Die US-amerikanischen und britischen Geheimdienste NSA und GCHQ verfügen offenbar über Zugänge zu den Netzen der Deutschen Telekom, berichtet das Magazin Der Spiegel. Auch das Kölner Kommunikationsunternehmen Netcologne sei betroffen. Das Magazin habe eine mit einem NSA-Programm erstellte Übersicht einsehen können, in der Zugangspunkte für die technische Überwachung innerhalb dieser Netze verzeichnet gewesen seien.

Demnach diene NSA-Software namens Treasure Map (deutsch: Schatzkarte) dazu, das Internet zu kartografieren. Damit könne jede einzelne Netzverbindung nahezu in Echtzeit sichtbar gemacht werden. Dies umfasse Endgeräte wie Smartphones, Tablets und Rechner. Ziel sei die Planung von Computerattacken und Netzwerkspionage.

Wie die NSA Treasure Map genau nutzt, ist nicht klar. Das Programm ist durch frühere Enthüllungen von Geheimdienstunterlagen bekannt. In einem Bericht der New York Times vom November 2013 wird etwa ein NSA-Mitarbeiter zitiert: "Es gibt mehrere Milliarden IP-Adressen im Internet, Treasure Map kann sie nicht alle kartieren." Das Programm sei kein Überwachungsinstrument, sondern helfe dabei, Computernetzwerke zu verstehen.

Telekom und Netcologne konnten nach Spiegel-Angaben bislang keine verdächtigen Vorrichtungen oder Datenübermittlungen feststellen. "Der Zugriff ausländischer Geheimdienste auf unser Netz wäre völlig inakzeptabel", sagte Telekom-Sicherheitschef Thomas Tschersich. "Wir gehen jedem Hinweis auf eine mögliche Manipulation nach. Zudem haben wir die deutschen Sicherheitsbehörden eingeschaltet."

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) ist ebenso wie das Bundesamt für Verfassungsschutz von der Telekom informiert worden. Man sei dabei, die Situation zu analysieren. Bisher gebe es aber noch keine Ergebnisse. Zunächst müsse unter anderem der technische Sachverhalt geklärt werden.

Die Schaubilder zu Treasure Map, auf die sich das der Spiegel in seinem Bericht bezieht, stammen aus den Unterlagen des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden. In den Grafiken seien die Telekom und Netcologne namentlich aufgeführt und mit einem roten Punkt markiert. In einer Bildlegende heiße es dazu erklärend, die rote Markierung bedeute, dass es "innerhalb" dieser Netze "Zugangspunkte" für die technische Überwachung gebe. 

Auch die Teleport-Anbieter Stellar, Cetel und IABG, die Internet und Telefonie über Satellit ermöglichen, sollen überwacht und ausgespäht worden seien. Hinweise darauf gab es bereits im März dieses Jahres. NSA und GCHQ wollten sich auf Anfrage des Spiegel nicht äußern. Stellar-Geschäftsführer Christian Steffen sagte dem Magazin: "Ein solcher Cyberangriff ist nach deutschem Recht eindeutig strafbar."