Im Englischen gibt es die schöne Redewendung when the shit hits the fan – wenn die Kacke auf den Ventilator trifft. Zwei IT-Sicherheitsforscher aus den USA haben gerade den Code für eine potenziell gefährliche Schadsoftware veröffentlicht und damit die Kacke schon mal auf den Weg zum Ventilator geschickt.

Im August hatten die Berliner Hacker Karsten Nohl und Jakob Lell auf der Black-Hat-Konferenz in Las Vegas erklärt, wie sie jedes Gerät, das einen USB-Anschluss hat, in ein perfides Angriffswerkzeug verwandeln können. Ein USB-Stick, eine Maus, eine Webcam – all diese Geräte können einem Computer vorgaukeln, ein anderes Gerät zu sein, als sie sind. Und deshalb können sie ganz andere Dinge tun, als ein Nutzer erwartet, ohne dass der das bemerkt. Selbst die vollständige Übernahme eines fremden Rechners ist auf diesem Weg möglich. 

Das Besondere an der BadUSB getauften Angriffsfamilie: Die Malware steckt in der Firmware des Controller-Chips eines USB-Geräts. Der ist so etwas wie der Übersetzer zwischen dem USB-Gerät und dem Computer, an den es angeschlossen wird. Dort wird sie von keinem Antivirusprogramm gefunden und kann auch nicht einfach gelöscht werden. Das unterscheidet sie von klassischen Viren und Trojanern, die als Datei im Speicherchip eines USB-Sticks darauf warten, vom ahnungslosen Anwender geöffnet zu werden.

Die Malware kann zudem so gestaltet werden, dass sie erstens auf jedem Betriebssystem funktioniert und zweitens über den zuerst infizierten Rechner jedes weitere angeschlossene USB-Gerät befällt. Befallen heißt in diesem Fall: Auch die Firmware der Controller-Chips aller anderen USB-Geräte wird von der Schadsoftware überschrieben. Damit entsteht ein kaum zu entdeckender Wurm. Weil ihnen ihr Werk als allzu mächtig erschien, entschieden sich Nohl und Lell, zwar auf die Gefahr aufmerksam zu machen, ihren Code aber nicht zu veröffentlichen.

Das haben stattdessen nun zwei US-Forscher getan. Adam Caudill und Brandon Wilson haben – genau wie die Berliner – die Firmware eines USB-Controller-Chips reverse engineered und verändert. Ein von ihnen derart manipulierter USB-Stick verhält sich wie eine USB-Tastatur und ist in der Lage, an einem Computer eine Eingabemaske zu öffnen und in rasender Geschwindigkeit ein paar voreingestellte Kommandos zu tippen. So lässt sich der Computer im schlimmsten Fall komplett aus der Ferne übernehmen. Caudill und Wilson haben noch ein paar andere Angriffsszenarien entwickelt und ihre Forschungsergebnisse auf einer Konferenz in den USA vorgestellt. Anschließend haben sie ihre Version von BadUSB auf Github hinterlegt.

Behörden wie die NSA nutzen die Technik womöglich längst

Wer möchte, kann den dort veröffentlichten Code nutzen, um bestimmte USB-Geräte zu manipulieren oder um den BadUSB-Angriff weiter zu verfeinern. Caudill und Wilson wollen den Druck auf die Industrie erhöhen, damit die Abwehrmaßnahmen entwickelt, sagten sie im Gespräch mit Wired. Die Angriffsmethode sei wahrscheinlich schon lange von hochgerüsteten Behörden wie der NSA entdeckt und eingesetzt worden, argumentieren sie. Die Industrie habe aber erst dann einen Grund zu handeln, wenn jeder sie einsetzen kann. Dass Nohl von Anfang an gewarnt hatte, dass es keine schnelle Lösung für so ein strukturelles Problem geben könne, ignorieren sie.

Noch mal zusammengefasst: Die Anleitung für einen kaum zu entdeckenden und schwer zu verhindernden Angriff auf fremde Computer ist jetzt öffentlich. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis das jemand ausnutzt.