Die Krankenkassen in Deutschland dürfen nach Ansicht von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) Daten aus Fitness-Trackern nicht dazu verwenden, besondere Tarife anzubieten. In einem Gastbeitrag für den Donaukurier zum Safer Internet Day schrieb Maas, niemand dürfe "faktisch dazu gezwungen werden, so intime Daten wie die Herzfrequenz, die Geschwindigkeit beim Joggen oder die Häufigkeit des Trainings im Fitnessstudio zu veröffentlichen". Maas wolle deshalb prüfen, die Verwendung bestimmter Gesundheitsdaten auf Grundlage des neuen EU-Datenschutzrechts einschränken zulassen.

Für Freizeitsportler seien Informationen, wie sie Fitness-Tracker liefern, durchaus sinnvoll. Wichtig sei aber, über sensible Daten "frei und selbstbestimmt" entscheiden zu können. "Mit dieser Freiheit ist es nicht weit her, wenn Krankenkassen Tarifmodelle entwickeln, bei denen Sie den günstigen Tarif nur dann bekommen, wenn Sie einwilligen, dass Ihre kompletten Gesundheitsdaten ständig übermittelt werden." Solche Geschäfte stellten die echte Freiwilligkeit der Einwilligung und damit ihre Zulässigkeit infrage. Menschen dürften "in keinem Fall zum reinen Objekt eines Algorithmus werden".   

Der SPD-Politiker verwies auf eine Studie im Auftrag seines Ministeriums, wonach viele Verbraucher Risiken bei der Nutzung von Wearables oder Apps befürchten. 39 Prozent der Befragten sehen demnach die Verwendung durch Dritte als Problem.

Die Grünen warfen Maas Doppelzüngigkeit vor, weil er Daten aus Fitness-Trackern anders bewerte als die Verbindungsdaten der Vorratsdatenspeicherung. "Im vergangen Jahr hat Maas seine Partei noch überzeugt, dass alle Menschen in Deutschland ihre intimen Kommunikationsdaten von Privatunternehmen speichern lassen", kritisierte die Vorsitzende des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz, Renate Künast.

Das im Dezember verabschiedete E-Health-Gesetz der Bundesregierung sieht eine insgesamt stärkere Digitalisierung des Gesundheitswesens vor. Künftig sollen auf der elektronischen Gesundheitskarte viel mehr Patientendaten gespeichert werden können.

Der Chef der Techniker Krankenkasse, Jens Baas, hatte in der Süddeutschen Zeitung vorgeschlagen, dass auch Daten von Fitness-Trackern künftig in der geplanten elektronischen Patientenakte gesammelt und von den Kassen verwaltet werden sollen. Dies ermögliche Ärzten und Kassen zum Beispiel, Patienten über das Risiko einer Erkrankung zu informieren. Zugleich müsse der Patient "Herr über seine Akte" bleiben, betonte Baas in dem am Montag veröffentlichten Interview.

Auch der Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Karl-Josef Laumann (CDU), sagte der Süddeutschen Zeitung, die elektronische Patientenakte biete "große Chancen", dies gelte auch für die Nutzung der Daten von Fitness-Trackern. Zugleich mahnte er, dass niemand dazu gedrängt werden dürfe, Daten herzugeben.