WhatsApp auf einem Smartphone © Stan Honda/AFP/Getty Images

Noch vor zwei Wochen schnitt der Nachrichtendienst WhatsApp in einem großen Messenger-Vergleich der Electronic Frontier Foundation (EFF) ziemlich schlecht ab. Wie die meisten großen Dienste bietet die Facebook-Tochter kaum Möglichkeiten zur Verschlüsselung, um die Nachrichten vor fremden Einblicken zu schützen. Das könnte sich bald ändern. Für die jüngste Android-Version kooperiert WhatsApp nämlich mit den Entwicklern von TextSecure. Dieser Dienst wurde von der EFF als einer der sichersten ausgezeichnet.

In einem Blogeintrag schreiben Whisper Systems, die Entwickler von TextSecure und des Redphones, dass sie bereits seit einem halben Jahr mit WhatsApp an einer Umsetzung der Technik arbeiten. Die neuste Version des Dienstes nutzt das Protokoll von TextSecure, das als offene Software frei verfügbar ist. Es ermöglicht eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, bei der die Daten auf dem kompletten Verkehrsweg zwischen Sender und Empfänger verschlüsselt sind. Bislang wurden sie das lediglich zwischen dem Sender und den WhatsApp-Servern. Dort angelangt, konnten die Inhalte eingesehen werden.

"Ich glaube, das ist die größte Einführung von Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aller Zeiten", sagt der Krypto-Experte Moxie Marlinspike von Whisper Systems. Allerdings funktioniert sie zunächst nur für Nachrichten zwischen zwei Nutzern, nicht aber in Gruppenchats oder für Fotos und Videos. Das soll mit kommenden Versionen nachgeholt werden, ebenso wie die Aktualisierung der Apps für iOS und Windows Phone.

Eine Technik namens Perfect Forward Secrecy soll zudem ermöglichen, dass die Nachrichten verschlüsselt bleiben, selbst wenn einer der Schlüssel entwendet wird oder die Nachrichten zeitversetzt verschickt werden. Etwa, wenn der Empfänger gerade offline ist und die Nachrichten zwischengespeichert werden müssen.

Der Code von TextSecure wurde bereits mehrmals unabhängigen Sicherheitsprüfungen, den sogenannten Audits, unterzogen. Die Entwickler von Whisper Systems gelten als Experten im Bereich der Kryptografie.

Kommt endlich die Kryptografie für die Massen?

Die Entscheidung von WhatsApp kommt überraschend und sie könnte den Markt der sicheren Kommunikation nachhaltig beeinflussen. Mit mehr als 600 Millionen aktiven Nutzern und mehr als einer Milliarde Nachrichten pro Tag ist WhatsApp der beliebteste Chat-Dienst der Welt. Lange Zeit galt er auch als einer der unsichersten. Dubiose AGB und mehrere Sicherheitslücken stießen unter Datenschützern immer wieder auf Kritik.

Seit den Enthüllungen von Edward Snowden über die Spähprogramme der US-Geheimdienste entstand deshalb ein Boom unter den vermeintlich sicheren Messengern. Dutzende Angebote gibt es inzwischen, doch ihr Problem ist stets das gleiche: Es fehlen die Nutzer, um den jeweiligen Dienst und somit die Verschlüsselung der breiten Masse schmackhaft zu machen.