Lance Ulanoff, Chefreporter der Technikseite Mashable, hielt es erst für einen Witz. Die NSA hatte ihm zwei Pamphlete geschickt, in denen sie ihre Mission darstellte. Im beiliegenden Brief hieß es, das Material solle "das Bewusstsein für die Rolle der NSA bei der Verteidigung der Nation erweitern". Ulanoff hatte es nicht bestellt, aber er war nicht der einzige Journalist, der es auf den Schreibtisch bekam.

Was wie ein Versuch aussieht, etwas mehr Transparenz herzustellen, ist allerdings wenig mehr als Propaganda. Was die PR-Spezialisten der NSA schreiben, entspricht nicht der Wahrheit. Die Snowden-Dokumente und andere Quellen widerlegen es.

Beispiel eins: "Die NSA arbeitet sich durch Daten, um wichtige Informationen zu entdecken, die Bedrohungen identifizieren, Kriege verkürzen, Menschenleben retten und Konflikte verhindern können", heißt es etwa unter der Überschrift "Operieren als verantwortungsvolle Bürger".

Es könnte genau so gut heißen: "Die NSA arbeitet sich durch Daten, um Informationen zu entdecken, die Menschenleben verkürzen." Denn der Dienst liefert der CIA Standortdaten von Terrorverdächtigen, die dann ohne Gerichtsprozess per Drohnenangriff getötet werden. Die Washington Post und The Intercept haben ausführlich und auf der Grundlage verschiedener Quellen darüber berichtet. 

Beispiel zwei: "Die Arbeit der NSA wird in einem rechtlichen Rahmen ausgeführt, der Privatsphäre schützt", heißt es auf derselben Seite. Das Recht auf Privatsphäre, wie es die US-Verfassung und die Gesetze garantierten, würden "peinlich genau beachtet".

Dem steht die anlasslose Sammlung aller Verbindungsdaten aller US-Bürger für fünf Jahre gegenüber, die das unabhängige Privacy and Civil Liberties Oversight Board als eindeutig verfassungswidrig und ein Bundesrichter als "wahrscheinlich verfassungswidrig" bezeichnet. Dass der Geheimdienst aufzeichnet, welche Porno-Websites angeblich radikale Prediger aufrufen, um sie diskreditieren zu können, dürfte ebenfalls nicht mit dem Recht auf Privatsphäre vereinbar sein.

Beispiel drei: Mit "Sechs Mythen über die NSA" ist eine andere Seite überschrieben. Der erste angebliche Mythos: "Die NSA überwacht die Kommunikation in aller Welt zu jeder Zeit."

In Wahrheit sei die NSA aber "kein unterschiedsloses Vakuum, das alles sammelt, was es gibt. Der Dienst arbeitet mit dem Fokus eines Laserstrahls – und 'ausländisch' ist das maßgebliche Wort."

"Collect it all"

Das passt nicht zum Standpunkt des scheidenden NSA-Direktors Keith Alexander. Dessen Ansatz ließe sich mit "Collect it all" – Sammelt alles – zusammenfassen, sagten Menschen, die Alexander kennen, der Washington Post. Statt die Nadel im Heuhaufen zu suchen, würde er den ganzen Heuhaufen zusammenstellen lassen. Und die Sammlung der Verbindungsdaten aller US-Bürger widerlegt wiederum den angeblichen Fokus auf "ausländische" Verdächtige.

Vier der fünf restlichen angeblichen Mythen spielen in der öffentlichen Diskussion keine Rolle. Es sind Mythen, die der Geheimdienst entkräftet, ohne dass sie jemals jemanden interessiert hätten.