Leaks are coming – so sicher wie der Winter. Das mussten die Verantwortlichen des US-Kabelsenders HBO erfahren. Sie wurden Opfer eines Hackerangriffs und offenbar erbeuteten die Täter unter anderem auch Inhalte der Erfolgsserie Game of Thrones.

"Es hat einen auf das Unternehmen gezielten Cybervorfall gegeben, der zu gestohlenem Eigentum geführt hat, inklusive eines Teils unserer Programmgestaltung", schrieb CEO Richard Plepler in einer internen Nachricht an die Mitarbeiter. Das sei beunruhigend, solche Probleme gehörten in der heutigen Zeit aber eben dazu.

Was die Angreifer genau abgreifen konnten, sagt HBO nicht. Doch erste Inhalte sind bereits im Internet aufgetaucht, wie unter anderem Entertainment Weekly berichtet. Demnach haben die Täter insgesamt 1,5 Terabyte Daten kopiert. Am Sonntag sollen sie sich an mehrere Branchenreporter gewandt und vom "größten Leak der Cyberspace-Ära" gesprochen haben, der angeblich HBO und Game of Thrones betraf.

Ein Drehbuch von "Game of Thrones"?

Innerhalb weniger Stunden tauchten auf Torrent-Websites im Netz noch unveröffentlichte Folgen der Serien Ballers und Room 104 auf. Etwas später wurden die Inhalte auch auf einer eigens eingerichteten Website veröffentlicht. "Wir sind erfolgreich in das interne Netzwerk von HBO eingedrungen und haben E-Mails, Datenbanken und vertrauliches Material entwendet", heißt es dort.

Unter anderem soll das Drehbuch für die kommende Folge von Game of Thrones, die am Sonntag ausgestrahlt wird, darunter sein. Wie das Branchenblog TorrentFreak schreibt, soll es sich dabei um das echte Skript handeln, aber nicht um das Video der Episode.

Der "größte Leak der Cyberspace-Ära" ist es wahrlich nicht. Aber für HBO ist es ein unangenehmes Déjà-vu. Vor zwei Jahren tauchten die ersten vier Folgen der fünften Staffel von Game of Thrones vor der Ausstrahlung im Netz auf. Um einen Hackerangriff handelte es sich nicht – die Folgen wurden mutmaßlich von einer DVD entwendet, die vorab an die Fachpresse und Brancheninsider verschickt wurde. Eine Praxis, die HBO daraufhin beendete.

TV-Sender im Visier von Hackern

Der aktuelle Fall zeigt, wie Hacker es zunehmend auf die Film- und Kulturindustrie abgesehen haben. Der bislang öffentlichkeitswirksamste Hack war der auf Sony im Jahr 2015, der US-Behörden und Sicherheitsforschern zufolge wahrscheinlich von Nordkorea ausging. Im April dieses Jahres tauchte fast die gesamte Staffel der Netflix-Serie Orange is the New Black vor der Veröffentlichung im Internet auf. Sie wurde aus dem Netzwerk einer Produktionsfirma in Los Angeles entwendet. Im Juni erwischte es den Sender ABC und acht Folgen der Show Steve Harvey's Funderdome.

Die Netflix-Angreifer forderten von dem Unternehmen ein Lösegeld. Dieser Forderung kam Netflix nicht nach und auch sonst hielt sich der Erfolg des Leaks in Grenzen – viele Fans warteten dann doch lieber, bis die Serie offiziell und in besserer Qualität erschien. Auch das mutmaßliche Game-of-Thrones-Drehbuch dürfte allenfalls Hardcorefans auf die Torrentseiten locken, sofern die Angreifer nicht noch weitere, brisantere Inhalten nachlegen. HBO hat nach eigenen Angaben die Strafverfolgungsbehörden und IT-Sicherheitsunternehmen eingeschaltet.