Der Deutsche Bundestag muss wegen der Cyberattacke vor einigen Wochen sein gesamtes Computernetzwerk neu aufbauen. Spezialisten des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) kommen zu diesem Ergebnis, berichten NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung. 

Bereits seit Wochen wird darüber spekuliert, ob dieser Schritt notwendig ist. Im Mai war bekannt geworden, das Unbekannte zahlreiche Rechner von Bundestagsabgeordneten mit Schadprogrammen angreifen. Sie hatten einen Trojaner ins Netzwerk eingeschleust und Daten abgezweigt.   

Auch nach Wochen konnte die Schadsoftware nicht unschädlich gemacht werden. Nach einer Analyse sind die Experten des BSI sicher, dass das Netz des Bundestags nicht mehr gegen den Angriff verteidigt werden kann. Das Bundesamt habe der Bundestagsverwaltung deshalb empfohlen, das Netzwerk neu aufzubauen, berichtet das Recherchenetzwerk. Auch deshalb, weil die Angreifer inzwischen auch Administratoren-Rechte erbeutet hätten.

Waren es östliche Geheimdienste?

Es könne nicht ausgeschlossen werden, dass immer noch unbemerkt Daten aus dem Bundestagsnetzwerk abfließen, sagten Personen, die unmittelbar mit dem Geschehen vertraut sind. Die Angreifer sollen zudem den sogenannten Verzeichnisdienst des Bundestages übernommen haben, heißt es in den Medienberichten. In dem Dienst werden die Parlamentsrechner als Netzwerk organisiert, es sind insgesamt etwa 20.000. Damit hätten die Angreifer Zugriff auf sämtliche Systeme des Bundestags, zudem auf alle Zugangsdaten der Fraktionen, Abgeordneten und Bundestagsmitarbeiter.

Details über das Ziel des Angriffs gibt es bislang nicht. Abgeordnete spekulieren darüber, ob die Attacke aus den USA kommt. Die US-Geheimdienste könnten so versuchen, an Information darüber zu kommen, was in Deutschland über ihre Arbeit bekannt ist. Deutsche Sicherheitsbehörden vermuten hingegen russische Hacker hinter den Attacken. Verschiedene Stellen versuchen seit Wochen, den Angriff zu stoppen.

Der Präsident des BSI, Michael Hange, will die Bundestagskommission für den Einsatz neuer Informations- und Kommunikationstechniken (IuK-Kommission) am morgigen Donnerstag über die Ergebnisse der BSI-Analyse informieren. Den Abgeordneten liegt zudem seit einigen Tagen ein als geheim eingestufter Bericht des BSI vor, der die Erkenntnisse zum Cyberangriff zusammenfasst.

Sollte das Bundestagsnetzwerk tatsächlich komplett neu aufgebaut werden, könnte das mehrere Wochen dauern und mehrere Millionen Euro kosten.  

Der Bundestag wollte sich nicht zu den Berichten äußern. Das geschehe auch aus Respekt vor den zuständigen parlamentarischen Gremien, sagte Sprecher Ernst Hebeker.