaissance Office) und NGA (National Geospatial-Intelligence Agency) gemacht. Diese drei Behörden sammeln Daten und werten sie aus, bevor sie zum Beispiel von der CIA für Drohnenangriffe verwendet werden. Die Fotos dürfen von jedem genutzt und weiterverbreitet werden, schreibt Paglen ausdrücklich.