Die Randständigkeit der Lernspiele ist aber zum Teil selbst verschuldet. Didaktisch minderwertig und lieblos präsentiert, ähneln viele der Angebote immer noch dem berüchtigten Nürnberger Trichter: Das Wissen soll, oben eingefüllt, geradewegs in den Kopf des Schülers gelangen – Motivation: Fehlanzeige. "Bislang existieren eher wenige Beispiele, in denen eine Integration von Spielen und Lernen überzeugend umgesetzt ist", bilanzierte kürzlich der Mediendidaktiker Michael Kerres.

Auch in der Forschung zu möglichen Lerneffekten sieht er Defizite: "Viele Studien helfen eher begrenzt weiter, weil sie auf Vergleichen basieren, die eine Gruppe 'mit Spiel' einer Gruppe 'ohne Spiel' gegenüberstellen." Wirklich aussagekräftige Befunde lassen sich laut Kerres nur aus dem Vergleich verschiedener didaktischer Konzepte ableiten.

Für potenzielle Käufer – beispielsweise Eltern – ist das derzeitige Angebot an Lernspielen vor allem eines: unübersichtlich. Kommerzielle Erfolge wie Dr. Kawashimas Gehirn-Jogging haben viele Nachahmer auf den Plan gerufen, die den Markt mit Einbahnstraßen-Wissen überschwemmen. Dass auch Auszeichnungen wie der Serious Games Award nur punktuell Orientierung bieten können, räumt Jury-Mitglied Stefan Göbel ein. Der Serious-Gaming-Spezialist von der TU Darmstadt könnte sich aber eine Zertifizierungsstelle vorstellen, die Gütesiegel für wertvolle Lernspiele vergibt.

Was Forschung und Lehre anbetrifft, sieht Göbel die USA ein gutes Stück voraus: "Dort existieren Förderprogramme, die nicht nur die Entwicklung von Spielen, sondern auch den Aufbau von entsprechenden Forschungszentren und Ausbildungseinrichtungen unterstützen." Prominentes Beispiel ist die bereits 2002 am Woodrow Wilson Center in Washington gegründete Serious Games Initiative. Wie Europa und die USA voneinander lernen können, diskutierten Experten auf der Serious Games Conference, die ebenfalls am Freitag stattfand. Darüber hinaus präsentierten sie einige interessante Forschungsprojekte, zum Beispiel ein Physiotherapie-Spiel oder ein Lernspiel für funktionale Analphabeten. Die Videomitschnitte der Konferenz sind ab kommender Woche abrufbar.