Die israelischen Drohnen des Typs Heron TP sollen auch von der Bundeswehr eingesetzt werden. © Gil Cohen Magen/Reuters

Es ist etwas ruhiger geworden um Edward Snowden. Zwar prägen die Enthüllungen des Geheimdienst-Whistleblowers weiterhin die aktuellen Debatten um Datenschutz und Geheimdienste, doch die großen Berichte rund um die geheimen NSA-Programme werden weniger. Sind alle interessanten Geschichten aus dem Snowden-Fundus bereits erzählt?

"Die Storys, die die Privatsphäre der Menschen betreffen, sind bereits publiziert worden", sagte der britische Guardian-Journalist Ewen MacAskill auf einer Veranstaltung in Österreich im Dezember. MacAskill traf Snowden zusammen mit seinem damaligen Guardian-Kollegen Glenn Greenwald und der Filmemacherin Laura Poitras 2013 in Hongkong. Trotzdem seien die Dokumente weiter "toxisch", erklärt MacAskill. Sie könnten Snowden schaden, sollte er in die USA ausgeliefert werden.

Codename: Anarchist

Auch wenn es in Zukunft weniger um die Privatsphäre normaler Bürger gehen wird, enthalten die Snowden-Dokumente offensichtlich noch immer brisantes, bisher unveröffentlichtes Material. Wie brisant, zeigte die Enthüllungsplattform The Intercept am Freitag: Amerikanische und britische Geheimdienste haben demnach Daten von israelischen Drohnen und Kampfflugzeugen abgefangen. Die Beziehungen zwischen den USA und Israel sind schon länger angespannt, der Bericht wird sie eher nicht verbessern.

Von Zypern aus, berichtet The Intercept, haben die National Security Agency (NSA) und die britischen Government Communications Headquarters (GCHQ) Geodaten und Videos israelischer Drohnen angezapft. Genauer gesagt: Sie haben die eigentlich verschlüsselte Satellitenverbindung überwacht. Codename der Operation: Anarchist. In den Snowden-Dokumenten finden sich Vorschaubilder der Videos und Karten mit den Flugrouten der israelischen Drohnen. Die Daten stammen aus den Jahren 2009 und 2010. Zusätzliche Informationen aus den Dokumenten, etwa Einschätzungen von Geheimdienst-Analysten, beziehen sich auf die Jahre 2008 bis 2012.

Auch Deutschland an israelischen Drohnen interessiert

Ziel war es offenbar, die Aktivitäten Israels in Gaza zu überwachen, einen möglichen Drohnenangriff gegen den Iran frühzeitig zu erkennen und technische Informationen über Israels unbemannte Flugzeuge zu sammeln. Israel ist der größte Drohnenexporteur der Welt, wie das Stockholmer internationale Friedensforschungsinstitut aufzeigt. Die Drohnen des israelischen Herstellers Israel Aerospace Industries werden in etwa 50 Ländern genutzt.

Auch Deutschland plant, mehrere israelische Drohnen des Typs Heron TP als Übergangslösung zu mieten. Zusammen mit Frankreich und Italien arbeitet das Verteidigungsministerium an einer eigenen Aufklärungs- und Kampfdrohne, die aber nicht vor 2025 in die Produktion gehen soll. Wie Spiegel Online berichtet, will das Verteidigungsministerium mögliche Sicherheitslücken bei deutschen Heron-Drohnen beheben.