Was passiert, wenn man eine Katze mit einem iPhone kreuzt? Man bekommt das vielleicht lustigste Patent, das Apple jemals zugesprochen wurde. Mit beweglichen Elementen oder mit Gasstößen aus Kartuschen, die im Gerät untergebracht werden, soll sich ein herunterfallendes iPhone wie eine Katze in der Luft drehen, um immer auf der unempfindlichen Seite zu landen. Ende 2014 bekam Apple das Patent erteilt.

Und was passiert, wenn man Werbetreibenden den Zugriff auf ein iPhone sowie auf den Kontostand des Besitzers gibt? Man bekommt das auf den ersten Blick vielleicht gruseligste Patent, das Apple jemals beantragt hat.

Der Patentantrag mit der Nummer 20150199725 vom 16. Juli 2015 beschreibt ein System, das Nutzern eines Smartphones oder Tablets nur dann bestimmte Werbeanzeigen einblendet, wenn sie sich die beworbenen Produkte oder Dienste auch leisten können. Festgestellt wird das mit einer Überprüfung des Prepaid-Guthabens oder des Bank- und Kreditkartenkontos.

Einige der wichtigsten Sätze aus dem Antrag lauten:

  • Die Auslieferung von Werbung erfolgt so, dass eine Anzeige nur Objekte beinhaltet, deren Preis nicht über dem zur Verfügung stehenden Kredit des Nutzers liegt.
  • Güter und Dienstleistungen werden einer Zielgruppe angezeigt, damit die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Nutzer auf die Anzeigen reagieren und die beworbenen Güter und Dienstleistungen erwerben.
  • Ein Vorteil einer derartigen zielgerichteten Anzeigensteuerung liegt darin, dass Nutzer, die sich ein Produkt oder einen Dienst nicht leisten können, keine entsprechenden Anzeigen eingeblendet bekommen.
  • Alternativ kann das System so ausgestaltet werden, dass Anzeigen für Produkte, die sich ein Nutzer leisten kann, zum Beispiel oben auf dem Display gezeigt werden. Andere Anzeigen würden dann am unteren Rand des Displays eingeblendet.

Das klingt nach einem unerhörten Eingriff in die Privatsphäre von Apple-Kunden und nach einem für das Unternehmen völlig untypischen Ansatz. Schließlich hat CEO Tim Cook zuletzt mehrfach betont, Apple sei kein Unternehmen, das mit Nutzerdaten Geld verdienen wolle.

Natürlich gibt es ein "aber". Mehrere  sogar. Erstens könnte so ein System halbwegs datenschutzfreundlich umgesetzt werden. Als reine Opt-in-Lösung, also nur mit ausdrücklicher Einwilligung der Nutzer. Und beschränkt auf Prepaid-Guthaben mit kleineren Summen – Apple nennt im Patentantrag Beispiele mit Werbung für Pizza, die vier, sechs oder acht Dollar kostet. Zudem schafft es Apple schon mit seinem Bezahlsystem Apple Pay, Nutzerdaten von Unternehmen fernzuhalten. Prinzipiell wäre das auch mit dem kreditabhängigen Anzeigensystem möglich: Die Prepaid-, Kredit- oder Bankdaten könnten verschlüsselt und verschleiert werden. Werbetreibende wüssten nur, dass jemand in ihre Zielgruppe passt, seinen genauen Kontostand müssten sie nicht erfahren.

Zweitens bedeutet ein Patent noch lange nicht, dass daraus tatsächlich ein Produkt entstehen soll. Unternehmen patentieren Ideen häufig aus Selbstschutz, also um Konkurrenten daran zu hindern, die gleichen Ideen umzusetzen. Sollte dieses Patent ein Verhinderungspatent sein, könnte man es also durchaus auch positiv bewerten. Unternehmen patentieren aber auch, um ein großes und damit wertvolles Portfolio zu schaffen – Investoren wissen so etwas zu schätzen. Sie patentieren vielleicht sogar, weil ihre Ingenieure und Forscher das als Form der Anerkennung betrachten. 

Dass Apple in absehbarer Zeit seine Kunden ungefragt in "reich genug" und "zu arm für diese Pizza" einteilt, ist so unwahrscheinlich wie eine Katze, die auf dem Rücken landet.

Update: Wie "dapf15" in den Leserkommentaren richtig bemerkte, handelt es sich nur um einen Patentantrag von Apple. Das Patent wurde aber noch nicht erteilt. Wir haben den Artikel korrigiert und entschuldigen uns für den Fehler.