Bislang gilt E-Mail-Verschlüsselung als ein Hobby für Nerds und wird von der großen Masse der Nutzer kaum angewendet. Doch das könnte sich bald ändern. Yahoo will sein Freemail-Angebot künftig mit einer Möglichkeit zur Ende-zu-Ende-Verschlüsselung auf Basis des OpenPGP-Standards ausstatten.

Das kündigte Yahoos Sicherheitschef Alexander Stamos auf der Black Hat 2014 an. Implementiert werden soll das neue Verschlüsselungssystem von Yan Zhu. Die Programmiererin war vorher bei der Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) angestellt und hat dort bereits zahlreiche Projekte im Zusammenhang mit Kryptografie betreut. So war sie unter anderem federführend an der Entwicklung der Browsererweiterung HTTPS Everywhere beteiligt.

Neben Yahoo arbeitet auch Google an der Möglichkeit einer PGP-basierten Ende-zu-Ende-Verschlüsselung im Browser. Yahoo will mit Google bei der Umsetzung des neuen Systems kooperieren, sodass die Verschlüsselung zwischen Nutzern von Gmail und Yahoo Mail problemlos abläuft. Dank des PGP-Standards wird aber vermutlich auch eine Kommunikation mit allen anderen Nutzern möglich sein, die bereits jetzt PGP oder GnuPG einsetzen.

Bei der technischen Umsetzung haben Yahoo und Google einige Probleme zu lösen. Bislang setzen fast alle Mailverschlüsselungssysteme darauf, dass die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung in einem E-Mail-Programm wie Thunderbird stattfindet. Doch inzwischen nutzen viele Anwender Webmail-Systeme. Auch ein Webmail-System kann mittels Javascript Verschlüsselungsoperationen ausführen. In Zukunft wird dies dank einer in Arbeit befindlichen Erweiterung namens WebCrypto auch zunehmend einfacher. Schwierigkeiten ergeben sich aber etwa bei der Schlüsselverwaltung. Ein Nutzer, der verschiedene Browser nutzt, etwa auf einem Smartphone, einem Tablet und einem gewöhnlichen PC, benötigt eine Möglichkeit, den Schlüssel sicher zwischen den verschiedenen Systemen zu übertragen.

Ein Grundproblem von Verschlüsselungssystemen im Browser ist es, dass der Nutzer darauf vertrauen muss, dass der vom Server gesendete Code korrekt arbeitet. Im ungünstigsten Fall könnten Strafverfolgungsbehörden einen Anbieter wie Yahoo dazu zwingen, eine Hintertür in entsprechendem Javascript-Code auszuliefern.

Doch trotz dieser möglichen Probleme: Mit dem Einsatz von Ende-zu-Ende-Verschlüsselung dürfte sich die Sicherheit und Vertraulichkeit von E-Mails deutlich erhöhen. Im Vergleich dazu wirken die Mühen deutscher Provider, die sich werbewirksam in der Kampagne E-Mail Made in Germany zusammengeschlossen haben, noch mager. Die deutschen Provider setzen bislang ausschließlich auf Transportverschlüsselung. Auch das von der Bundesregierung gewünschte De-Mail-System setzt nur darauf. Auf den Servern liegen die E-Mails weiterhin unverschlüsselt vor.

Dieser Text ist zuerst bei golem.de erschienen.