Zum ersten Mal legt die Wikimedia-Stiftung, Betreiberin der Online-Enzyklopädie Wikipedia, einen Transparenzbericht vor. Darin werden Anfragen von Behörden, Unternehmen, Organisationen oder Privatpersonen angeführt, die sich für die Daten von Wikipedia-Usern interessieren. Derartige Nutzerdaten können Informationen zu Alter, Geschlecht oder Wohnort sein. Auch spezifischere Daten sollen nachgefragt worden sein, wie die Wikimedia-Foundation auf ihrer Seite mitteilt. 

Wikimedia führt den Schutz der Privatsphäre seiner User als Grund an, einen Transparenzbericht vorzulegen. Er solle Klarheit schaffen über die Anzahl von Zugriffsanfragen, die jedes Jahr gestellt würden. Im Vergleich zu Facebook, Microsoft, Yahoo oder Google hat Wikipedia mit einer geringen Anzahl an Anfragen zu tun: Lediglich 56 sollen im Erhebungszeitrum zwischen Juli 2012 und Juni 2014 bei der Stiftung eingegangen sein. 28 Anfragen seien demnach sogenannte "informal non-goverment requests", also Anfragen von Privatpersonen, Organisationen oder Unternehmen, gewesen. Weitere 15 Anfragen wurden von behördlichen Institutionen gestellt. Zudem habe es Zugriffsanfragen im Zuge von Rechtsstreitigkeiten oder polizeilichen Ermittlungen gegeben. 

Größeres Interesse besteht offenbar an der Modifizierung oder dem Löschen von Inhalten der Enzyklopädie. Im Erhebungszeitrum von Juli 2012 bis Juni 2014 sind 304 Forderungen an Wikimedia eingegangen, Inhalte manuell zu ändern oder ganz zu löschen. Dabei betont die Stiftung, die meisten Auseinandersetzungen um Inhalte der Enzyklopädie würden die User klären, ohne dass ein Eingreifen von Wikimedia notwendig würde. Der größte Prozentsatz an Forderungen, Inhalte zu überarbeiten, kam demnach aus den USA, gefolgt von Deutschland und Großbritannien. 

Auch das im Mai vom Europäischen Gerichtshof (EuGH) beschlossene "Recht auf Vergessen" betrifft die Online-Enzyklopädie. Google hat erstmals einen Link auf einen Wikipedia-Artikel aus seinem Suchindex genommen. Das berichtet die britische Zeitung Observer. Um welchen Wikipedia-Artikel es sich dabei handelt und wer die Suchanfrage gestellt hat, ist nicht bekannt. Der Artikel kann immer noch über einen Direktlink oder über die Suchleiste von Wikipedia, jedoch nicht mehr über Google gefunden werden. Google hat seit dem 18. Juli bereits 91.000 Löschanfragen erhalten, die das Unternehmen derzeit bearbeitet.  

Wikimedia reagierte auf die Sperrung mit einer speziellen Website, auf der die Stiftung Screenshots von den Sperrungshinweisen durch Google sammelt. Je drei Wikipedia-Artikel sollen auf den englischen und italienischen Seiten betroffen sein, die sich mit Verbrechen in den 1970er-Jahren beschäftigen, sowie das Bild eines unbekannten Künstlers. In der niederländischen Ausgabe ist eine Reihe von Links gelöscht worden, die ein Wikipedia-internes Schiedsgericht betreffen. Noch nicht alle Sperren scheinen aktiv zu sein.