Call of Duty – Modern Warfare 2 Gamer achten die Genfer Konvention nichtSeite 2/2

Irrelevant für eine Gesellschaft ist dieser Tenor keinesfalls. Die Kämpfe seien zwar rein virtuell, dennoch vermittelten diese Spiele Meinungen über den Krieg, belohnten und bestraften bestimmtes Verhalten, und vermitteln Bilder, wer die Guten und wer die Bösen seien, glauben die Forscher. Interessanterweise geht es ihnen nicht darum, die Games weniger gewalthaltig zu machen. Sie fordern die Spielhersteller vielmehr auf, in diesem Bereich ihre Kreativität einzusetzen. "Es kommt einer verpassten Chance gleich, wenn der virtuelle Raum die Illusion schrankenloser Gewalt vermittelt."

Niemand würde ähnliche Forderungen an Horrorfilme oder Theaterstücke stellen, entgegnen viele Spieler. Müssen für Spiele andere Regeln gelten als für Bücher oder Filme? Befürworter sagen, ein Spieler könne sich von der Gewalt, die er selbst in einem Spiel ausübe, weniger distanzieren als das bei einem Buch oder im Film der Fall sei. Oder schlimmer noch: Er würde sich sogar das gesunde Unwohlsein, dass man bei solchen Szenen natürlicherweise verspüren müsse, konsequent abtrainieren.

Dem widerspricht zumindest die recht gut belegte These der Spieleforschung, dass jeder Spieler das ihm angemessene Spiel findet. Ein Mensch, der sich im Leben zu unsortiert und machtlos fühlt, spielt gerne Strategiespiele. Wer sich gerne prügelt, tut das auch im Spiel. Und wer gerne wehrlose Menschen abschlachtet? Wenn er sich das auch in der Realität herbeisehnt, braucht er vermutlich dringend Hilfe.

Schaut man sich die dazu gehörenden Debatten an, überwiegt der Eindruck, dass die Spieler in der umstrittenen Flughafenszene von widersprüchlichen Emotionen ergriffen werden. Und die wenigsten finden das Geschehen ausschließlich angenehm.

Aus Sicht der Entwickler kommt erschwerend hinzu, dass Spieler mit unrealistischen Grenzen oder künstlich auferlegten Schießverboten oft unzufrieden sind. Dass in der umstrittenen Szene bei Modern Warfare 2 das Schießen auf Zivilisten zum Game Over führt, finden viele Spieler lächerlich. Kein Unternehmen aber wird riskieren, den Spielspaß zu stören, wenn es das nicht unbedingt muss.

Activision übrigens rechtfertigte die Hinrichtungsszenen auf dem Flughafen damit, dass sie den Grad der Bosheit und Kaltblütigkeit eines russischen Bösewichts und seiner Einheit zeigten. "Indem wir dies zeigen, erhöhen wir den Druck auf den Spieler, ihn in den anderen Missionen zu stoppen." Modern Warfare 2 sei ein Fantasy-Actionspiel, dessen Spielinhalte intensiv, realistisch und an reale Konflikte angelehnt seien – wie bei epischen Actionfilmen auch. "Es wurde richtiger Weise für Personen ab 18 Jahren freigegeben und für diese Gruppe von Personen ist es gedacht."

Die "russischen Bösewichte" übrigens haben dieses Spiel in der aktuellen Form nicht zugelassen. Sie scheinen zumindest daran zu glauben, dass Spiele auch Meinungen prägen können.

 
Leser-Kommentare
  1. im Spiel versteckte Sex-Szenen zum Beispiel. Das hat in den USA zu Diskussionen geführt:

    http://en.wikipedia.org/w...

  2. ...warum soll es im Virtuellen besser als in der Realität zugehen ?

    Zitat:
    "Dennoch erstaunt das praktisch vollständige Fehlen entsprechender Spielregeln oder Sanktionen im Game: Zivilpersonen oder geschützte Objekte wie Kirchen und Moscheen können ungestraft angegriffen werden, in Verhörszenen sind sanktionslos Folter, unmenschliches oder erniedrigendes Verhalten möglich oder es werden außergerichtliche Hinrichtungen simuliert."

    All das kann man sogar den USA in ihren realen Kriegen vorwerfen, genauso wie den Russen und sicher noch einem dutzend weiterer Staaten die gerade Krieg führen.

    Ich frag mal anders herum:
    In welchem Krieg der letzten 20 Jahre ist NICHT gegen mindestens einen dieser Punkte verstossen worden ?

    Gerade Spiele wie Call of Duty 4 und 5, 24, Battlefield und Far Cry 2 erfinden die Realität nicht, sie bilden sie plakativ und eindimensional ab.

