Hello Barbie – Gewinnerin der Big Brother Awards 2015

Was wird der Barbie nicht alles nachgesagt? Stark untergewichtig soll sie sein und ein unrealistisches Frauenbild transportieren. Nun soll Barbie außerdem eine Datenkrake sein. Denn das neue Modell Hello Barbie ist trotz Wespentaille mit allerlei Technik vollgestopft. 

Ein eingebautes Mikro, ein Lautsprecher und ein WLAN-Sender machen Barbie künftig "smart". Sie kann mit Kindern sprechen und auf Fragen antworten. Das Konzept der Funktionspuppe ist Kennern seit Baby born bekannt. Völlig neu ist hingegen, dass Barbie alle Gespräche an eine Serverfarm der Firma Toytalk weiterleitet. Dort werden die Gespräche gespeichert und per Spracherkennung analysiert. Barbie greift dann beim kindlichen Schwatz auf den Datenfundus zurück und gibt passende Antworten. Eltern bekommen auf Wunsch zusätzlich jeden Tag die Sorgen ihrer Kinder protokolliert.

Dafür gab es in den vergangenen Monaten viel Kritik – und zweifelhaften Ruhm bei der Verleihung der diesjährigen BigBrotherAwards. Der Negativpreis wird jährlich vom Verein Digitalcourage an Unternehmen und Institutionen vergeben, die in besonders rücksichtsloser und renitenter Weise private Daten aller Art sammeln. Dahinter steht die Idee, diese Stellen öffentlich zu nennen und bloßzustellen.

Datenkrake mit Wespentaille

Linus Neumann, Sicherheitsforscher und Mitglied der diesjährigen Jury, begründet in seiner Laudatio die Wahl von Hello Barbie in der Kategorie Technik wie folgt: "Hello Barbie bringt eine datenschutzrechtlich äußerst fragwürdige Technik ohne erkennbaren sinnvollen Anwendungszweck direkt in unsere Kinderzimmer."

Neumann hält Spracherkennung nicht grundsätzlich für schlecht, im Gegenteil. Aber mündige und informierte Bürger müssten abwägen können, welche Daten sie in wessen Hände geben. Wenn aber die Daten aus der Spracherkennung in die Cloud, also auf die Rechner eines anderen geladen werden, gebe man "die hinter einem Service stehenden Abläufe aus der Hand". Hello Barbie gewöhne Kinder an dieses Prinzip: "Was schon im Kinderzimmer normal war, ist später umso selbstverständlicher. Mit der Barbie fängt es an, Bob der Baumeister und Playmobil-Figuren werden folgen, wenn die Kunden mitspielen." In Deutschland wird die Puppe bislang allerdings gar nicht verkauft.

Der Bundesnachrichtendienst: ein überfälliger Gewinner

Ebenfalls Debütant beim BigBrotherAward war in diesem Jahr der Bundesnachrichtendienst (BND). Auf den ersten Blick überrascht es, wie lange der BND den Preis nicht gewonnen hat. Schließlich ist die Liste seiner Kollisionen mit dem Datenschutz und Bürgerrechten lang und reicht weit zurück.

Offen zu Tage getreten ist das aber erst im Zusammenhang mit dem NSA-Untersuchungsausschuss. Der untersucht seit März 2014 das Ausmaß der NSA-Überwachung. Den bisherigen Ergebnissen zufolge hat der BND nicht nur von den Aktivitäten der NSA und der Five Eyes gewusst, er hat deren Arbeit sogar unterstützt und genutzt.

So griff der BND mithilfe der Telekom im Rahmen der Operation Eikonal von 2004 bis 2008 massenhaft Kommunikationsdaten in Frankfurt ab und leitete sie an die NSA weiter – angeblich, nachdem die Daten von Bundesbürgern aufwendig herausgefiltert wurden. Die Rechtsgrundlage für Eikonal, das sogenannte Memorandum of Understanding, ist bis heute nicht öffentlich. Seine Legitimität zweifeln Experten an.