Call of Duty – Modern Warfare 2 Gamer achten die Genfer Konvention nicht
Spieler schießen auf Zivilisten und foltern Gefangene, wenn auch nur virtuell. Forscher fordern: Für Computer-Spiele sollen völkerrechtliche Regeln gelten. Von Tina Klopp
© Ethan Miller/Getty Images

Eine Werbeanzeige für "Call of Duty: Modern Warfare 2": Das Spiel wurde am Tag eins seines Verkaufsstarts in den USA und Großbritannien 4,7 Millionen mal verkauft
In der Wartehalle des Moskauer Flughafens stehen Menschen vorm Check-in. Als sie die nahende Gruppe Männer mit automatischen Waffen entdecken, liest man in ihren Gesichtern eher ungläubiges Staunen als echtes Erschrecken. Wenig später sind sie alle tot, ihre blutenden Körper färben den Boden rot.
Der Spieler, der sich undercover in eine Gruppe von Terroristen eingeschleust hat, hatte keine Wahl. Er musste schießen. Sonst wäre seine wahre Existenz als Soldat einer amerikanischen Spezialeinheit aufgeflogen. So gut legitimiert, wie dieses Gemetzel an wehrlosen Zivilisten dadurch scheinen mag – die Debatten, die diese Flughafenszene im neuen Spiel der Call-of-Duty-Serie ausgelöst hat, waren zahlreich. Was unter anderem deshalb relevant ist, weil das Kriegsspiel Call of Duty – Modern Warfare 2 eines der meistverkauften Spiele überhaupt zu werden droht.
In der englischsprachigen Ausgabe ist der Spieler selbst beteiligt an der Jagd auf die fliehenden und kreischenden Zivilisten. Die deutsche Aufsicht war da strenger: Hier gibt es diese Möglichkeit nicht. Sobald der Spieler die Waffe auf unbewaffnete Menschen ansetzt, bedeutet das Game over. Auch über diese vermeintliche Zensurmaßnahme wurde heftig diskutiert. Aber selbst einigen hartgesottenen Spielern gingen die Szenen zu weit. Die Warnung, die Entwickler Activision Blizzard vor diesen Szenen einblendet – man kann den Teil auch überspringen und später weiterspielen –, halten viele für heuchlerisch. Und werfen der Firma vor, ihren irrsinnigen Verkaufserfolg damit noch befeuert zu haben.
Das Verbot, Gewalt gegen Zivilisten auszuüben, ist einer der Angelpunkte des Kriegsvölkerrechts. Die beiden schweizerischen Institutionen Pro Jeventute und TRIAL haben sich daher angeschaut, wie Gamer es in Kriegsspielen mit den Genfer Konventionen halten. Ihre Mitarbeiter spielten dazu unter den wachsamen Augen von Juristen, die sich auf Völkerrecht spezialisiert haben. Zu den zwanzig geprüften Spielen gehörten unter anderem Call of Duty 4 und 5, 24, Battlefield und Far Cry 2.
Das Resultat mag wenig überraschen.
"Die Auswertung zeigt, dass die Regeln des humanitären Völkerrechts in vielen Fällen nicht Teil der Spielanlage sind", heißt es. Zwar gestehen die Prüfer zu, dass die Spiele zur Unterhaltung produziert und die wenigsten Spieler selbst jemals an echten Kriegen teilnehmen werden. "Dennoch erstaunt das praktisch vollständige Fehlen entsprechender Spielregeln oder Sanktionen im Game: Zivilpersonen oder geschützte Objekte wie Kirchen und Moscheen können ungestraft angegriffen werden, in Verhörszenen sind sanktionslos Folter, unmenschliches oder erniedrigendes Verhalten möglich oder es werden außergerichtliche Hinrichtungen simuliert."
Dabei hätten die Testspieler durchaus Gegenbeispiele gefunden, heißt es in der Studie. Die zeigten, dass es möglich sei, Verhalten zu belohnen, das Kollateralschäden vermeidet und umgekehrt den Tod von Zivilisten bestraft.
- Datum 27.11.2009 - 15:43 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Quelle ZEIT ONLINE
- Kommentare 15
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:







im Spiel versteckte Sex-Szenen zum Beispiel. Das hat in den USA zu Diskussionen geführt:
http://en.wikipedia.org/w...
...warum soll es im Virtuellen besser als in der Realität zugehen ?
Zitat:
"Dennoch erstaunt das praktisch vollständige Fehlen entsprechender Spielregeln oder Sanktionen im Game: Zivilpersonen oder geschützte Objekte wie Kirchen und Moscheen können ungestraft angegriffen werden, in Verhörszenen sind sanktionslos Folter, unmenschliches oder erniedrigendes Verhalten möglich oder es werden außergerichtliche Hinrichtungen simuliert."
All das kann man sogar den USA in ihren realen Kriegen vorwerfen, genauso wie den Russen und sicher noch einem dutzend weiterer Staaten die gerade Krieg führen.
