Games auf der CES 2010Spiele-Branche will vom 3D-Boom profitieren

Dreidimensionalität kann das Spielerlebnis intensivieren und soll den Gamern noch mehr Geld aus der Tasche ziehen. Aber es macht nicht bei jedem Spiel gleichermaßen Sinn. von 

Sonys 3D gaming

Spielen in allen Dimensionen: Zum Beispiel mit der 3D-Brille von Sony, frisch vorgestellt auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas  |  © Robyn Beck/AFP/Getty Images

3D-Technologie ist auf der Consumer Electronic Show (CES 2010) in Las Vegas ein großes Thema. Gerade hat der Film Avatar weltweit die Kinosäle erobert, jetzt hoffen die Elektronik-Hersteller auf einen ähnlichen Erfolg in den Wohnzimmern. Zum Auftakt der Messe präsentierten die Firmen eine Reihe 3D-tauglicher Geräte, die 2010 erscheinen werden – vom hochauflösenden Breitwand-Fernseher bis zum Blue-Ray-Player, der stereoskopische Filme abspielen kann. Auch die Games-Branche wittert Morgenluft: Dreidimensionalität soll das Spielerlebnis weiter intensivieren und die Spieler veranlassen, noch mehr Geld als bisher auszugeben. Besonders die Firma Sony fällt mit einer aggressiven Strategie auf: Das Flaggschiff Playstation 3 werde schon bald zur heimischen 3D-Zentrale werden, kündigte Sony auf der CES-Pressekonferenz an. Mit einem Software-Update soll der konsolen-interne Blue-Ray-Player fit für die dritte Dimension gemacht werden. Natürlich bietet Sony auch gleich die passenden Fernseher und 3D-Brillen an, um an jedem Punkt der Verwertungskette präsent zu sein. Viele neue Games sollen auch einen stereoskopischen Modus bieten, unter anderem das Vorzeige-Rennspiel Gran Turismo 5. Bricht also 2010 für Gamer und Publisher die schöne neue 3D-Welt an?

Zweifel an der Revolution sind berechtigt. Neu ist das 3D-Konzept in der Spielebranche keineswegs. Schon 1987 veröffentlichte die Firma Square den Konsolentitel 3-D WorldRunner, bei dem es diverse Hindernisse hüpfend und schießend zu überwinden galt. Dem Spiel lag eine Rot-Grün-Brille aus Leichtkarton bei. Solche Anaglyphenbrillen kamen bereits im 3D-Kino der fünfziger Jahre zum Einsatz. In den Neunzigern schlief der Möchtegern-Trend zu 3D-Games aber schnell wieder ein – was wohl nicht zuletzt am hohen Kopfschmerzpotenzial der Pappbrillen lag. Vielversprechend nahmen sich hingegen die Shutterbrillen aus, die Ende des Jahrtausends auf den Games-Märkten auftauchten. Im Shutter-Verfahren zeigt der Monitor – synchronisiert mit der Brille – nacheinander zwei unterschiedliche Bilder an, eines fürs linke und eines fürs rechte Auge, die dann vom menschlichen Gehirn zu einem Stereobild zusammengesetzt werden. Allerdings benötigt man neben der Brille einen LCD-Monitor mit mindestens 120 Hertz, zu teuer für den Mainstream. Auch Polfilterbrillen nebst spezieller Monitore konnten sich nicht durchsetzen, geschweige denn die "brillenlosen" Autostereoskopie-Monitore. Der kurze Überblick zeigt: Bloße Verfügbarkeit reicht für einen Boom bei weitem nicht aus. Teure Technik muss auch einen echten Mehrwert versprechen.

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Sonys Playstation 3 hat zwar mit ihrer Doppelfunktion als 3D-Gaming- und 3D-Film-Zentrale zwei Asse im Ärmel. Doch auch hier werden die Konsumenten überlegen, ob sie sich einen teuren 3D-HD-Fernseher leisten. Stephen Baker vom Marktforscher NPD Group gibt zu bedenken, dass sich viele "gerade erst neue Flachbildschirme gekauft haben. Werden sie die jetzt gleich wieder ersetzen wollen?" Vielleicht geben sie ihr Geld auch lieber für Netbooks, Tablet-PCs oder Mobilfunkgeräte aus.

