Seit Februar 2012 werden AVG-Aktien an der New Yorker Börse gehandelt. © Brendan McDermid / Reuters

Die Firma AVG, Hersteller von Antiviren-Software, will Nutzerdaten künftig an Werbetreibende verkaufen. In den neuen Datenschutzrichtlinien von AVG, die am 15. Oktober in Kraft treten, heißt es unmissverständlich: "Wir verwenden Daten, um ... aus unseren kostenlosen Angeboten durch Nutzung nicht personenbezogener Daten Geld zu verdienen".

Die Liste der zu diesem Zweck erfassten Daten umfasst eine von AVG vergebene Werbe-ID, den Browser- und den Suchverlauf, den Provider sowie "Daten zu anderen Anwendungen, die Sie auf Ihrem Gerät haben, und wie sie genutzt werden."

All diese Daten nennt das tschechische Unternehmen mit nach eigenen Angaben 200 Millionen Kunden "nicht personenbezogen", sie sollen sich also nicht eignen, um den Benutzer zu identifizieren. Enthalten Browser- und Suchverlauf doch mal Begriffe, mit denen das möglich wäre, will AVG sie nach eigenen Angaben anonymisieren. Dazu muss es den Browser- und Suchverlauf aber auch ziemlich genau analysieren. Und AVG selbst erfährt sehr genau, was jemand im Netz tut und sucht, ergänzt durch Informationen über die Nutzung anderer Programme.

Link zum Opt-out führt zu einer Fehlermeldung

Die AVG-Software, die Computernutzer unter anderem vor Spyware schützen soll, benimmt sich künftig also selbst wie Spyware.

Ein AVG-Sprecher sagte im Gespräch mit Wired, schon mit der bisherigen Datenschutzrichtlinie erlaube sich das Unternehmen die Sammlung von Suchverlaufsdaten. Er meinte damit die Formulierung "gesuchte Dateinamen oder Begriffe und der Browser, über den Sie auf unsere Site zugreifen". Die neue Fassung solle das klarstellen.

Von einem Verkauf an Dritte zu Werbezecken steht in der bisher gültigen Fassung nichts. Die Rede ist stattdessen von einer "Weitergabe an unsere Partner", "um AVG-Produkte und die Benutzererfahrung bei deren Verwendung zu verbessern".

Wer nicht möchte, dass AVG bestimmte Daten nutzt oder auch nur erfasst, soll das verhindern können. Der dazu angegeben Link führt derzeit allerdings auf eine Fehlerseite.

AVG sagte ZEIT ONLINE auf Nachfrage, dass Nutzer über die neuen Datenschutzrichtlinien per E-Mail informiert worden seien. Wer die kostenlosen Angebote nutze, könne zudem wählen, ob seine Daten weitergegeben werden dürfen oder nicht. Kunden, die für AVG-Produkte zahlen, seien von der Änderung nicht betroffen. Ihre Daten würden nicht weitergegeben, sagte ein AVG-Sprecher.