Ein Problem mit vielen Geheim- und Nachrichtendiensten ist Folgendes: Sie arbeiten teilweise so geheim, dass der eine nicht weiß, was der andere macht. In den USA gibt es deshalb die Position des nationalen Geheimdienstdirektors (Director of National Intelligence, DNI), der nicht weniger als 17 Nachrichtendienste übersieht, die Zusammenarbeit koordiniert und zugleich garantieren muss, dass jede Behörde einigermaßen autark arbeitet.

Nach dem Wahlsieg von Donald Trump zum 45. Präsidenten der USA gilt es, einen neuen Geheimdienstdirektor zu finden, der dieser Aufgabe gewachsen ist. Denn der aktuelle DNI, James Clapper, wird seinen Posten mit dem Amtsantritt des Trump-Kabinetts räumen. Ein möglicher Nachfolger, wie nun bekannt wurde: Michael S. Rogers, zurzeit Direktor der NSA. Am Wochenende hat er sich in New York mit Trump getroffen. Noch ist nichts bestätigt, doch es heißt, Trump nehme Rogers zumindest in die engere Wahl.

Allein diese Tatsache sorgt für eine gewisse Unruhe in amerikanischen Geheimdienst- und Regierungskreisen. Rogers ist umstritten und sollte eigentlich bereits vor der Wahl am 8. November von seinem Posten als NSA-Direktor enthoben worden sein. Das forderten ranghohe Politiker von US-Präsident Barack Obama, wie die Washington Post am Wochenende unter Berufung auf mehrere anonyme Quellen berichtet. Demnach haben sich sowohl Clapper als auch der amtierende Verteidigungsminister Ashton Carter an Obama gewandt, um Rogers zu entlassen. Beziehungsweise sollte sein Posten im Rahmen einer Umstrukturierung neu besetzt werden – klingt offiziell besser, meint aber dasselbe.

Carter, so heißt es, sei mit Rogers Arbeit innerhalb der NSA unzufrieden. Vor allem die angekündigte Cyberoffensive gegen die Terroristen des "Islamischen Staats" sei unter Rogers' Leitung nicht effektiv gewesen. Clapper fordert, zwei neue Posten zu schaffen, wenn die NSA und das US Cyber Commands wie geplant aufgeteilt sind. Die Stellen sollen im Idealfall mit Zivilisten besetzt werden. Rogers selbst ist Admiral der US-Navy.

Kritik an Rogers Einfluss und Führungsstil

Offenbar stand Rogers schon länger in der Kritik der Obama-Regierung. Der 57-Jährige übernahm die Leitung der NSA im Frühjahr 2014, weniger als ein Jahr nach den Enthüllungen von Edward Snowden. Mit diesen bekam die Öffentlichkeit erstmals Einblick in die weitreichenden und teils illegalen Überwachungsmaßnahmen der NSA, was zu einer vorerst gescheiterten Geheimdienstreform innerhalb der US-Regierung führte. Rogers' Aufgabe als neuer NSA-Chef bestand einerseits darin, der Behörde einen guten Ruf zu verschaffen. Es ist ihm nicht gelungen.

Andererseits sollte Rogers verhindern, dass weitere Whistleblower innerhalb seiner Behörde auftraten. Auch das misslang. In seiner Amtszeit gab es zwei weitere Vorfälle, in denen geheime Dokumente der Elite-Hackereinheit Tailored Access Operations (TAO) entwendet wurden. In einem bekannten Fall hatte der frühere Angestellte Harold T. Martin III über viele Jahre hinweg Terabyte an Daten kopiert, die unter anderem die ausgeklügelten Überwachungswerkzeuge der TAO betrafen. Der zweite Fall wurde nach Angaben der Washington Post noch nicht öffentlich gemacht, obwohl der Täter bekannt sei und in Haft sitze. Wie es aus Geheimdienstkreisen heißt, habe Rogers die geforderten internen Reformen nur halbherzig umgesetzt.

Auch am Führungsstil des Admirals gab es Kritik. Anonyme Mitarbeiter und hochrangige Offizielle werden mit den Worten zitiert, ihr Vorgesetzter sei distanziert gewesen, habe öfters nicht an Meetings teilgenommen und nicht auf seine Mitarbeiter gehört. Die Arbeitsmoral innerhalb der NSA sei bisweilen "fürchterlich gewesen".

Unterstützung bekommt Rogers dagegen von einigen republikanischen Abgeordneten. Devin Nunes, Vorsitzender des Geheimdienstausschusses im Repräsentantenhaus, lobte am Wochenende beispielsweise in einem Brief an Clapper und Carter die Arbeit von Rogers.