Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat bis weit ins Jahr 2013 nicht nur mit Hilfe von Selektoren des US-Geheimdienstes NSA spioniert, sondern auch eigene Suchbegriffe, sogenannte Selektoren, eingesetzt. Damit wurden eigenständig Botschaften und andere Behörden von EU-Ländern sowie weiteren Partnerstaaten ausgespäht. Das berichteten die Mitteldeutsche Zeitung und Spiegel Online unter Berufung auf Mitglieder des Parlamentarischen Kontrollgremiums und des NSA-Untersuchungsausschusses des Bundestages.  

Nach Informationen von Spiegel Online befanden sich unter den eigenen Selektoren des BND auch französische und US-amerikanische Ziele, die ausdrücklich nicht dem Auftragsprofil der Bundesregierung an den BND entsprechen. Es habe sich dabei um mehrere tausend Suchbegriffe gehandelt.

Erst im Herbst 2013 sei diese Spionagepraxis gestoppt worden. 

Der Vorgang war Gegenstand einer Sitzung, an der auch BND-Präsident Gerhard Schindler teilnahm. Die Abgeordneten wollen laut Spiegel Online nun eine Task Force in die BND-Zentrale nach Pullach entsenden, um die Selektorenliste des BND einzusehen und Mitarbeiter zu befragen. Im Zentrum stehe dabei die Frage, wer von der womöglich rechtswidrigen Praxis wusste und wer sie angeordnet hat. 

Der CDU-Abgeordnete Clemens Binninger bestätigte der Mitteldeutschen Zeitung den Vorgang im Prinzip. Es sei die Frage, ob die Praxis vom Auftrag des BND gedeckt ist. Die Bundesregierung habe ihre eigene Prüfung des Vorgangs Ende September abgeschlossen und das Kontrollgremium dann aus eigener Initiative informiert.

Erst im Frühjahr 2015 war bekannt geworden, dass der BND über seine bayerische Abhörstation Bad Aibling Tausende Spionageziele des US-Geheimdienstes NSA ansteuerte und die Ergebnisse den USA weiterleitete. Das verstieß gegen deutsche und europäische Interessen. Das parlamentarische Kontrollgremium hat bisher keinen Einblick in die verwendete Selektorenliste erhalten. Die Bundesregierung fürchtet um den Geheimnisschutz.