MultitouchZocken mit Fingerspitzengefühl

Das Apple-iPad könnte nicht nur zum Lese- und Schreibgerät, sondern zur Spielekonsole werden. Diverse Projekte arbeiten daran, Ideen für Multitouch-Games zu entwickeln. von 

Ein virtueller Spieltisch mit realen Objekten darauf - das Projekt SurfaceScapes der Carnegie Mellon Universität will beide Welten verbinden

Ein virtueller Spieltisch mit realen Objekten darauf - das Projekt SurfaceScapes der Carnegie Mellon Universität will beide Welten verbinden  |  © SurfaceScapes Project

Ab dem 3. April wird Apple in den USA seinen Tabletcomputer namens iPad verkaufen. Mit ihm wird man dann nicht nur surfen, lesen und Videos anschauen, sondern vor allem auch spielen können. Denn sein berührungsempfindlicher Bildschirm bietet mit einer Diagonale von 24,6 Zentimetern erheblich mehr Platz als die Displays von iPhone und iPod Touch (8,9 Zentimeter).

Auf dem iPhone haben Games wie Eliss angedeutet, welcher Spaß in Multitouch, also dem gleichzeitigen Steuern mit mehreren Fingern, steckt. Nun ist es an den Spieldesignern, diesen auch auf dem iPad und anderen Multitouch-fähigen Handhelds umzusetzen.

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Zum Start werden vor allem hoch auflösende Versionen von iPhone-Spielen verfügbar sein, unter anderem Flight Control HD, Labyrinth 2 HD und Cro-Mag Rally HD. Doch ist das bestimmt nur der Anfang. Als künftiger Ideenlieferant könnten Hochschulprojekte dienen, die seit Jahren mit Multitouch-Gaming experimentieren. Häufig kommt dabei der sogenannte Surface-Tisch zum Einsatz, dessen Prototypen die Firma Microsoft bereits 2003 vorstellte. Für das Wohnzimmer ist Surface aufgrund der hohen Herstellungskosten nur bedingt attraktiv, Microsoft zielt damit vor allem auf Firmenkunden wie Restaurants, Hotels und Geschäfte.

Doch der Tisch zeigt, was möglich ist. An der FTHW Berlin etwa entstand das Spiel Snatch'em, das 2009 den Deutschen Computerspielpreis in der Kategorie "Bestes Konzept aus Studentenwettbewerb" gewann. Die Macher haben sich von dem Spielhallen-Klassiker Airhockey inspirieren lassen. Bis zu vier Spieler stehen um einen Multitouch-Table; in der Tischmitte erscheinen Tiere mit unterschiedlichen Eigenschaften, die entweder blitzschnell eingesammelt oder zwecks Sabotage in den gegnerischen Bereich geschleudert werden können. Bei den Deutschen Gamestagen 2009 oder auch im Berliner Club c-base war der Snatch'em-Tisch stets umlagert.

SurfaceScapes Gameplay Session from Surfacescapes on Vimeo.

Ein weiteres vielversprechendes Projekt entsteht gerade an der Carnegie Mellon University in Pittsburgh/Pennsylvania: Studierende entwickeln dort ein Dungeons&Dragons-Game namens Surfacescapes. Das Rollenspiel kombiniert die reale Kommunikation traditioneller Tisch-Strategie-Spiele mit spektakulärer Computerspielgrafik. Der Reiz von Surfacescapes liegt darin, dass es physische Objekte integriert. Auf dem Tisch abgestellte Figuren und Gegenstände werden den Spielern zugeordnet und können verwendet werden. Über einen separaten Bildschirm fügt der Spielleiter neue Monster hinzu, errichtet Gebäude und kontrolliert die Statistiken. Über Sieg oder Niederlage entscheidet wie bei einem herkömmlichen Tabletop-Game der Zufall: Die Spieler schnicken virtuelle Würfel über den Touchscreen.

Dass sich Multitouch für kooperatives Spiel bestens eignet, zeigt auch das Projekt Oculusia von der Aalborg Universität in Kopenhagen. Bis zu vier Spieler kämpfen gemeinsam gegen ein Monster in der Tischmitte, das an den Rändern wachsende Meeresschwämme bedroht. "Wir glauben, dass Multitouch in wenigen Jahren überall anzutreffen sein wird", sagt der Student Thomas Miksa vom Oculusia-Entwicklerteam. "Man sieht das ja jetzt schon an Jeff Hans Perceptive Pixel, an Microsoft Surface und dem iPhone."

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    • Schlagworte Microsoft | Gamescom | iPad | iPhone | USA | Berlin
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