Independent-Spieleentwickler Besser arbeiten ohne MicrosoftSeite 3/3

ZEIT ONLINE: In der Zeit mit Microsoft hatten Sie ein schickes Büro in Wien und 20 Mitarbeiter. Wie sieht denn Ihr jetziges Büro aus?

Lippe: Wir haben ja jetzt die Firma von Wien nach London verlagert. Wir sitzen in einer alten Chemiefabrik, in einer recht zwielichtigen Gegend, im Osten Londons. Da haben wir eine kleine Kammer, extrem kalt, und müssen immer zu zweit auf die Toilette gehen, weil die so weit weg ist und wir nur einen Schlüssel haben. Wenn man als Team nicht wirklich gut befreundet ist, sollte man ganz sicher nicht so zusammenarbeiten. Wir hocken gefühlte 26 Stunden am Tag zusammen. Aber wir haben dafür auch ein ganz starkes Gemeinschafsgefühl und gehen zusammen durch dick und dünn.

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ZEIT ONLINE: Vielleicht ein Geheimrezept für große Spielefirmen?

Lippe: Ich glaube, man spart extrem viel Zeit, wenn man sich nicht ständig fragt: Wie schaut mein Anzug aus, hab ich ein tolles Catering, wie steht es um meine nächste Powerpoint-Präsentation?

ZEIT ONLINE: Gab es auch Widerstände im Rest der Szene, hat man versucht, Sie zu blockieren oder Ihnen Wissen aus Angst vor der neuen Konkurrenz vorzuenthalten?

Lippe: Wir haben extrem gute Kontakte zu anderen Indie-Game-Entwicklern weltweit. Und mir kommt es auch so vor – im Gegenteil zu anderen Industrien – dass der Austausch im Games-Bereich extrem herzlich ist. Man teilt wirklich sehr viel. Das liegt vielleicht daran, dass Spiele auf Programm-Codes basieren, und dass Spielemacher einfach anders ticken als Filmemacher oder Musiker. Davon profitieren dann alle. Im professionellen Bereich sieht das ganz anders aus. Da kannst du nicht einmal zu jemand "Hallo" sagen, ohne dass du vorher ein Non-Disclosure-Agreement unterschrieben hast. Deswegen wird da auch nie über etwas Gescheites geredet.

Schrilles Online-Rollen-Spiel

Papermint ist ein sogenanntes MMORPG, ein Massively Multiplayer Online Role-Playing Game. Bekannte Beispiele dieses Genres sind zum Beispiel World of Warcraft oder Die Sims. Das heißt, jeder kann sich online in diese Welt einklinken und eine virtuellen Charakter übernehmen. Das Spiel selbst entsteht erst aus der Interaktion der Spieler und sie gestalten die virtuelle Welt aktiv mit.

Mischung aus Casual Game und sozialem Netzwerk

Die Macher bezeichnen Papermint als Mischung aus einem fortgeschrittenen Casual Game, also einem kostenlosen Spiel für Zwischendurch, und einem sozialen Netzwerk wie Facebook.

Das besondere bei Papermint ist nicht nur die schrille Optik, auch die Regeln des Spiels unterscheiden sich von herkömmlichen Rollenspielen: Bekommen zum Beispiel verheiratete Paare im Spiel ein Kind, ist dieses Kind der neue Spieler, der sich zu diesem Zeitpunkt gerade neu im Netzwerk angemeldet hat. So lernt der Neueinsteiger gleich von seinen virtuellen Eltern, wie das Spiel funktioniert.

 
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