Über eine Milliarde Nutzer des Internetanbieters Yahoo sind nach Angaben des US-Unternehmens Opfer eines bislang unbekannten Hackerangriffs im Jahr 2013 geworden. Die Hacker hätten wahrscheinlich im August 2013 persönliche Daten von mehr als einer Milliarde Konten gestohlen, erklärte Yahoo. Die Cyberattacke sei von einer "nicht autorisierten dritten Partei" geführt worden.

Bei der Cyberattacke seien möglicherweise Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Informationen zu Geburtstagen und Sicherheitsfragen zur Feststellung der Identität von Usern erbeutet worden. Daten zu Bankkonten und Zahlungskarten seien laut dem Unternehmen nicht betroffen. Die Bezahldaten würden in einem anderen System aufbewahrt.

Das Unternehmen wies Nutzer an, ihre Passwörter zu ändern und ihre Sicherheitsfragen ungültig zu machen, um unerlaubte Zugriffe auf E-Mail-Konten zu verhindern. Yahoo hat die Passwörter zwar auf zweifache Weise verschlüsselt – über Codierung und mit einer Technik namens Hashing. Allerdings können Hacker inzwischen gesicherte Passwörter knacken, indem sie riesige Lexika mit ähnlich verschlüsselten Begriffen anlegen und sie mit Datenbanken gestohlener Passwörter abgleichen. Dadurch könnten User in Schwierigkeiten geraten, die ihr Yahoo-Passwort auch für andere Onlinekonten nutzen.

Rückschlag für den Krisen-Konzern

Für Yahoo ist der Angriff ein Rückschlag und könnte den Konzern noch tiefer in die Krise drücken. Yahoo-Chefin Marissa Mayer war es nicht gelungen, das von den Rivalen Google und Facebook an den Rand gedrängte Unternehmen wieder in die Erfolgsspur zu bringen. Nur Stunden vor der Mitteilung waren führende Firmenvertreter aus dem Silicon Valley zu einem Versöhnungsgipfel mit dem künftigen US-Präsidenten Donald Trump in New York. Insidern zufolge war Yahoo dazu nicht eingeladen. Einem Yahoo-Sprecher zufolge war Konzernchefin Mayer am Firmensitz, um sich um den Hackerangriff zu kümmern.

Der neue umfangreiche Diebstahl von Kundendaten könnte zudem die geplante Übernahme Yahoos durch den Telekommunikationsriesen Verizon gefährden. Der Deal soll ein Volumen von rund 4,8 Milliarden Dollar haben. Die Führung des Telekomkonzerns teilte mit, zunächst die Auswirkungen des Vorfalls untersuchen zu wollen, bevor eine endgültige Entscheidung über die Übernahme gefällt werden sollte. Yahoo zeigte sich zuversichtlich, dass die Bekanntmachung den Verkauf nicht bedroht. Yahoo sei während der Untersuchung in ständigem Kontakt mit Verizon gewesen.

Der Konzern geht davon aus, dass der Hackerangriff von 2013 nicht in Zusammenhang mit dem von 2014 steht, bei dem rund 500 Millionen Konten betroffen waren. Diese Cyberattacke hatte Yahoo im September bekannt gemacht.