Schon heute besitzt die US-Bundespolizei FBI nach eigenen Angaben eine der größten biometrischen Datenbanken der Welt. Die soll mit Millionen von Fotos von Verdächtigen und Unverdächtigen erweitert werden. Wie weit das FBI mit diesen Plänen schon ist, geht aus Dokumenten hervor, die der amerikanischen Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) vorliegen.

Bereits seit 2011 bemüht sich die EFF um Einblicke in das geplante Programm des FBI. Doch die Anfragen nach dem Informationsfreiheitgesetz wurden von der Behörde immer wieder abgewiesen oder lückenhaft beantwortet. Im vergangenen Sommer klagte die Organisation schließlich vor einem Gericht in Kalifornien – und bekam nun die entsprechenden Dokumente ausgehändigt.

Next Generation Identification

In der Kritik steht ein Programm namens Next Generation Identification, kurz NGI. Dabei handelt es sich um eine Erweiterung des Integrated Automated Fingerprint Identification Systems (Iafis), das schon jetzt mehr als 100 Millionen Fingerabdrücke umfasst. Das NGI soll diese Datenbank ausbauen, und zwar mit weiteren biometrischen Daten: Es geht um Handflächen- und Iris-Scans, sowie eben um die Möglichkeit einer umfassenden Gesichtserkennung.

Alle Daten fließen in einer zentralen Datenbank zusammen, die von insgesamt 18.000 Strafverfolgungsbehörden auf lokaler, bundesstaatlicher und auf Bundesebene in den USA genutzt wird. Wie aus den Unterlagen hervorgeht, könnte die Datenbank bis zum Jahr 2015 rund 52 Millionen Fotos zur Gesichtserkennung enthalten; 55.000 Bilder können pro Tag neu eingestellt werden, heißt es in der Pressemitteilung der EFF.

Der Großteil der Daten stammt aus der Strafverfolgung: Die sogenannten Mugshots, die nach einer Verhaftung aufgenommen werden und anschließend in einer Datenbank landen, werden bereits jetzt mit anderen biometrischen Daten wie Fingerabdrücken verknüpft, um die Strafverfolgung zu erleichtern.

Doch eben nicht nur: Wie aus den Dokumenten hervorgeht, könnte die Datenbank bis zum Ende des Jahres auch mehr als vier Millionen Bilder von Nicht-Kriminellen enthalten. Das wären zwar nur etwa acht Prozent der gesamten Datenbank, doch die Zahl könnte in den kommenden Jahren weiter steigen.

Keine Trennung zwischen Kriminellen und Unschuldigen

Etwa durch die sogenannten background checks: Diese Prüfungen werden inzwischen von vielen Arbeitgebern in den USA verlangt, wenn sie jemanden einstellen, zum Beispiel von Taxiunternehmen. Auch wer eine Handfeuerwaffe in einem Waffengeschäft erwirbt, muss diese Zuverlässigkeitsprüfung bestehen. In der Regel wird dazu lediglich die bereits bestehende Datenbank nach persönlichen Daten abgefragt. Doch nach den Plänen des NGI könnte ein Arbeitgeber auch nach einem Passfoto verlangen, das dann dauerhaft in der Datenbank des FBI landet. Andere Foto-Quellen beschreibt das FBI sogar abstrakt. Woher die entsprechenden Bilder kommen, ist also auch den Bürgerrechtlern von der EFF nicht klar.

Das größte Problem: Diese Datensätze werden nicht mehr unabhängig von denen aus der Strafverfolgung behandelt, wie es bis jetzt der Fall war. Jeder Datensatz bekommt ab diesem Jahr eine Universal Control Number (UCN), und alle Abfragen greifen künftig auf sämtliche Quellen zu. Das könnte dazu führen, dass die Bilder unbescholtener Bürger neben Bildern von Kriminellen auftauchen und somit Teil der Untersuchung werden.

Auch deutsche Bürger wären möglicherweise davon betroffen: Im Rahmen des Visa-Waiver-Programms können deutsche Bürger, deren Reisepass bereits biometrische Daten enthält, ohne Visa in die USA einreisen. Bei der Einreise werden zusätzlich Fingerabdrücke genommen und Fotos gemacht – sie landen ebenfalls in Datenbanken, auf die das FBI Zugriff hat.