Mit mehr als 110 Stundenkilometern war Andy Greenberg bei St. Louis im US-Bundesstaat Missouri unterwegs, als plötzlich die Lüftung startete, die Musik sehr laut dröhnte und die Scheibenwischer losgingen. Richtig mulmig wurde es dem Wired-Journalisten aber erst, als Hacker über das Internet auch noch die Geschwindigkeit seines Cherokee Jeeps bis zum Schneckentempo drosselten. Zwar war Greenberg nur ein Versuchskaninchen der beiden Sicherheitsexperten Charlie Miller and Chris Valasek. Doch das Beispiel zeigt, welche Gefahren Unterhaltungssysteme im Auto bergen, die über das Internet verbunden sind.

Das System von Fiat-Chrysler heißt Uconnect und ist nicht nur in Jeeps, sondern auch in den anderen Modellen des Unternehmens verfügbar, beispielsweise für die europäischen Marken Fiat, Lancia, Alfa Romeo oder die US-Marken Chrysler, Dogde, SRT und RAM. Uconnect steuert nicht nur die Unterhaltungssysteme oder die Navigation. Mithilfe einer Smartphone-App lässt sich das Auto auch aus der Ferne starten oder verriegeln.

Details zu ihrem Hack wollen Miller und Valasek erst auf der Black-Hat-Konferenz im kommenden Monat in Las Vegas veröffentlichen. Dem Bericht zufolge ist es ihnen gelungen, einen Chip in der Steuerungseinheit des Autos mit einer modifizierten Firmware zu beschreiben. Dadurch wurde es ihnen möglich, über den fahrzeuginternen CAN-Bus Befehle an verschiedene Stellelemente (Aktoren) zu senden. Selbst die Lenkung konnten sie übernehmen, allerdings nur im Rückwärtsgang. In einem Video ist zudem zu sehen, wie sie die Bremsen des Wagens blockierten, sodass der Jeep eine Böschung hinunterfuhr.

Besitzer sollen Software aktualisieren

Die Sicherheitsforscher mahnen Besitzer der Chrysler-Wagen, ihre Software zu aktualisieren. Bereits vor neun Monaten hatten die Forscher den Autohersteller über die Sicherheitslücke informiert. Aber erst am 16. Juli 2015 veröffentlichte Fiat-Chrysler einen Hinweis für seine US-Kunden, wonach ein Softwareupdate für Uconnect zur Verfügung stünde. Dem Wired-Bericht zufolge lässt sich das Update allerdings nicht über das Internet installieren. Die Autobesitzer müssen dazu die Daten auf einen USB-Stick speichern und in ihr Fahrzeug überspielen. Miller zeigte sich besorgt über das Sicherheitsproblem. "Das ist die Art von Softwarefehler, die am ehesten jemanden töten kann", sagte er.

Miller und Valasek untersuchen seit Jahren die Software von Autos auf Sicherheitslücken. So hatten sie bereits vor zwei Jahren auf der Defcon einen Hack präsentiert. Damals hatten sie aber noch selbst im Auto sitzen müssen, um die Steuerungsfunktionen zu manipulieren.