"Ich war nie ein Panikmacher. Aber ...", sagte FBI-Direktor James B. Comey am Donnerstag in einer Rede in Washington. Aber ein bisschen Panikmache musste dann doch sein. "Verschlüsselung droht, uns an einen sehr dunklen Ort zu führen", sagte er. Einen Ort voller Terroristen und Kinderschänder. Comey machte klar, was er von Verschlüsselung hält: nichts. Jedenfalls nicht, wenn andere sie benutzen. Er ist damit nicht allein.

Comey beklagte, dass es in vielen Onlinediensten keine Schnittstellengibt, über die das FBI jemanden abhören könnte. Und er beschwerte sich darüber, dass Apple und Google bestimmte Nutzerdaten künftig so auf ihren mobilen Geräten verschlüsseln, dass auch die Firmen selbst nicht mehr darauf zugreifen können, selbst wenn sie physischen Zugriff auf das Gerät haben. Das heißt, die Polizei kann nicht wie bisher ein beschlagnahmtes Handy zu Apple schicken und das Unternehmen auffordern, persönliche Daten des Besitzers auszulesen.

Für den FBI-Direktor ist das ein Problem. Ausgeklügelte Verschlüsselung könne die Regierung bei der Strafverfolgung und Überwachung von Terrorverdächtigen "in eine Sackgasse führen – alles im Namen von Privatsphäre und Netzwerksicherheit".

Klarer, quasi unverschlüsselter, hätte er kaum ausdrücken können, dass er Privatsphäre und Netzwerksicherheit für zweitrangig hält.

Comey fordert Überwachungsschnittstellen in allen Kommunikationsdiensten und -kanälen, um Verschlüsselung direkt aushebeln zu können. Die Anbieter sollen diese Hintertüren von Beginn an einbauen, dazu solle es auch eine gesetzliche Grundlage geben.

Es ist nicht das erste Mal, dass das FBI ein neues Calea-Gesetz fordert. Calea steht für Communications Assistance for Law Enforcement Act und verpflichtet US-Telekommunikationsanbieter zur Einrichtung von Hintertüren. Betroffen sind Telefon- und Internetanbieter sowie Voice-over-IP-Dienste. Unternehmen wie Apple, Google und Facebook aber sehen sich nicht als Telekommunikationsanbieter, daher die Forderung nach einem zweiten Calea.

Comey versucht das schönzureden, indem er die Hintertür kurzerhand zur Vordertür erklärt. "Wir suchen keinen Hintertür-Ansatz. Wir wollen die Vordertür benutzen, mit Transparenz und klaren gesetzlichen Vorgaben", sagte er. Dass eine solche Vordertür aber immer auch eine potenzielle Hintertür für Kriminelle und fremde Geheimdienste ist, die sich nicht an Gesetze halten, kann er nicht ausschließen. Trotzdem will er, dass Unternehmen verpflichtet werden, ihre Produkte für alle Nutzer unsicherer zu machen.

Neuauflage der Cryptowars der neunziger Jahre?

Letzten Endes würde das zu einem Verbot bestimmter Verschlüsselungsverfahren führen. Das wollte die US-Regierung zur Zeit der Cryptowars schon einmal einführen, in den neunziger Jahren. Daraus wurde aber nichts. Sicherheitsforscher und Aktivisten befürchten nun eine Neuauflage der Cryptowars.

Vielleicht beruhigen sich aber alle Beteiligten auch wieder. Das FBI könnte anfangen und sich dieses Redemanuskript von Shawn Henry aus dem Jahr 2011 durchlesen. Darin steht sehr anschaulich und leicht verständlich beschrieben, warum Verschlüsselung eine gute Methode für Unternehmen und Privatpersonen ist, ihre Daten vor Kriminellen zu schützen. Henry war damals stellvertretender geschäftsführender Direktor des FBI.