Auf die deutschen Telekommunikationsunternehmen kommen sehr hohe Anforderungen für die Sicherheit der gespeicherten Verbindungs- und Standortdaten ihrer Nutzer zu. Die Bundesnetzagentur veröffentlichte einen knapp 30-seitigen Entwurf für einen "Katalog von technischen Vorkehrungen und sonstigen Maßnahmen" zur Umsetzung der Vorratsdatenspeicherung. Mit dem Anforderungskatalog soll garantiert werden, dass die Vorratsdaten fehlerfrei gespeichert, sicher aufbewahrt und fristgerecht gelöscht werden. Hersteller, Telekomfirmen und Verbände können den am 18. Mai im Amtsblatt der Behörde veröffentlichten Entwurf bis zum 1. Juli 2016 kommentieren.

Die große Koalition hatte im vergangenen Jahr in Reaktion auf Terrorattacken in Europa die Wiedereinführung der Vorratsdatenspeicherung beschlossen. Dem Gesetzestext zufolge ist ein "besonders hoher Standard der Datensicherheit und Datenqualität zu gewährleisten". Dazu soll ein Anforderungskatalog beitragen, "den die Bundesnetzagentur im Benehmen mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und der oder dem Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit erstellt". Für diese Aufgabe hat die Behörde zwölf Monate Zeit, nachdem das Gesetz im vergangenen Dezember in Kraft getreten war. Danach bleiben den Providern weitere sechs Monate, diese technischen Regelungen umzusetzen.

IT-Wirtschaft erwartet Kosten in Höhe von 600 Millionen Euro

Die Provider dürfen die Vorratsdaten nur innerhalb Deutschlands speichern. Ein sicheres System lässt sich dem Entwurf zufolge "nur durch die Kombination aus einer sicheren Ablage der Verkehrsdaten, einer physischen und organisatorischen Absicherung der Systemkomponenten, einer wirksamen Kontrolle der Kommunikation nach außen und einer Absicherung des Datenflusses zwischen den Systemkomponenten realisieren". Die IT-Wirtschaft rechnet mit Kosten für die Umsetzung der Systeme in den Unternehmen in Höhe von 600 Millionen Euro.

Die größten Anforderungen bestehen für die Firmen darin, den Zugriff auf die Daten durch Unberechtigte zu verhindern. Denn eine Entkoppelung vom Internet durch eine manuelle Übertragung der Daten, eine sogenannte Turnschuh-Schnittstelle, sei "aufgrund der zu erwartenden großen Datenmengen in der Regel nicht praktikabel und würde zusätzliche Sicherheitsprobleme hervorrufen", schreibt die Bundesnetzagentur. Daher sei eine Firewall erforderlich, damit "ausschließlich dafür vorgesehene berechtigte Systeme Daten in den zu schützenden Bereich einliefern können, es dürfen jedoch keine Daten abfließen". Die sicherste Lösung für diesen Zweck sei der Einsatz einer sogenannten Datendiode.

Geschlossener Sicherheitsbereich

Die Daten selbst müssen dann "auf physisch gesonderten Speichereinrichtungen gespeichert werden, die von den üblichen für betriebliche Aufgaben genutzten Speichereinrichtungen getrennt sind". Der Teil des Rechenzentrums, in dem Hardwarekomponenten untergebracht seien, "muss als geschlossener Sicherheitsbereich konzipiert sein". Alternativ seien separate Schutzschränke innerhalb des Rechenzentrums vorzusehen. "Bei unberechtigtem Zutritt muss ein Alarm ausgelöst werden, der durch entsprechendes Sicherheitspersonal sofort verfolgt wird", heißt es.

Auch müssen alle Clients physisch gegen den Zugriff durch nicht ermächtigte Personen geschützt sein. Die Daten werden den Behörden beispielsweise durch eine SINA-VPN-Verbindung über das Internet zur Verfügung gestellt. Werden die Daten über dedizierte Leitungen übertragen, ist keine Transportverschlüsselung erforderlich.

Tagesschlüssel für die sichere Löschung

Die grundlegenden Funktionen und Prozesse bei der Speicherung und Nutzung der Vorratsdaten © Bundesnetzagentur

Der Zugang zu den Datenspeichern soll dabei nur wenigen Mitarbeitern möglich sein. Sowohl bei der Herausgabe von Daten als auch bei der Wartung des Systems gilt dabei das Vier-Augen-Prinzip. Zwei "besonders ermächtigte Personen" sollen prüfen, ob die angefragten Daten mit dem erforderlichen Gerichtsbeschluss oder der Behördenanfrage übereinstimmen. Ein physischer Zugriff für die Wartung des VDS-Systems "erfolgt nur gemeinsam durch zwei ermächtigte Personen". Unter bestimmten Bedingungen darf beispielsweise der Herstellerfirma ein "lesender Fernzugriff" auf die Daten erlaubt werden. Dabei soll sichergestellt sein, "dass unverschlüsselte Verkehrsdaten und Schlüssel nicht eingesehen werden können". Zudem schreibt die Bundesnetzagentur vor: "Die Verbindung wird direkt nach erfolgtem Fernzugriff physisch jedes Mal unterbunden (z.B. durch Ziehen des Verbindungskabels)."

Hohe Anforderungen werden zudem an die Verschlüsselung der Daten gestellt. "Als besonders sicher werden nur solche Verschlüsselungsverfahren anerkannt, deren Überwindung für Unberechtigte einen unverhältnismäßig großen Aufwand erfordern würde", heißt es. Um die Anfragen unverzüglich beantworten zu können, empfiehlt die Bundesnetzagentur eine "transparente Datenbankverschlüsselung oder eine Container-Verschlüsselung auf Basis von AES". Die benötigten Schlüssel müssen "durch das Schlüsselmanagement erzeugt, gespeichert, gelöscht und an die Ver- bzw. Entschlüsselungseinheit verteilt werden".