Die US-Regierung hat einen mächtigen Gegner mehr: den TV-Comedian John Oliver. In seiner Show Last Week Tonight hat Oliver am Wochenende das Thema Apple versus FBI aufgegriffen und dabei klar Position für Apple bezogen.

Olivers Mischung aus Satire, Quatsch und sauber recherchierten Fakten funktioniert oft besser als klassische Berichterstattung, weil sie unterhaltsamer und einprägsamer ist. Die Fernsehsendung auf HBO schalten zwischen 700.000 und 1,1 Millionen Zuschauer ein, hinzu kommen knapp drei Millionen Abonnenten seines YouTube-Kanals. Viel Aufmerksamkeit für Themen, die anderswo häufig zu kurz kommen oder allenfalls missverständlich aufbereitet werden.

Für die US-Regierung ist so viel Öffentlichkeit derzeit eher schädlich. In der New York Times heißt es an diesem Montag: "Viele in der Verwaltung glauben langsam, dass FBI und Justizministerium einen großen strategischen Fehler begangen haben, indem sie den Streit mit Apple an die Öffentlichkeit gebracht haben." Denn die steht derzeit mehrheitlich auf Apples Seite.

Und John Oliver versteht es sehr gut, den Disput aus der technopolitischen Fachwelt heraus in die Lebenswirklichkeit der vielen iPhone-Besitzer zu holen. In seiner Parodie auf einen Apple-Werbespot heißt es "Im besten Fall können wir Hacker sechs Monate lang aus deinem Zeug heraushalten" und "Wenn das FBI uns fragt, ob wir unsere Verschlüsselung abschwächen können, ohne jedermanns E-Mails, SMS und Skateboarding-Videos zu gefährden, lautet unsere Antwort: Wollt ihr uns verarschen? Wir sind Ingenieure, keine Zauberer!"

Oliver wiederholt damit auf anschauliche Weise, was Krypto-Experten dem FBI und der Regierung seit Wochen und Monaten zu erklären versuchen: Eine sichere Verschlüsselung mit Hintertür ist keine sichere Verschlüsselung. Entweder weil jemand anderes die Hintertür entdeckt, also zum Beispiel die Schlüssel stiehlt, oder weil der rechtliche Ausnahmefall zum Regelfall wird, in den USA wie in anderen Ländern.

Obama weiß auch nicht weiter

Wie schwierig das zu akzeptieren ist, zeigte der Versuch von Präsident Barack Obama auf dem South-by-Southwest-Festival, es beiden Seiten recht zu machen. Er warnte vor "absoluten Entscheidungen", ließ aber durchblicken, dass er Hintertüren für seine Behörden letztlich befürwortet. Wie das technisch und rechtlich sauber umzusetzen wäre, konnte er nicht sagen.

Selbst in seinen eigenen Reihen besteht keineswegs Einigkeit darüber, wie mit Verschlüsselungstechnik umzugehen ist, die Strafverfolgern das Überwachen erschwert. So haben Regierungsvertreter der New York Times am Wochenende verraten, dass die Facebook-Tochter WhatsApp das nächste Unternehmen sein könnte, mit dem sich das Justizministerium anlegt.

Der WhatsApp-Gründer ist auf Apples Seite

Im Ministerium überlegt man demnach gerade, wie man mit einem richterlichen Abhörgenehmigung umgehen soll, die nicht umgesetzt werden konnte, weil der Verdächtige WhatsApp benutzt. Seit November 2014 sind zumindest alle Nachrichten zwischen WhatsApp-Nutzern mit Android-Geräten Ende-zu-Ende-verschlüsselt, die Nachrichten von und an iOS-Nutzer dagegen nicht immer. Und wie der Guardian heute verkündet, werden demnächst auch Telefongespräche über WhatsApp verschlüsselt.

Derart verschlüsselte Chats und Gespräche können von Strafverfolgern nicht abgehört werden, indem sie einfach nur den Datenverkehr abfangen. Stattdessen müssten sie das Gerät des Verdächtigen hacken und zum Beispiel einen Keylogger installieren oder sie müssten WhatsApp dazu bewegen, die Verschlüsselung abzuschalten oder zu manipulieren. Technisch möglich wäre das, auch ohne dass die Betroffenen es bemerken.

Aber spätestens seit sich WhatsApp-Gründer Jan Koum ausdrücklich auf die Seite von Apple gestellt hat, dürfte die Regierung ahnen, dass sich WhatsApp gegen eine verordnete Abschwächung seiner Verschlüsselung lautstark zur Wehr setzen würde.