Mitglieder der Techniker Krankenkasse (TK) können künftig auf Rezept den Zugang zu einer App gegen Tinnitus erhalten. Wurde das Symptom ärztlich festgestellt, übernimmt die TK die monatlichen Kosten von 19,90 Euro für die vom Hamburger Start-up Sonormed entwickelte Anwendung Tinnitracks, berichtet das Hamburger Abendblatt.

"Tinnitracks ist tatsächlich eine 'App auf Rezept', sie wird vom Arzt verordnet", sagte TK-Vorstandschef Jens Baas der Zeitung. Die Nutzung der Anwendung werde von der TK als digitale Alternative zu konventionellen Therapien unterstützt.

Tinnitracks ist eine Filtersoftware, mit der Tinnitus-Patienten ihre Lieblingsmusik so aufbereiten können, dass sie zur sogenannten neuroakustischen Tinnitus-Therapie eingesetzt werden kann. Dabei stellt der Arzt oder Akustiker zunächst fest, auf welcher Frequenz der Tinnitus eines Patienten liegt. Diese Frequenz filtert Tinnitracks aus der Musik des Patienten heraus. Hört der Patient die so aufbereitete Version seiner Lieblingsmusik, soll dabei gezielt der auditorische Kortex im Gehirn stimuliert werden. Dadurch soll die dem Symptom zugrunde liegende Überaktivität des Gehirns gelindert und die Lautstärke des Tinnitus somit verringert werden.

Digitale Ansätze werden von den Krankenkassen zunehmend als Mittel gesehen, mit dem Patienten ihre Gesundheit fördern und damit Kosten senken können. Neben Apps bezuschussen einige von ihnen seit einiger Zeit auch Wearables. Nach der AOK Nordost ist neuerdings auch die TK mit dabei.

Damit einher gehen allerdings Datenschutzbedenken: Am Ende der Entwicklung könnte der "gläserne Patient" stehen, über dessen Gesundheitszustand die Krankenkassen und andere beteiligte Unternehmen alles wissen, lautet die Befürchtung.