Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie die Zukunft des kreativen Sadismus aussieht, muss man nicht auf den achten Folterhorrorfilm der Saw-Reihe warten. Oder das nächste Dschungelcamp. Oder die kommende [hier beliebige Farbkombinationen einfügen] Bundesregierung. Es reicht ein Blick auf die Entwicklung von Ransomware.

Längst umfasst der Begriff nicht mehr nur Schadsoftware, die einen PC befällt, die Daten darauf verschlüsselt und nur gegen Lösegeld wieder freigibt. Das Prinzip gibt es seit Ende der achtziger Jahre. Der Blick auf die Ransomware-Schlagzeilen des Jahres 2017 zeigt, wie es gerade auf die Spitze getrieben wird:

Dateien sperren war gestern

Aus diesen Einzelfällen lassen sich mehrere Trends ableiten. Erstens werden nicht mehr nur privat genutzte Computer angegriffen, sondern auch andere mit dem Internet verbundene Geräte. Demnächst vielleicht auch Herzschrittmacher beziehungsweise deren Peripheriegeräte? Die US-Gesundheitsbehörde FDA jedenfalls warnte kürzlich, bestimmte Modelle seien anfällig für Hacks. Angreifer, hieß es in der Mitteilung, könnten theoretisch den Herzrhythmus von Patienten beeinflussen oder ihnen sogar Schocks versetzen. Oder es – weitergedacht – gegen Lösegeld unterlassen.

Zweitens betrifft Ransomware nicht mehr nur einzelne Geräte, sondern ganze Netzwerke und Infrastrukturen. In einem Jahr, in dem einige wichtige Wahlen stattfinden, kann man sich gruselige Szenarien ausmalen. Man denke an Parteizentralen, Medien oder Wahlleiterbüros, die in der heißen Phase eines Wahlkampfs vor die Wahl gestellt werden, Geld zu zahlen oder arbeitsunfähig zu bleiben und damit eine Verfälschung des Wahlausgangs in Kauf zu nehmen.

Drittens wirkt sich Ransomware nicht mehr nur auf nicht anfassbare Dateien aus, sondern auch auf die physische Welt – so wie im Fall der Hotel-Türschlösser. Autotüren wären angesichts der zunehmenden Verbreitung von irgendwie "smarten" Fahrzeugen als Nächstes dran. Oder Heizungssysteme mit vernetzten Thermostaten. Oder die zentral gesteuerte Beleuchtung einer Smart City.

Lösegeld oder wir veröffentlichen deine Dateien

Viertens entdecken die Entwickler von Ransomware neue Wege für sich, ihre Opfer unter Druck zu setzen. Dass sie drohen, Daten auf einem Computer zu löschen, ist geradezu ein klassischer Ansatz. Auch Countdowns, die zeitlichen Druck aufbauen, sind schon üblich. Noch ziemlich neu sind Programme, die drohen, Dateien, Chatverläufe oder Fotos an alle Kontakte eines Opfers zu schicken, oder an andere Empfänger, wie etwa Konkurrenzunternehmen.

Oder, und da wären wir wieder beim Thema Wahlkampf – an andere Parteien. Vereinzelt wurden solche Programme – Doxware genannt, in Anlehnung an das doxing – schon gesichtet. Aber dass sie technisch tatsächlich in der Lage sind, Dateien automatisch an andere zu senden, ist noch nicht nachgewiesen worden. Mitunter dürfte aber die bloße Drohung reichen.