Es sind genau diese Nachrichten, die Käufer von smarten Lautsprechern nicht lesen wollen: Einzelne Testgeräte des Google Home Mini, der kleinen Ausgabe des Home, haben dauerhaft ihre Besitzer belauscht. Bevor die Geräte kommende Woche offiziell verkauft werden, hat Google nun ein Update bereitgestellt, das die dafür verantwortliche Funktion dauerhaft deaktiviert.

Artem Russakovskii vom Technikblog Android Police hatte in den Tagen nach der Ankündigung des Home Mini vergangene Woche als erstes festgestellt, dass der Lautsprecher nicht nur auf den Befehl "O.K. Google" reagierte – wie es sein sollte – sondern immer wieder zufällig auf Dialoge aus dem Fernseher ansprang. Als er in seinem Google-Konto das Aktivitätsprotokoll aufrief, sah er tausende Einträge, die das Mini-Testgerät an Googles Server gesendet hatte. Offenbar hörte das Gerät ständig zu.

Lautsprecher registriert "Phantomberührungen"

Russakovskii kontaktierte Google und das Unternehmen reagierte prompt. Google schickte noch am selben Tag einen Mitarbeiter zu Russakovskii, um das Testgerät abzuholen und zu analysieren.

Einen Tag später hatte Google das Problem identifiziert: Auf der Oberseite des Home Mini, unter der Stoffverkleidung, befindet sich der "Top Touch"-Knopf. Halten ihn die Nutzer gedrückt, können sie den Lautsprecher auch ohne Sprachbefehl aktivieren. Im Fall einzelner Testgeräte aber, die nach der Vorstellung an Journalisten verteilt wurden, registrierte das Gerät "Phantomberührungen" und schaltete sich somit immer wieder von selbst an.

Google beteuert, nur eine geringe Anzahl an Home Minis seien betroffen, darunter keine Vorbestellungen. Dennoch hat sich das Unternehmen entschieden, über ein Software-Update die Top-Touch-Funktion zunächst vollständig zu deaktivieren. Das entsprechende Update soll in den kommenden Tagen erscheinen. Der Home Mini kann anschließend nur noch per Sprachbefehl aktiviert werden. Zudem werden die Protokolle der gespeicherten Spracheingaben, die die betroffenen Geräte unerlaubt registriert hatten, von den Google-Servern gelöscht.

Der GAU für Google wurde gerade so abgewehrt

Einerseits muss man an dieser Stelle Google für seine schnelle Reaktion loben. Wäre der Fehler erst nach dem Verkaufsstart bekannt geworden und hätte er alle Geräte betroffen, wäre es ein GAU für das Unternehmen gewesen, das gerade mit aller Macht versucht, zu Amazon und dessen Echo-Lautsprechern aufzuschließen.

Andererseits liefert der Fall den Kritikern und Datenschützern neue Argumente. Sie warnen seit jeher vor den smarten Lautsprechern mit ihren ständig aktiven Mikrofonen (schließlich müssen sie stets erkennen, wann der Startbefehl gesagt wird). Das bedeutet nicht nur einen Eingriff in die Privatsphäre der Nutzer, sondern eine sprichwörtliche Zeitbombe: Wenn es den ersten Hackern gelingt, sich in die System zu hacken, könnten diese nicht nur persönliche Daten abgreifen. Sondern auch noch im Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmer der Besitzer mithören.