    Insofern ist es ein sehr trauriger WITZ sich über Menschenrechtsverletzungen in SPIELEN zu beschweren, während diese permanent in REALITÄT stattfinden.

  3. ...ist meiner Meinung nach die Szene in Call of Duty – Modern Warfare 2 geschmacklose Leichenfledderei die aus reiner Geldgier Tabus bricht.

    Activision Blizzard tut sich und dem Spielemarkt keinen gefallen, aber sie sind halt geldgierig.

  4. Ich habe in meinem ganzen Leben keinen schlechteren Artikel gesehen. Schon die Überschrift und die Einleitung haben mir genügt. Der Anschein der Objektivität später im Artikel bleibt nur ein Anschein.

    Ich würde dieses Artikel gerne als Volksverhetzung bezeichnen, aber dieser Begriff ist ja per Definition für rechtsextreme Äußerungen bestimmt.

  5. Und kann diese Kommentare hier nicht verstehen, denn was der Artikel anspricht, ist ein wirkliches Problem der Branche.
    Immer wieder wurden gerade Spiele wie CS in das Licht der Öffentlichkeit gezogen, obwohl dieses vom Gameplay her wirklich eher ein Sportspiel ist und auch der Erfolg darauf beruht (Balance, Fainess, Wettkampf).
    Die wirkliche Gefahr lauert aber in den Belohnungstrategien von Spielen und das kann genauso für unfaires Verhalten (welches dann relativiert und sogar positiv gedeutet wird, z.B.: Viele Starken töten einen Schwachen = Teamplay) im Player VS Player Bereich sein, wie eben auch das grausame abschlachten Unschuldiger oder selbst von Feinden. Wen das nicht (mehr) stört, der wurde doch bereits davon eingenommen und korrumpiert und selbst auf Seiten wie GameStar posten viele Spieler (zum Glück), dass sie gerade diese Szene "ankotzt" (und damit ist nicht diese wertlose "Zensur" der deutschen Version gemeint) und (ebenfalls zum Glück), wollen immer noch die meisten Spieler vor allem Spielspaß und halten Gewalt jeglicher Art nicht für unbedingt wichtig.

    Ein guter Designer/Storywriter, muss keine Leichen stapeln, um Atmosphäre zu erzeugen. Leider gibt es davon nicht viele in der Spielebranche (noch weniger als im Bücher- und Filmbereich) bzw. sie werden unterbewertet, doch so oder so wachsen Kinder und Jugendliche nunmal gerade mit PC- und Konsolenspielen auf und dadurch eben aucht mit der Gewalt darin und wie konsequenzenlos sie viel zu oft ist.

  6. Haben Pixel Menschenrechte ?

  7. Forscher haben festgestellt: Spieler von Autorennspielen achten die Verkehrsregeln nicht, SimCity-Spieler die Bauvorschriften nicht und Benutzer von Sexspielzeugen fragen selbige nur in den allerseltensten Fällen um Erlaubnis.

    Eine Leser-Empfehlung
  8. Die wahren "Gestörten", die die virtuelle und die wahre Realität nicht unterscheiden können, scheinen mehr und mehr die sich selbst zu nennenden "Experten" aus Politik (Bosbach,Schünemann,Rech usw.) und Wissenschaft (Pfeiffer,Spitzer,Weiss,Hopf usw.) zu sein.
    Auch ist klar zu erkennen, dass einige Politiker die zur Tolleranz gegenüber anderer Religionen und Kulturen aufrufen, dies bei den Videospielen verweigern.
    Auch der sportliche Apsekt wird den Videospielen verweigert.
    Und das scheint wirklich nur daran zu liegen, dass diese Leute immer noch glauben, dass Videospiele "Kinderkram" sind und deshalb auch nur was für Kinder sein sollen.
    Fußball war vor vielen Jahren vielleicht auch nur was für Kinder und heute wird da ein enormer Aufstand und Aufwand betrieben und viele Alkoholproduzenten freuen sich über jeden neuen 14 Jährigen Trinker, der durch die Werbung bei Fußballspielen zum trinken des Produkts animiert wurde.
    Der Schützensport war vor vielen Jahren nur den Erwachsenen vorbehalten und heute wollen vorallem die rechtsstaatfeindlichen bayrischen Politiker, dass auch kleine Kinder mit Waffen schießen dürfen.
    Hätte man dies nur für Erwachsene gelassen, hätten die Amokläufer sicherlich nicht so gut mit den Waffen umgehen können und somit wären vielleicht auch deutlich weniger Menschen ums Leben gekommen.
    Aber im Moment zählt nur, was für die "Alten" okay ist und was nicht und bis sich das ändert wird es noch einige Jahre dauern.
    Armes Deutschland...

    Eine Leser-Empfehlung

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