Wer der Superstar auf dem diesjährigen Festival ist, wird schnell klar. Die Schlange zum Gespräch mit Edward Snowden zieht sich am frühen Morgen bereits durch das ganze Convention Center, dem riesigen Hauptquartier des South By Southwest (SXSW). 20 Minuten vor Beginn ist die Halle gefüllt. Das ganze erinnert an ein Popkonzert. Dabei ist Snowden nicht mal anwesend. Nur per Videoschalte wird er von Russland nach Austin gebeamt, in drei verschiedene Räume. Bis zuletzt haben konservative Politiker im Land versucht, den Whistleblower aus dem Programm streichen zu lassen – vergebens.

"Da wir nicht besonders viel Applaus bekommen haben, als wir auf die Bühne gekommen sind, nehmen wir an, Ihr seid nicht wegen uns hier", sagt Moderator Ben Wizner. "Lassen wir die Hauptattraktion auf die Bühne kommen." Als Edward Snowden auf der großen Videoleinwand erscheint, wird es laut in der Halle. Dann friert das Bild das erste Mal ein. "Unser Freund ist mit uns über sieben Proxys verbunden, haben Sie ein wenig Geduld", scherzt Wizner. "Sieben Proxies", das ist ein altes Internet-Mem.

Es ist das erste Mal, dass Snowden ein öffentliches Live-Interview gibt. Dass er dafür das SXSW-Festival auswählt, ist kein Zufall. Es sind seine Leute, zu denen "Ed" hier spricht. Die Besucher sind sich einig: Ohne Snowden hätten die großen Firmen der Branche, allen voran Facebook, Google und Yahoo, in den vergangenen Monaten nichts dafür getan, ihre Daten sicherer zu machen. Er hat ihnen und der Welt die Augen geöffnet.

Es ist vor allem ein politischer Appell, mit dem Snowden sich meldet. Niemand habe um eine derart groß angelegte Überwachung gebeten, niemand sei gefragt worden, sagt er zu Beginn der einstündigen Übertragung. "Wir brauchen Euch, um das Problem zu lösen", sagt er direkt an die Technologiegemeinde in der Halle. Die Menschen überall auf der Welt müssten sich auf garantierte sichere Kommunikation verlassen können, die ohne technisches Verständnis funktioniert. Unternehmen, sagt Snowden, hätten kein Recht und keinen Grund, Daten ihrer Nutzer über Jahre hinaus zu speichern.

Statt neuer Apps interessieren Snowden und Assange

Die größte Techmesse der Welt, das Spaßfestival, das für die neuesten Gadgets und Trends steht, ist ernster geworden. Im Programm finden sich Dutzende von Diskussionen rund um Überwachung, Datenschutz und Privatsphäre. In die Panels zu Technologien wie intelligenten Uhren und selbstfahrenden Autos dringt unweigerlich eine kritische Frage: die nach der Sicherheit der Daten und wie viel wir wirklich teilen wollen. Im vergangenen Jahr suchte man so etwas noch vergebens.

Es ist nicht wie sonst eine App oder ein Start-up, das die Gespräche auf den Gängen und den abendlichen Meet-ups im Convention Center bestimmt. Es sind die Namen Snowden und Assange und Greenwald, die die Aufmerksamkeit der mehr als 30.000 Besucher des SXSW Interactive auf sich ziehen. Seit Tagen sprechen hier alle von den Videoauftritten der Aktivisten, von den neuen Helden des Informationszeitalters. Das nächste Twitter oder Foursquare, die hier groß wurden, sucht man in diesem Jahr vergeblich.