Der Österreicher Max Schrems (Archivbild von 2012) © REUTERS/Herwig Prammer

Ist das der ultimative Trollversuch oder einfach konsequentes staatsbürgerschaftliches Engagement? Max Schrems hat sich für den Posten des obersten Datenschutzbeauftragten von Irland beworben.

Zur Erinnerung: Schrems ist der Wiener Jurist, der seit drei Jahren versucht, Facebook zu mehr Transparenz, mehr Datenschutz und mehr Mitbestimmungsrechten für die Nutzer zu bewegen. Und der die irische Datenschutzbehörde DPC deshalb seit drei Jahren nach Kräften nervt, weil die für Beschwerden europäischer Facebook-Mitglieder zuständig ist.

Begonnen hat es im Jahr 2011: Der heute 26-Jährige hatte mit seiner Initiative Europe versus Facebook bei der DPC gleich 22 Beschwerden gegen Facebook eingereicht. Die Behörde unterzog Facebook in Dublin kurz darauf einer mehrmonatigen Betriebsprüfung, in der die Beschwerden zumindest teilweise berücksichtigt wurden. Mit dem Ergebnis, den nachfolgenden Versprechungen von Facebook und deren erneuter Überprüfung durch die DPC war Schrems immer unzufrieden. Bis heute hat die DPC nicht endgültig über seine 22 Beschwerden entschieden. Aber wenn ihm die Entscheidung auch nicht gefällt, will er sie vor irischen Gerichten anfechten.

Als die Snowden-Enthüllungen begannen, wandte sich Schrems ebenfalls an die DPC – und an die luxemburgischen und bayerischen Datenschutzbehörden. Er reichte dort Beschwerden gegen die europäischen Tochterfirmen von Facebook, Apple, Microsoft, Skype und Yahoo ein. Wenn diese Unternehmen die Daten ihrer europäischen Kunden zur Verarbeitung in die USA schicken, müssten sie laut Safe-Harbor-Abkommen ein "angemessenes Schutzniveau" sicherstellen, argumentierte Schrems. Angesichts ihrer Kooperation mit der NSA im Rahmen des Prism-Programms sei das aber nicht möglich. Die irische Behörde befand, es gebe nichts zu untersuchen. Schrems klagte vor dem obersten irischen Zivilgericht, dem High Court – und der war anderer Meinung als die DPC. Das Gericht gab den Fall an den Europäischen Gerichtshof weiter, die Verhandlung dort läuft noch.

Buch geschrieben, Transparenzplattform mitgegründet

Nebenbei gründete Schrems die Plattform Lobbyplag mit. Die stellt Dokumente von Firmen, Verbänden und Organisationen zur geplanten EU-Datenschutzverordnung den Anträgen von EU-Parlamentariern gegenüber. Ziel ist es, Fälle zu dokumentieren, in denen die Abgeordneten Lobbyistenpapiere eins zu eins übernommen haben. Ein Buch über seine Erfahrungen hat er auch schon geschrieben. Kämpf um deine Daten heißt es.

Nun hat sein nächstes Projekt begonnen: Vor drei Wochen gab die DPC bekannt, dass die Stelle des Datenschutzbeauftragten neu besetzt wird. In der vergangenen Nacht hat Schrems seine Bewerbung für den Posten abgeschickt.

Will er wirklich Chef der Behörde werden, die er so lange kritisiert hat? Will er in diesem Haus im 6.000-Einwohner-Nest Portarlington, 80 Kilometer westlich von Dublin arbeiten? Will er allen zeigen, dass er es besser kann als der amtierende Direktor Billy Hawkes?

Der nächste Direktor soll kein ahnungsloser Beamter sein

Nein, will er nicht. Aber er will auch nicht, dass wieder nur ein "lang gedienter, aber ahnungsloser Beamter" den Job bekommt. Der Jurist betrachtet seine Bewerbung als "Entwicklungshilfe für Irland": Sein Name sei dort wohlbekannt, sagt Schrems am Telefon. Er hofft, dadurch in nächster Zeit eine gewisse Aufmerksamkeit für den Posten und den Auswahlprozess schaffen zu können. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Wahl auf ihn selbst fällt, schätzt er auf "nahezu null".

Doch er weiß von einem anderen, vielversprechenden Bewerber. Einem, der auf dem Papier alle Voraussetzungen für den Job erfüllt, und dessen Interesse an dem Posten ebenfalls für Diskussionen sorgen könnte: Caspar Bowden.

Bowden war einst Datenschutzberater in der Europazentrale von Microsoft in London. Das Unternehmen entließ ihn, kurz nachdem er festgestellt hatte, dass die NSA sich Daten beschaffen könnte, die Microsoft auf seinen Cloud-Servern in aller Welt speichert. Seither ist Bowden zu einem engagierten, kenntnisreichen und hartnäckigen Streiter für Datenschutz und Privatsphäre geworden. Einer, der Max Schrems' Beschwerden sehr viel mehr Sympathie entgegenbringen dürfte als der bisherige irische Datenschutzbeauftragte.

Bowden hat sich allerdings zusätzlich für den Posten des Europäischen Datenschutzbeauftragten beworben, wie er ZEIT ONLINE sagte.