Stabby McStabbins blieb am Ende nur die Hoffnung und ein wenig Geduld. Sein Konto sei aufgrund "verdächtigen Verhaltens" gesperrt, schrieb der Nutzer im Forum der Spieleplattform Steam. Er habe bloß virtuelle Gegenstände aus Games wie Counter-Strike mit anderen Spielern getauscht, als er plötzlich eine Transaktion noch einmal mit seinem Passwort bestätigen sollte. Anschließend sei er ausgesperrt worden. Die Antwort anderer Nutzer: Du hast dir vermutlich eine Schadsoftware eingefangen und wurdest übers Ohr gehauen. Jetzt kannst du nur den Steam-Support kontaktieren und hoffen, dass du deinen Account zurückbekommst.

Fälle wie diese finden sich viele im Steam-Forum. Die Betroffenen berichten von Kontoübernahmen, von verschwundenen Gegenständen aus dem Inventar und von seltsamer Software, die plötzlich auf ihrem PC gelandet ist. Hatte die Spieleindustrie lange Zeit vor allem ein Problem mit illegalen Kopien und Cheatern, stehen mittlerweile immer häufiger die Spieleplattformen und damit auch die Spieler selbst im Visier von Angreifern.

Im vergangenen Dezember schrieben die Verantwortlichen von Steam in einem Blogbeitrag, dass monatlich durchschnittlich 77.000 Konten von Hacks betroffen seien, darunter gewöhnliche Nutzer, bekannte Twitch-Streamer und professionelle E-Sportler. Aus einer Handvoll Hackern sei ein "höchsteffektives, organisiertes Netzwerk" geworden, mit der Absicht, Konten und Gegenstände von Steam-Nutzern zu stehlen.

Trojaner für Steam

Eine vor Kurzem veröffentlichte Analyse von Kaspersky kommt zu einem ähnlichen Ergebnis. Gruppen aus Osteuropa hätten es auf Steams wachsende Nutzerbasis abgesehen, schreiben die Sicherheitsforscher. Die Angreifer verwendeten vor allem eine Schadsoftware, die unter dem Namen Steam Stealer kursiert und in einschlägigen Foren ab etwa drei US-Dollar verkauft wird. Dabei handelt es sich um Trojaner, die es gezielt auf die Übernahme von Steam-Konten abgesehen haben und die sich einfach erweitern und anpassen lassen. Mehr als 1.200 Varianten dieser Schadsoftware konnten die Forscher von Kaspersky mittlerweile aufspüren.

Um die Steam Stealer und andere Malware zu verbreiten, hat sich die Hackerszene einiges einfallen lassen. Es gibt gefälschte Websites, die Angebote wie TeamSpeak imitieren oder sich als Tauschplattformen ausgeben. Wer sich dort registriert oder Software herunterlädt, fängt sich den Trojaner ein. Es gibt gefälschte Browser-Erweiterungen, die virtuelle Objekte aus dem Inventar der Spieler klauen. Es gibt Scammer, die ahnungslose Spieler direkt kontaktieren und vorgeben, mit ihnen tauschen zu wollen, obwohl sie nur an ihren Zugangsdaten interessiert sind. Und natürlich gibt es Angreifer, die klassisches Phishing betreiben oder Sicherheitslücken der Steam-Plattform ausnutzen, solange sie noch nicht entdeckt sind.

Ein Spruch besagt: Was gehackt werden kann, wird gehackt. Das wird in diesen Zeiten deutlicher denn je. Trotzdem gibt es gute Gründe, weshalb gerade Dienste wie Steam, aber auch Origin von Electronic Arts oder Blizzards Battle.net seit einiger Zeit ein beliebtes Angriffsziel sind. Mehr noch als auf die persönlichen Daten der Nutzer haben es die Angreifer vor allem auf deren Inventar abgesehen. Denn das kann richtig viel Geld wert sein.

Das lukrative Geschäft mit virtuellen Gütern

Vor einigen Jahren führte Valve auf Steam ein Handelssystem ein. Im Mittelpunkt standen dabei zunächst Sammelkarten, die Spieler beim Kauf eines Spiels oder für bestimmte Achievements erhalten. Die Sammelkarten lassen sich mit anderen Spielern tauschen oder für tatsächliches Geld verkaufen. Das Angebot bestimmt auch hier die Nachfrage: Während die meisten Karten nur einige Cent wert sind, wechseln einzelne für mehrere Euro den Besitzer. Wer damit Gewinn macht, kann diesen wieder in neue Games oder Gegenstände investieren.

In den vergangenen Jahren wurden In-Game-Käufe und Mikrotransaktionen in Games zu einer zusätzlichen, attraktiven Einkommensquelle für die Entwickler. Das gilt nicht nur für Free-to-Play-Titel wie Dota 2 oder League of Legends, in denen die Entwickler mit kosmetischen Gegenständen Geld verdienen, etwa mit sogenannten Skins, die das Aussehen der Spielfiguren verändern. Auch im kostenpflichtigen Counter-Strike Global: Offensive gibt es solche Skins, die triste Waffen in bunte Unikate verwandeln. Besonders seltene Skins können inzwischen Hunderte Euro wert sein, manche Sammler oder Profispieler haben mehrere Tausend Euro in ihrem Steam-Inventar.