Im kalifornischen Fresno heißt die Predictive-Policing-Software schlicht Beware – englisch für "Nimm dich in acht". Ein Anwalt behauptet im Film, die Software hätte in einer anderen Stadt mal eine Frau als potenziell gefährlich eingestuft, weil sie auf Twitter etwas von rage schrieb, englisch für "Wut". Dabei habe sie nur das gleichnamige Kartenspiel gemeint.

Doch ein Beleg für die Behauptung des Anwalts fehlt. Und er ist nur einer von mehreren eher dubiosen, stets in dunkler Umgebung präsentierten Kronzeugen von Hielscher und Heeder. Auch dadurch wirkt der Film insgesamt einseitig, der Unterschied zwischen trockener Statistik und Dystopie geht unter in Zuspitzungen, Raum für rechtliche Voraussetzungen und Grenzen bleibt keiner.

Immerhin hat Pre-Crime ein paar starke Momente. Etwa jene, in denen ein französischer Forscher erklärt, aus welcher Wissenschaftsdisziplin der Algorithmus hinter Predpol eigentlich stammt: aus der Seismologie. Erdbeben würden Nachbeben auslösen, ebenso würden Verbrechen an einem Ort oder gegen eine Person weitere Verbrechen in der Umgebung zur Folge haben.

Dann umreißt der Franzose ein zentrales Problem vieler solcher Algorithmen, nämlich die Datenbasis. Predpol sei gefüttert worden mit Daten zu Verbrechen und "antisozialem Verhalten" aus mehreren Jahren – aber das seien naturgemäß alles Vorfälle gewesen, die der Polizei gemeldet worden waren. "Agiert die Polizei also auf Grundlage dieser Daten, agiert sie nur für die Leute, die sich bei der Polizei melden. Und das verzerrt diesen Ansatz vehement. Man denkt, man hätte die Sicherheit erhöht, weil die Daten das auszusagen scheinen, wohingegen ein Großteil der Bevölkerung, der nicht in den Daten vorkommt, immer noch unter Sicherheitsdefiziten leidet."

Der Film listet nach und nach eine ganze Reihe von weiteren Problemen auf: Polizisten werden bei der Dateneingabe nicht kontrolliert, Algorithmen nicht offengelegt. Manche Programme beruhen auf einer einseitigen Datenbasis, die dazu führt, dass Nichtweiße benachteiligt werden. Wer einmal auf einer heat list der Polizei landet, kommt nach Aussagen einer Anwältin nicht mehr herunter. Betroffen sind generell fast nur Geringverdiener und Arbeitslose. Doch die Hersteller und Strafverfolger werden mit diesen Vorwürfen nicht konfrontiert. Und auch die im Film explizit gestellte, hochspannende Frage "Gibt es eigentlich einen Algorithmus, der auf Wirtschaftsverbrechen zielt?" bleibt wie so vieles – leider unbeantwortet.