Wenige Tage vor dem entscheidenden Gerichtstermin in Kalifornien demonstriert Apple noch einmal, dass es im Streit mit dem FBI und der US-Regierung auf keinen Fall nachgeben will. Mit allen Mitteln scheint das Unternehmen verhindern zu wollen, ein spezielles Betriebssystem für das iPhone 5c des San-Bernardino-Attentäters Syed Rizwan Farook schreiben zu müssen. Das aber fordert die Bundespolizei von Apple. Farook und seine Frau hatten im Dezember 14 Menschen in einem Sozialzentrum getötet und mehr als 20 schwer verletzt. Für das FBI geht es nach eigenen Angaben um mögliche Hinweise auf Unterstützer der beiden. Für Apple und seine Unterstützer geht es um nicht weniger als die Zukunft von Verschlüsselung, Computersicherheit und Privatsphäre.

Den interessantesten Versuch, die von der Regierung gewünschte Kooperation mit dem FBI zu unterlaufen, beschreibt die New York Times. Mehrere – teils ehemalige – Apple-Mitarbeiter haben im Gespräch mit der Zeitung angedeutet, dass jene Ingenieure, die das "FBiOS" entwickeln könnten, eher kündigen würden, als die Sicherheit ihrer Produkte nachträglich abzuschwächen.

Sollte – und man beachte den Konjunktiv – das wirklich passieren, würde dem FBI auch eine richterliche Bestätigung seines Antrags wenig nützen. Zwar beschäftigt Apple weltweit 110.000 Mitarbeiter, aber angeblich sind nur wenige darunter, die das gewünschte Betriebssystem schreiben könnten.

Externe Beobachter behaupten, Apples Ingenieure hätten noch immer die Anti-Establishment-Haltung der Gründer Steve Jobs und Steve Wozniak. Es sei für solche Spezialisten nicht schwer, einen neuen Job zu bekommen, erst recht nicht, wenn der Abschied von Apple derart politisch begründet wäre.

Ob die Personen, um die es geht, wirklich so idealistisch sind, ob sie tatsächlich bereit wären, zu kündigen, und ob Apple dann niemanden mehr hätte, der die richterliche Anordnung umsetzen könnte, ist von außen nicht zu belegen. Das ist aber auch gar nicht so wichtig. Allein die Veröffentlichung des Gedankenspiels in der New York Times ist eine bemerkenswerte PR-Aktion und rückt die Regierung in ein schlechtes Licht.

Ein Schlüssel, der eine Milliarde Schlösser öffnet

Auch Apple-CEO Tim Cook gibt sich große Mühe, die Gegenseite als fehlgeleitet darzustellen. In einem Interview mit dem Time Magazinehier die unredigierte, ungekürzte Fassung – sagt er: "Wir sind in der bizarren Lage, die bürgerlichen Freiheiten des Landes gegen die Regierung zu verteidigen." Er fände es "schockierend", dass ausgerechnet die US-Regierung die einzige sei, die diese Art von Hintertür in Apples Produkten verlangt: "Die USA sollten die leuchtende Stadt auf dem Hügel sein, der Leuchtturm der Freiheitsrechte."

"Ich sehe den Regierungsapparat in einem ganz neuen Licht", sagt Cook. "Mag ich seine Taktik? Nein. Mag ich es, von diesem Fall als erstes aus der Presse zu erfahren? Nein. Das halte ich für unprofessionell. Mag ich es, wenn die Gegenseite über unsere Beweggründe redet und Lügen darüber verbreitet? Nein, das beleidigt mich."

Zwar werde sich Apple letztlich dem Gesetz beugen, auch wenn es die rechtliche Argumentation der Gegenseite für falsch hält. Lieber sähe es Cook aber, wenn der US-Kongress – also die gewählten Volksvertreter, statt der Regierung oder der Gerichte – gesetzlich regeln würde, inwieweit Verschlüsselung und Computersicherheit beschränkt und Hintertüren verordnet werden dürfen. Im besten Fall natürlich gar nicht, denn "niemand sollte einen Schlüssel haben, der eine Milliarde Schlösser öffnet".