Nach dem Update ist vor dem Update: Microsoft will Windows 10 mit regelmäßigen Aktualisierungen auf dem Stand der Technik halten. Ab dem morgigen Dienstag verteilt der Softwarekonzern bereits das dritte Paket mit neuen Funktionen an die rund 400 Millionen Nutzer – dabei ist das Betriebssystem erst seit Sommer 2015 verfügbar.

Der Hersteller rückt in der Kommunikation die neuen Möglichkeiten in Sachen Augmented Reality und 3D-Design in den Mittelpunkt und spricht daher vom Creators-Update. Doch für die meisten Nutzer sind statt der Neuerungen für Kreative vermutlich zwei andere Dinge wichtiger: Das Unternehmen überarbeitet die vielfach kritisierten Datenschutzeinstellungen und erleichtert den Schutz gegen Hackerangriffe. Was Nutzer jetzt wissen müssen.

"Überwachung bis zum letzten Klick": Mit scharfen Worten kritisierte die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz den Umgang mit den persönlichen Informationen in Windows 10 kurz nach der Veröffentlichung des Betriebssystems 2015. Auch andere Behörden und Bürgerrechtsorganisationen warfen Hersteller Microsoft vor, zu viele Nutzerdaten zu erheben und in die Zentrale zu übertragen. Die Kritik zeigt offenbar Wirkung: Das Creators-Update soll für mehr Transparenz sorgen.

Nur Firmen können die Datenübertragung ganz stoppen

Eine neue Übersicht erleichtert Nutzern künftig, die Datensammlung nachzuvollziehen. Über einige Schalter können sie schnell und einfach Änderungen vornehmen – etwa um ortsbasierte Dienste oder die Spracherkennung ein- oder auszuschalten. Und mit einer neuen Grundeinstellung, Basis genannt, lässt sich die Sammlung pauschal reduzieren. Ganz stoppen können Privatnutzer sie aber nicht – das ist nur Firmen vorbehalten. Microsoft argumentiert, dass es die Daten benötigt, um Windows 10 mit den vielen Cloud-Funktionen anbieten zu können.

Trotz der Verbesserungen hat der Konzern damit noch nicht alle Bedenken ausgeräumt. So erklärte die Gruppe der europäischen Datenschutzbehörden, die Article 29 Working Party, noch im Februar, dass sie über das Datenschutzniveau weiterhin besorgt sei. "Microsoft sollte klar erklären, welche Arten von personenbezogenen Daten zu welchen Zwecken verarbeitet werden." Ohne diese könnten Nutzer keine informierte und damit auch keine gültige Zustimmung geben. Mit anderen Worten: Die Datenschützer halten das Konstrukt weiterhin für rechtlich ungültig.

Nicht nur beim Datenschutz, sondern auch bei der Sicherheit hat Microsoft nachgebessert. Mit dem Update bekommen Nutzer eine neue Anwendung namens Windows Defender Security Center, in der alle Einstellungen rund um das Thema versammelt sind, inklusive der Anti-Virus-Programme anderer Hersteller. Auch die Leistung des Gerätes haben Nutzer damit im Blick. Ziel sei es, Sicherheit einfach zu machen, erklärt das Unternehmen.

Paint bekommt ein großes Update

Der Name Creators-Update rührt daher, dass Windows 10 einige neue Funktionen für Kreative aufweist. Zum einen erweitert Microsoft das Zeichenprogramm Paint um einige Funktionen. So gibt es neue Malwerkzeuge, mit denen man virtuelle Farbe auch im Stile eines Kalligrafiestiftes oder einer Sprühdose aufbringen kann. Neu sind außerdem 3D-Funktionen – Möchtegernkünstler können ihre Werke mit räumlichen Figuren von Menschen, Hunden oder Mäusen oder geometrischen Formen aufpeppen. Oder eine Skizze in die dritte Dimension erweitern.

Als Zukunftsinvestition muss die weitere Integration von 3D-Technologie in Windows 10 betrachtet werden: Im Moment ist das nur für Softwareentwickler interessant. Doch Microsoft verspricht, schon bald mit Partnern Hardware für die sogenannte gemischte Realität auf den Markt zu bringen, die deutlich preiswerter ist als die HoloLens-Brille des Konzerns. Die Geräte von Acer, Asus, Dell, HP oder Lenovo blenden digitale Informationen ins Bild der Umgebung ein.