"Wir sind ein riesiges, datenverarbeitendes US-Unternehmen, dessen Clouddienste sogar von Geheimdiensten genutzt werden, und möchten gerne eine Kamera mit Mikrofon und Internetanschluss in Ihrem Schlafzimmer aufstellen." – Hard sell würde man in den USA dazu sagen, schwer verkäuflich. Amazon versucht es trotzdem.

Echo Look heißt seine neue Kamera mit Cloud-Anbindung und Machine-Learning-Algorithmen. Das Gerät soll unter anderem ein virtueller Modeberater sein. Aber weil Amazon so viele Fragen noch nicht beantwortet hat, ist nicht ganz klar, was es sonst noch alles sein könnte.

Zunächst einmal ist es die dritte Version von Amazons Echo, einem ausschließlich durch gesprochene Sprache zu steuernden elektronischen Assistenten für das vernetzte Heim. Wie schon im ersten Echo und auch im kleineren Echo Dot reagiert auch im Echo Look die Software Alexa auf Zuruf und spielt zum Beispiel Musik ab, dimmt das Licht oder sucht aktuelle Verkehrsnachrichten im Netz.

"Alexa, mach ein Foto von mir"

Hinzu kommen Tiefensensoren, eine Kamera sowie einige weitere Softwaretricks. Damit sollen sich Kunden selbst fotografieren oder filmen. Die Hochkant- und damit Ganzkörperaufnahmen lassen sich dann mit Freunden teilen, wenn man deren Meinung zu den eigenen Outfits haben möchte.

Alternativ, und das ist der eigentliche Clou, vergleicht und sagt eine Amazon-App namens Style Check, welches Outfit besser aussieht – dank selbst lernender Software und dem "Rat unseres Teams von erfahrenen Modespezialisten", wie es auf der Produkt-Website heißt. Die App entscheide je nach "Passform, Farbe, Styling und aktuellen Trends", was dem Nutzer am besten steht.

Klingt nach einem Spielzeug für eitle Menschen, hat aber potenziell schwerwiegende Folgen für deren Datenschutz und Privatsphäre.

Damit Echo Look und Style Check funktionieren, müssen die Aufnahmen erstens an Amazons Server übertragen werden. Wo sie "unbegrenzt" gespeichert werden, wie das Unternehmen auf Anfrage von Motherboard mitteilte. Es sei denn, die Nutzer löschen sie irgendwann selbst über die App. Ob Amazon die Fotos, Videos und sonstigen Daten an Dritte weitergibt oder verkauft, hat das Unternehmen bisher nicht klargestellt, ebenso wenig, was genau es mit den Daten macht.

Mit was für Daten der Mode-Algorithmus trainiert wurde, ist ebenfalls unklar. Ist er vielleicht einseitig, weil zum Beispiel überdurchschnittlich viele schlanke, weiße Frauen in den Trainingsdaten repräsentiert sind? Es wäre nicht das erste Mal, dass so etwas passiert. Aber wie sinn- und taktvoll wäre ein Modeberater, der nur schön findet, was blassen Models steht?

Denkbar wäre auch, dass Amazon die Fähigkeiten des Echo Look noch ausbaut, um ihn zur Verkaufsmaschine zu machen. Aus schierer Hilfsbereitschaft wird "unser Team von erfahrenen Modespezialisten" schließlich wohl kaum arbeiten. Das Gerät ist also vielleicht irgendwann in der Lage, sämtliche Kleidung zu erkennen, die Amazon im Sortiment und ein Kunde im Kleiderschrank hat. Auf Basis des entsprechenden Nutzerprofils könnte Amazon dann Shoppingvorschläge machen, bis hin zur Unterwäsche.