Der US-Auslandsgeheimdienst CIA hat eine eigene Programmiertruppe aufgebaut, um systematisch Sicherheitslücken und Schwachstellen in Smartphones, Computern aber auch Fernsehgeräten oder Telefonanlagen auszunutzen. Dass diese Dokumente nun öffentlich seien, gefährde das Leben von US-Bürgern, sagt die CIA. Derartige Enthüllungen "bringen nicht nur US-Personal und Einsätze in Gefahr, sondern statten unsere Gegner auch mit Werkzeugen und Informationen aus, um uns zu schaden", sagte CIA-Sprecherin Heather Horniak.

Zur Echtheit der Dokumente wollte sie sich nicht äußern, Experten halten diese für glaubwürdig. "Extrem besorgt" ist US-Präsident Donald Trump einem Sprecher zufolge über das Datenleck bei der CIA. Präsidialamtssprecher Sean Spicer kündigte ein hartes Vorgehen gegen Informanten an: "Bei jedem, der vertrauliche Informationen weitergibt, wird die volle Härte des Gesetzes angewandt", sagte er.

WikiLeaks hatte am Dienstag mehr als 8.000 Dokumente veröffentlicht, die aus dem CIA-Zentrum für Cyberaufklärung in Langley bei Washington stammen und über die Computer- und Internetspionage des US-Geheimdiensts Auskunft geben sollen. Die Hackertruppe operiert demnach vom US-Konsulat in Frankfurt am Main aus. Das Konsulat diene als heimliche Basis der Hacker für Spähaktionen in Europa, dem Nahen Osten und Afrika, hieß es.

Aus den Dokumenten geht laut WikiLeaks hervor, dass die US-Regierungshacker unter anderem iPhones von Apple, Android-Geräte von Google, Software von Microsoft und sogar Samsung-Fernseher ins Visier nehmen, um Nutzer auszuspionieren.

Das sorgte für große Unruhe bei den betroffenen Hightechfirmen. Apple und Samsung erklärten, die Software ihrer Geräte auf eventuell bestehende Sicherheitslücken überprüfen zu wollen. Auch Google reagierte. Der Konzern glaubt, bereits viele Sicherheitslücken beseitigt zu haben. "Wir sind sicher, dass Sicherheitsupdates und Schutzmechanismen in Chrome und Android die Nutzer bereits vor den mutmaßlichen Schwachstellen schützen." Die Veröffentlichung werde aber weiter ausgewertet. Ähnlich hatte sich zuvor auch Apple im Bezug auf sein iPhone-Betriebssystem iOS geäußert.

Naive Technikbegeisterung

Der ehemalige Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung, Peter Schaar, sieht das Problem nicht aufseiten der Geheimdienste: "Das eigentliche Problem besteht darin, dass wir Bürger in naiver Technikbegeisterung unser Leben immer stärker Systemen anvertrauen, deren Sicherheit höchst fragwürdig ist", sagte er dem RedaktionsNetzwerk Deutschland.

Es brauche keine Agententricks, um sie zu knacken. Manch neues Gerät sei bewusst so konstruiert, dass es seine Nutzer ausspioniert: Smartphones, die Bewegungen lückenlos aufzeichnen, Smart-TVs, die im Wohnzimmer lauschen, Lautsprecherboxen mit eingebautem Mikrofon oder sogenanntes intelligentes Spielzeug wie die Puppe Cayla, die ihre Wahrnehmungen auf Server in die USA überträgt. "Bei aller berechtigter Empörung über geheimdienstliche Spähaktivitäten: Wir sollten als Erstes im eigenen Alltag besser auf unsere Privatsphäre achtgeben", sagte Schaar.