Ich frag mal anders herum:
In welchem Krieg der letzten 20 Jahre ist NICHT gegen mindestens einen dieser Punkte verstossen worden ?
Gerade Spiele wie Call of Duty 4 und 5, 24, Battlefield und Far Cry 2 erfinden die Realität nicht, sie bilden sie plakativ und eindimensional ab.
Insofern ist es ein sehr trauriger WITZ sich über Menschenrechtsverletzungen in SPIELEN zu beschweren, während diese permanent in REALITÄT stattfinden.
...ist meiner Meinung nach die Szene in Call of Duty – Modern Warfare 2 geschmacklose Leichenfledderei die aus reiner Geldgier Tabus bricht.
Activision Blizzard tut sich und dem Spielemarkt keinen gefallen, aber sie sind halt geldgierig.
Ich habe in meinem ganzen Leben keinen schlechteren Artikel gesehen. Schon die Überschrift und die Einleitung haben mir genügt. Der Anschein der Objektivität später im Artikel bleibt nur ein Anschein.
Ich würde dieses Artikel gerne als Volksverhetzung bezeichnen, aber dieser Begriff ist ja per Definition für rechtsextreme Äußerungen bestimmt.
Und kann diese Kommentare hier nicht verstehen, denn was der Artikel anspricht, ist ein wirkliches Problem der Branche.
Immer wieder wurden gerade Spiele wie CS in das Licht der Öffentlichkeit gezogen, obwohl dieses vom Gameplay her wirklich eher ein Sportspiel ist und auch der Erfolg darauf beruht (Balance, Fainess, Wettkampf).
Die wirkliche Gefahr lauert aber in den Belohnungstrategien von Spielen und das kann genauso für unfaires Verhalten (welches dann relativiert und sogar positiv gedeutet wird, z.B.: Viele Starken töten einen Schwachen = Teamplay) im Player VS Player Bereich sein, wie eben auch das grausame abschlachten Unschuldiger oder selbst von Feinden. Wen das nicht (mehr) stört, der wurde doch bereits davon eingenommen und korrumpiert und selbst auf Seiten wie GameStar posten viele Spieler (zum Glück), dass sie gerade diese Szene "ankotzt" (und damit ist nicht diese wertlose "Zensur" der deutschen Version gemeint) und (ebenfalls zum Glück), wollen immer noch die meisten Spieler vor allem Spielspaß und halten Gewalt jeglicher Art nicht für unbedingt wichtig.
Ein guter Designer/Storywriter, muss keine Leichen stapeln, um Atmosphäre zu erzeugen. Leider gibt es davon nicht viele in der Spielebranche (noch weniger als im Bücher- und Filmbereich) bzw. sie werden unterbewertet, doch so oder so wachsen Kinder und Jugendliche nunmal gerade mit PC- und Konsolenspielen auf und dadurch eben aucht mit der Gewalt darin und wie konsequenzenlos sie viel zu oft ist.
Haben Pixel Menschenrechte ?
Forscher haben festgestellt: Spieler von Autorennspielen achten die Verkehrsregeln nicht, SimCity-Spieler die Bauvorschriften nicht und Benutzer von Sexspielzeugen fragen selbige nur in den allerseltensten Fällen um Erlaubnis.
Die wahren "Gestörten", die die virtuelle und die wahre Realität nicht unterscheiden können, scheinen mehr und mehr die sich selbst zu nennenden "Experten" aus Politik (Bosbach,Schünemann,Rech usw.) und Wissenschaft (Pfeiffer,Spitzer,Weiss,Hopf usw.) zu sein.
Auch ist klar zu erkennen, dass einige Politiker die zur Tolleranz gegenüber anderer Religionen und Kulturen aufrufen, dies bei den Videospielen verweigern.
Auch der sportliche Apsekt wird den Videospielen verweigert.
Und das scheint wirklich nur daran zu liegen, dass diese Leute immer noch glauben, dass Videospiele "Kinderkram" sind und deshalb auch nur was für Kinder sein sollen.
Fußball war vor vielen Jahren vielleicht auch nur was für Kinder und heute wird da ein enormer Aufstand und Aufwand betrieben und viele Alkoholproduzenten freuen sich über jeden neuen 14 Jährigen Trinker, der durch die Werbung bei Fußballspielen zum trinken des Produkts animiert wurde.
Der Schützensport war vor vielen Jahren nur den Erwachsenen vorbehalten und heute wollen vorallem die rechtsstaatfeindlichen bayrischen Politiker, dass auch kleine Kinder mit Waffen schießen dürfen.
Hätte man dies nur für Erwachsene gelassen, hätten die Amokläufer sicherlich nicht so gut mit den Waffen umgehen können und somit wären vielleicht auch deutlich weniger Menschen ums Leben gekommen.
Aber im Moment zählt nur, was für die "Alten" okay ist und was nicht und bis sich das ändert wird es noch einige Jahre dauern.
Armes Deutschland...
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren