Google und WhatsApp stellen sich im Streit mit der US-Bundespolizei an die Seite von Apple: Das FBI will gesperrte iPhones knacken können, wenn das erforderlich ist. Aktuell geht es um das Gerät eines toten Attentäters, aus dem sich die Ermittler Informationen über das Tun von Extremisten erhoffen.

Google-Chef Sundar Pichai warnte, die Forderung an ein Unternehmen, das Hacken von Geräten und Daten seiner Kunden zu ermöglichen, "könnte ein besorgniserregender Präzedenzfall werden" und die Privatsphäre von Nutzern verletzen. Er hoffe auf eine bedachte und offene Diskussion zu dem Thema, schrieb Pichai in einer Serie von Tweets.

Auch WhatsApp-Gründer Jan Koum stärkte Apple-Chef Tim Cook den Rücken. Man dürfe "diesen gefährlichen Präzedenzfall nicht zulassen", schrieb er in einem Facebook-Eintrag.

Apple-Chef Cook kündigte an, das Unternehmen werde sich gegen die gerichtliche Anordnung wehren, dem FBI das Entsperren des iPhones des Attentäters zu ermöglichen. Würde Apple die geforderte Software entwickeln, entstünde damit generell eine Hintertür ins iPhone, argumentiert Cook. Ein Einfallstor für Sicherheitsbehörden, das unter bestimmten Bedingungen generell nutzbar wäre. In einigen Staaten ist so etwas bereits in ähnlicher Form durchgesetzt: So durfte Blackberry nur in Indien und Pakistan investieren, weil es seine Server in diesen Ländern platzierte und nicht am Hauptsitz. So sollte der Zugriff des Staats gewährleistet bleiben. In Pakistan zog sich der Hersteller mittlerweile aus Protest zurück. In Großbritannien wird ein Gesetz diskutiert, das IT-Firmen die Verschlüsselung von Internetkommunikation verbieten soll. In China gibt es ähnliche Pläne.

In den USA könnte der Fall politisch heikel für Apple werden: Es geht um das Telefon eines Mannes, der gemeinsam mit seiner Frau Anfang Dezember 14 Menschen im kalifornischen San Bernardino erschoss. Die beiden sollen Anhänger der Terrororganisation "Islamischer Staat" gewesen sein.

Einige wichtige US-Politiker zeigten in ihren Reaktionen daher wenig Verständnis für die Apple-Position. Die kalifornische Senatorin Dianne Feinstein, die Vizevorsitzende des Geheimdienstausschusses ist, will notfalls Gesetzesänderungen anstoßen. Das verschlüsselte Telefon könne zusätzliche Informationen liefern, sagte sie dem Fernsehsender CNN. "Und ich bin überzeugt, dass es zu unserer Verantwortung und Pflicht als Regierung gehört, dafür zu sorgen, dass Apple diese Informationen liefert."

Demokraten warnen vor Hintertüren

Der republikanische Senator Tom Cotton warf Apple vor, "die Privatsphäre eines toten IS-Terroristen statt der Sicherheit des amerikanischen Volkes zu schützen". Der Milliardär Donald Trump, der für die Republikaner als Präsidentschaftskandidat antreten will, sagte MSNBC, Apple handele schandhaft und müsse gezwungen werden, dem FBI zu helfen.

Der demokratische Senator Ron Wyden warnte dagegen, eine Software zum Entsperren von iPhones gefährde die Onlinesicherheit für Millionen Amerikaner. Außerdem ermutige die US-Regierung damit Russland und China, amerikanische Unternehmen zu Hintertüren in ihren Produkten zu zwingen, sagte er BuzzFeed.

Bisher verschlüsseln Apple und Google die Daten ihrer Nutzer meist so, dass nur diese darauf Zugriff haben, nicht aber die Unternehmen selbst. Damit können sie auch auf Gerichtsbeschluss oft keine Informationen herausrücken. Behörden kritisieren immer wieder, das behindere die Aufklärung von Verbrechen und den Kampf gegen Terroristen. Die Unternehmen und IT-Sicherheitsexperten argumentieren, Hintertüren von Behörden könnten auch von Kriminellen ausgenutzt werden.