Rob Joyce steht nicht oft auf Bühnen, um ein paar Hundert Sicherheitsexperten und Forschern zu erklären, wie man ein Netzwerk gegen staatliche Hacker schützt. Das liegt in erster Linie daran, dass Joyce seit knapp drei Jahren die vielleicht besten staatlichen Hacker der Welt anführt, die NSA-Elitetruppe TAO (Tailored Access Operations).

Seine rund 1.000 Untergebenen dringen in Netzwerke ein, hacken Systemadministratoren, verwanzen Räume, Computer und Zubehör. "Getting the ungettable", an das Unerreichbare herankommen, ist das TAO-Motto, schrieb der Spiegel Ende 2013, als er einen ganzen Katalog mit TAO-Werkzeugen veröffentlichte. Dieser Katalog steckte voller Technik, die vom Erfinder Q aus den James-Bond-Filmen stammen könnten.

Am Donnerstag nun hielt Joyce einen Vortrag (hier die Videoaufzeichnung) auf der Konferenz Usenix Enigma in San Francisco und machte seinem versierten Publikum klar, wie erstaunlich häufig der heimliche Zugriff auf fremde Computer auch ohne Hilfsmittel der Bond-Kategorie gelingt.

Keine Lücke ist zu klein für die NSA

Staatsgeheimnisse verriet Joyce, der die Leitung der TAO wenige Wochen vor Beginn der Snowden-Enthüllungen übernommen hatte, natürlich nicht. Im Gegenteil, seine Ratschläge dürften keinen Systemadministratoren überrascht haben. Dennoch war der Vortrag bemerkenswert.

"Gehen Sie nie davon aus, dass eine Lücke zu klein ist, um bemerkt und ausgenutzt zu werden", zitiert ihn Wired. Wenn in einer Sicherheitsüberprüfung 97 von 100 Dingen den Test bestünden und drei "esoterische" Kleinigkeiten nicht, solle man nicht denken, sie seien unwichtig. "Wir brauchen diese erste Lücke, diese erste Naht. Und wir werden diese esoterisch erscheinenden Grenzfälle suchen und suchen und suchen."

Selbst Öffnungen, die nur für einige Stunden bestehen, seien höchst attraktiv für die NSA und alle anderen staatlich unterstützten Angreifer. Als Beispiel nannte er Wartungsarbeiten aus der Ferne, für gerne auch mal am Wochenende für kurze Zeit ein entsprechender Kanal geöffnet werde. "Es hat seine Gründe, warum es Advanced Persistence Threat heißt: Wir stochern und stochern und warten und warten, bis wir reinkommen."

Auch die Infrastruktur eines Gebäudes, wie Lüftungs- und Heizungsanlagen, könne sich ein Geheimdienst für seine Spionageangriffe zunutze machen, wenn sie mit Computersystemen verbunden sind. Beliebte Einfallstore seien außerdem die Verbindungen zu Cloud-Dienstleistern, hartcodierte oder im Klartext übertragene Passwörter, wie es sie vor allem in alten Protokollen noch gibt, sowie abgefangene Log-in-Daten von Netzwerkadministratoren und bekannte, aber aus Sorglosigkeit nicht gepatchte Sicherheitslücken. 

Vielversprechende Angriffsvektoren seien zudem Smartphones und sonstige Geräte, die Angestellte von zu Hause mitbringen und mit dem Firmennetz verbinden. Hier wurde Joyce sogar ein bisschen konkreter und deutete an, dass ein Laptop, auf dem die Kinder zu Hause ein Spiel von der Plattform Steam geladen haben, ein echtes Sicherheitsrisiko sein kann, wenn er anschließend in einem Unternehmen genutzt wird.