Problematisch wird der Umgang mit den Forderungen und Daten vor allem, wenn aus Unschuldigen auf einmal säumige Schuldner werden. Bei der Datenübermittlung von Inkassounternehmen an Auskunftei passierten häufig Fehler, sagt Anwalt Tintemann. "Da landen dann harte Negativ-Einträge bei Namensvettern, die gar nicht die echten Schuldner sind. Laut einer Studie des Bundesministeriums für Verbraucherschutz sind rund 45 Prozent der Einträge bei der Schufa fehlerhaft oder falsch."

So wie in meinem Fall, in dem die Bonität abrupt auf einen geringen Wert sinkt. Vielen Verbrauchern fällt dies oft monate- oder jahrelang gar nicht auf. Denn wer seine Schufadaten nicht regelmäßig überprüft, wird erst merken, dass seine Bonität quasi nicht mehr vorhanden ist, wenn er für eine Wohnungssuche, einen Kredit- oder Mobilfunkvertrag eine Schufa-Auskunft benötigt. Schlimmer trifft es Selbstständige, Unternehmer und Arbeitgeber. Für sie kann ein negativer Eintrag schnell existenzgefährdend werden.

In meinem Fall zeigt ein Blick in die alten Akten zum Identitätsdiebstahl, dass schon im Januar 2010 die falschen Forderungen von Universum Inkasso in meinen Schufa-Daten auftauchten. Damals nahm ich sofort Kontakt zu dem Unternehmen auf und schrieb, dass ein Betrugsfall vorliegt. Meinem Brief lagen damals auch das Aktenzeichen der ermittelnden Polizeibehörden und ein Brief meines Anwalts bei.

Schufa vermerkt Fälle von Identitätsdiebstahl

Tatsächlich antwortete mir damals auch der Rechtsanwalt des Unternehmens: Man habe keine weiteren Daten zu meiner realen Person an die Schufa übermittelt. Die Schufa löschte die falsche Forderung wie diverse andere seinerzeit anstandslos aus meinen Daten. Auch nahm man einen Vermerk auf, dass ich Opfer von Identitätsdiebstahl geworden war. Der Vermerk machte sich auch später immer mal wieder bemerkbar: Bestellte ich Ware im Internet und prüfte ein Händler meine Bonität, bekam ich eine Nachricht von der Auskunftei mit der Anfrage, ob tatsächlich ich eine Bestellung vorgenommen habe. Opfern von Datenmissbrauch schafft diese Überwachung durchaus Vertrauen.

Wie konnten nun die falschen Daten von damals erneut in meine Schufa-Daten gelangen? Ich nehme Kontakt mit Universum Inkasso auf. Der Geschäftsführer reagiert umgehend und ist verlegen. Er habe das Unternehmen erst vor wenigen Monaten gekauft und könne zu Vorgängen aus der Vergangenheit nichts sagen. Aber der Datenschutzbeauftragte Thomas Stemmer kümmere sich darum. Dieser meldet sich tags drauf und gibt zu: Offenbar hat man die Forderung damals nicht gelöscht. Und offenbar habe es auch nie einen rechtswirksamen Titel gegeben, weil die Zustellungsversuche unter der falschen Adresse natürlich fehlschlugen. Dort gab es natürlich keine Tina Groll.

"Aufgrund der Aktenlage kommen wir zu der Annahme, dass die Sachbearbeitung entschieden hat, die Forderungsbeitreibung trotz Ihres Hinweises auf einen Betrugsvorfall fortzusetzen, um an den tatsächlichen Schuldner zu langen", heißt es vom Unternehmen. Man habe dann Monate später unter dem internen  Hinweis "Schuldner unbekannt" die Beitreibung ausgesetzt. Die Forderung erhielt den Vermerk "ruhend", nicht aber abgeschlossen.

Gegenseitige Schuldzuweisungen

Gelöscht wurde sie also nie, es wurden nur meine realen Adressen nicht verwendet, die das Unternehmen durch Abfragen bei den Einwohnermeldeämtern in Erfahrung gebracht hatte. Und Ende 2012 habe es dann ein neues Inkassosystem gegeben, in das alle alten Forderungen übernommen wurden. Dabei könnte der interne Verweis verloren gegangen sein, dass die Forderung eben nicht auf Tina Groll läuft. Als Universum Inkasso im November 2013 bei der Schufa eine Bestandsaktualisierung durchführte, geriet die falsche Forderung von damals erneut in meinen ganz realen Datensatz. Falsche Adresse hin oder her.

"Wir übernehmen die Daten unserer Vertragspartner nur spiegelbildlich", heißt es auf Seiten der Schufa. Universum-Inkasso erklärt, es hätte eigentlich zu dieser Verwechslung nicht kommen dürfen, weil man ja nur die Forderung unter der falschen Adresse gemeldet hätte. Die Schufa habe falsche Adresse und reale Person nun erneut zusammengebracht. "Eine mögliche Zusammenführung Ihrer Person mit dieser Adresse bei Dritten liegt nicht in unserem Verantwortungsbereich",  schreibt mir der Datenschutzbeauftragte von Universum Inkasso.

Die Nachfrage bei der Schufa zeigt aber: Die falsche Adresse ist in meinem Datensatz gar nicht gespeichert, vielmehr läuft die Zusammenführung über Namen und Geburtsdatum – also den von dem Vertragspartner gemeldeten Daten.

Zugleich erfahre ich, dass Universum Inkasso bei der Wiederbelebung der alten Datensätze die falsche Forderung auch noch an eine andere Auskunftei weitergegeben hat. Immerhin: Nach einigem Hin und Her teilt mir das Inkassobüro mit, dass man eine Löschmitteilung an die Auskunfteien herausgegeben habe. Die Schufa ist unterdessen schon selbst tätig geworden. Vier Tage später ist mein Score wieder korrekt. Ich bin wieder solvent.