Atlas-Kunden definieren ihre Zielgruppe, an die sie ihre Werbung richten. © Atlas Solutions

Facebook stellt seine Nutzerdaten ab sofort Werbetreibenden zur Verfügung, die ihre Zielgruppe auch außerhalb des Netzwerks ansprechen wollen. Atlas heißt die Plattform, die das ermöglicht. Dort kann zum Beispiel der Hersteller eines Energy Drinks gezielt nach jungen Menschen suchen, die sich für bestimmte Sportarten interessieren und in einer bestimmten Region leben. Diesen Menschen kann die Firma dann Anzeigen einblenden, etwa in Sport-Apps oder auf Nachrichtenseiten.

Dabei hilft es Facebook, dass seine Nutzer viele Angaben freiwillig und wahrheitsgemäß machen. Zudem kann ihnen Facebook über sogenannte Tracking-Cookies sowohl im Browser als auch über seine App quer durchs Netz folgen, so lange sie eingeloggt sind.

Atlas liefert Werbetreibenden aber keine Namen. Wer also Werbung vom Hersteller des Energy Drinks zu sehen bekommt, kann also davon ausgehen, dass die Firma ihr gewünschtes Publikum bei Atlas definiert hat und dass er mit seinen Daten in diese Zielgruppe passt. Facebook hat seine Nutzer im Juni darauf hingewiesen, wie sie sehen und beeinflussen können, was für werberelevante Daten es über sie gespeichert hat und wie sie das Tracking einschränken können.

Ello: ein werbefreies Netzwerk

Der Start von Atlas zeigt, womit Nutzer werbefinanzierter Netzwerke rechnen müssen. Wer dagegen ein soziales Netzwerk sucht, das gar keine Anzeigen einblendet und kein Geld mit Profildaten verdient, hat mit Ello möglicherweise eine neue Alternative. Einige Journalisten, insbesondere in den USA, sind begeistert.

Ello ist nicht das erste Netzwerk, das anders und besser als Facebook, Twitter und Google plus sein will. Bislang hat das nie so recht geklappt, aller Anfangseuphorie zum Trotz. App.net ist so ein Fall, und auch das dezentrale Netzwerk Diaspora, dessen Macher sich zurückgezogen und die Weiterentwicklung der Community überlassen haben. Auch Ello sieht noch nicht so aus, als könnte es das nächste große Ding werden. 

Screenshot der Ello-Startseite © Screenshot ZEIT ONLINE

Der größte Vorteil des Netzwerks: Ello ist werbefrei. Es gibt keine Anzeigen, dafür aber viel Weißraum und viel Platz, um zum Beispiel großformatige Fotos zu posten. Ello wirkt geradezu minimalistisch, aber dafür nicht gerade lebendig – was aber auch daran liegt, dass Ello bislang nur spärlich bevölkert ist.

"Ello ist noch in der Betaphase", schreibt Paul Budnitz, einer der sieben Gründer, in einer E-Mail an ZEIT ONLINE. "Wir haben es ursprünglich als privates Netzwerk gebaut und zunächst nur rund 100 Künstler und Designer aus unserem Bekanntenkreis eingeladen. Aber weil so viele Menschen Mitglied werden wollten, haben wir uns entschlossen, es langsam öffentlich zu machen." Wer jetzt Mitglied werden will, braucht eine Einladung von einem anderen Nutzer oder vom Ello-Team selbst.

Das schlichte Design ist Budnitz wichtig: "Die anderen Netzwerke sind vollgestopft, hässlich und überall stehen Anzeigen. In Facebook haben wir zudem festgestellt, dass unsere Freunde mitunter nicht sehen konnten, was wir gepostet haben, weil Facebook Anzeigen und bezahlte Posts bevorzugt." In Ello bekommt man deshalb nur die Einträge jener zu sehen, denen man explizit folgt. Sie lassen sich auf zwei Listen verteilen: Friends heißt die Liste für alle engen Kontakte, Noise heißt die Liste für alle, deren Einträge man ab und zu mal sehen will. 

Neue Funktionen sollen in den kommenden Wochen kommen

Es gibt in Ello keine Zeichenbegrenzung für einzelne Einträge und keine Klarnamenpflicht. Pornografische Inhalte sind erlaubt, sofern sie als NSFW gekennzeichnet sind (Not Safe For Work – nicht arbeitsplatz-tauglich).

Einige wichtige Funktionen fehlen noch: Videos und Soundfiles lassen sich noch nicht einbinden, andere Nutzer lassen sich noch nicht blocken und einen privaten Nachrichtenkanal wie die direct messages von Twitter gibt es bisher ebenso wenig wie eine Ello-App für mobile Geräte.

All das und mehr soll in den kommenden Wochen eingeführt werden. Die Weiterentwicklung und der Serverbetrieb kosten Geld. Die Ello-Macher wollen es mit kostenpflichtigen Zusatzfunktionen verdienen. Budnitz schreibt: "Ello kann man komplett kostenlos nutzen. Aber von Zeit zu Zeit  werden wir spezielle Funktionen anbieten, für die einige unserer Nutzer bereit sein werden, etwas Geld zu bezahlen. Zum Beispiel könnten wir 99 Cent dafür verlangen, dass man mehrere Ello-Profile über einen einzigen Log-in verwalten kann."