Das neue Facebook, das Mark Zuckerberg am Donnerstag angekündigt hat, steht im Wesentlichen auf zwei Säulen. Die eine könnte den Kerngedanken der sozialen Netzwerke auf eine neue Ebene heben. Die andere hat das Potenzial, Facebook nachhaltig zu beschädigen.

Beeindruckend an der ersten Säule ist, was den Mitgliedern künftig geliefert wird: Netflix, Hulu und viele andere Plattformen speisen ihre Inhalte nun über Apps bei Facebook ein (allerdings noch nicht in Deutschland, weil die Rechtsfrage noch ungeklärt ist). Mitglieder können sich dann in das, was ihre Freunde hören oder sehen, einklinken. Ein solches soziales Echtzeit-Netzwerk wäre derzeit konkurrenzlos.

Allein die Größe der Partner-Plattformen deutet an, wie wichtig Facebook als Netz im Netz geworden ist. Selbst die Washington Post und der Guardian haben Facebook-Apps veröffentlicht, mit denen ihre Artikel innerhalb des Netzwerks gelesen und kommentiert werden können.

Dahinter steckt der Gedanke, dass die Suche nach Inhalten etwa bei Google zunehmend abgelöst wird von der Empfehlung von Inhalten durch Freunde und Bekannte. Verlassen muss Facebook dann niemand mehr, alles findet innerhalb der Seite statt.

Irrwitzig aufwändig

Bedrückend ist hingegen, was die Mitglieder selbst liefern sollen. Das ist die zweite Säule. In der sogenannten Timeline jedes Mitglieds will Zuckerberg dessen gesamte Lebensgeschichte sehen. Angefangen beim ersten Foto nach der Geburt, bis hin zu jeder Nichtigkeit der Gegenwart. Selbst wenn sich die Mehrzahl der Nutzer darauf einlassen sollte: Das Kuratieren des gesamten eigenen Lebens wird zeitlich geradezu irrwitzig aufwändig. Ständig müssen sich die Nutzer fragen: Welche Fotos bilden mein Leben ab? Wer darf welche Information sehen? Und wie muss ich sie formulieren, damit sie mir auch in einem Jahr oder fünf nicht schaden können?