Außer Frage steht, dass die meisten Videospiele mit 3D-Brille bedeutend besser aussehen werden als ohne. Besonders Shooter und Rennspiele profitieren von der Technologie, weil in ihnen die räumliche Orientierung eine wichtige Rolle spielt. Die gesteigerte Immersion stellt die Entwickler von 3D-Spielen aber auch vor neue Herausforderungen. Zum einen laufen sie Gefahr, angesichts der Prachtgrafik die Handlung und das Gameplay der Spiele noch stärker zu vernachlässigen als bisher. Ein gutes Beispiel dafür ist Avatar - The Game, das zwar einen 3D-Modus besitzt, aber handlungsmäßig erstaunlich flach daherkommt. Zum anderen sind Kameraführung, Bildkomposition und Schnitt bei 3D-Spielen von größerer Bedeutung als bei ihren 2D-Pendants. Zum Beispiel wird die Punkteanzeige üblicherweise im Bildvordergrund eingeblendet, was aber in 3D-Games dazu führt, dass der Spieler häufig neu fokussieren muss.

Die Entwickler stehen ebenso vor der Herausforderung, Dreidimensionalität als zentrales Spielprinzip zu etablieren. "3D wirkt häufig wie eine Spielerei, weil es zwar attraktiv ist, aber keine konkreten Auswirkungen auf das Spiel selbst hat", schreibt Levi Buchanan vom Games-Magazin IGN. Neue Ideen kommen wie so oft nicht von den großen Publishern, sondern aus der Independent-Games-Szene. 2008 schrieb das kanadische Entwickler-Kollektiv "Kokoromi" einen Wettbewerb für 3D-Spiele aus. Die Veranstalter verzichteten bewusst auf hohe technische Hürden – stattdessen sollten die Beiträge mit einer schlichten Anaglyphenbrille zu genießen sein.

Unter den Wettbewerbsbeiträgen finden sich einige interessante Beispiele für Stereoskopie als Gameplay-Element. Spielziel in Super Hypercube ist, dreidimensionale Würfelstrukturen so zu drehen, dass sie in eine Wandöffnung hineinpassen. Ein bisschen erinnert das an Blockout, einen beliebten "Tetris"-Klon aus dem Jahr 1989. In dem Beitrag Falling träumt ein junger Mann, dass er vom Himmel stürzt. Der Spieler muss zahlreichen Gegenständen ausweichen und am Ende sicher im Bett landen. Papermoon, eines der schönsten Spiele, ist ein Hindernislauf durch eine Scherenschnittlandschaft à la Tim Burton: Landeplattformen müssen dabei zwischen Vorder- und Hintergrund verschoben werden. Papermoon erinnert als Jump'n'Run-Spiel unweigerlich an den Konsolenhit LittleBigPlanet. Es zeigt, dass 3D nicht nur für Shooter und Rennspiele geeignet ist. Auch die Kombination mit Microsofts Gestensteuerung "Natal" dürfte für interessante Spielerlebnisse gut sein.

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Leserkommentare
  1. 1. 1.

    Fehlt nur noch ne Abwrackprämie für LCD Monitore -.-

    Wer das Zeug mal kostengünstig ausprobieren will:

    Es gibt eine Software, die für viele Spiele einen 3d Effekt simuliert. Näheres z.B. Hier: http://board.gulli.com/th...

  2. Das klingt spannend. Ich hoffe, das ich auf der Cibit ein paar 3d Spiele zu sehen bekomme.

    Ralf
    http://www.3dfernseher.de

  3. Habe mir sowohl Gran Turismo 5 als auch Natal mal testen können. Bin davon eigentlich sehr begeistert. Laut Bitkom sollen die 3D-Fernseher ja auch bald richtig beim Endkunden ankommen. Obwohl ich die angegebenen 16 Millionen für nicht ganz realistisch halte. Siehe http://www.3d-fernseher.org

    Gruß, Farbstrahl

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Sony | Avatar | Tim Burton | CES | Games | Las Vegas
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