Das vom Wahlkampfteam des heutigen US-Präsidenten Donald Trump beauftragte britische Unternehmen Cambridge Analytica hat einen Missbrauch von Daten von Millionen Facebook-Nutzern zurückgewiesen. "Diese Facebook-Daten waren nicht Teil der von Cambridge Analytica an das Wahlkampfteam von Donald Trump geleisteten Dienste", teilte das Unternehmen mit. Die EU-Kommission hatte zuvor von Facebook eine Klarstellung gefordert.

EU-Justizkommissarin Věra Jourová bezeichnete es am Montag als "erschreckend", dass die persönlichen Daten von 50 Millionen Nutzern so einfach abgegriffen und für politische Zwecke eingesetzt worden sein könnten. Auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter kündigte sie an, die EU werde "alle möglichen rechtlichen Maßnahmen ergreifen", um die Daten von Bürgern zu schützen. Dazu gehörten auch strengere Datenschutzbestimmungen und deren Durchsetzung, schrieb die tschechische EU-Politikerin, bevor sie am Montag in die USA reiste.

Die New York Times und der britische Observer hatten berichtet, dass Cambridge Analytica die privaten Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Mitgliedern ohne deren Einverständnis abgegriffen habe. Auf diese Weise soll das Unternehmen der Trump-Kampagne entscheidend dabei geholfen haben, durch als Werbung geschaltete Botschaften bei Facebook seine Anhänger zu mobilisieren und zugleich potenzielle Wähler der Gegenkandidatin Hillary Clinton vom Urnengang abzubringen.

Mehr als 16 Millionen Dollar von Republikanern

Facebook hatte in einem Schreiben erklärt, man habe 2015 erfahren, dass ein Professor der Universität Cambridge den Konzern belogen habe. Demnach nutzte er eine Psychologietest-Software, um Daten an Cambridge Analytica weiterzuleiten. 

Das soziale Netzwerk widersprach jedoch der Behauptung, die Daten seien gestohlen worden. Vielmehr hätten die Nutzer die von Cambridge Analytica verwendeten Daten freiwillig zur Verfügung gestellt. Facebook habe eine IT-Forensik-Firma beauftragt, um den Umgang mit den Daten zu prüfen. Cambridge Analytica habe den Zugang zu seinen Systemen und Servern zugesagt.

Nach Daten der Bundeswahlkommission hatte Cambridge Analytica von Donald Trumps Präsidentschaftswahlkampagne 5,9 Millionen Dollar (4,8 Millionen Euro) erhalten. Ted Cruz' erfolglose Präsidentschaftswahlkampagne hat der Firma demnach 5,8 Millionen Dollar gezahlt. Insgesamt erhielt das Unternehmen von 2014 bis 2016 mehr als 16 Millionen Dollar von Kandidaten und Komitees der Republikaner.

Zu den wichtigsten Geldgebern von Cambridge Analytica gehört der US-Hedgefonds-Milliardär Robert Mercer, ein ausgewiesener Unterstützer der republikanischen Partei. Laut The Observer war der ehemalige Trump-Berater Steve Bannon 2016 Chef der Firma.