Killerspiel-Debatte Schweiz will Killerspiele verbieten

Beide Kammern des Schweizer Parlaments wollen gewalthaltige Computerspiele aus dem Verkehr ziehen. Im Zweifel vollständig. Die Regierung muss nun ein Gesetz machen.

Werden die Wünsche des Schweizer Parlaments Gesetz, wären populäre Spiele wie Crysis2 dort wohl komplett verboten

Werden die Wünsche des Schweizer Parlaments Gesetz, wären populäre Spiele wie Crysis2 dort wohl komplett verboten

Der Schweizer Ständerat hat zwei Gesetzentwürfe beschlossen, die den Verkauf von sogenannten Killerspielen einschränken, beziehungsweise komplett verbieten wollen. Der Ständerat ist eine der beiden Kammern des Schweizer Parlaments und wird wie der deutsche Bundesrat aus Vertretern der Kantone gebildet. Die zweite Kammer, der Nationalrat, hat ein solches Verbot bereits befürwortet. Damit hat nun die Regierung, der Bundesrat, den Auftrag, ein entsprechendes Gesetz zu formulieren.

Bei der Beratung ging es um zwei Anträge. Der eine will unterbinden, dass Spiele, die eine Altersbeschränkung ab sechzehn beziehungsweise ab achtzehn Jahre haben, an Jugendliche verkauft werden. Der zweite Antrag will gar erreichen, dass "die Herstellung, das Anpreisen, die Einfuhr, der Verkauf und die Weitergabe von Spielprogrammen" verboten werden, "in denen grausame Gewalttätigkeiten gegen Menschen und menschenähnliche Wesen zum Spielerfolg beitragen".

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Der erste Vorschlag wäre lediglich eine Einschränkung, wie sie in Deutschland im Rahmen des Jugendschutzes bereits gilt. Wobei es in der Schweiz nach Einschätzung des dortigen Justizministeriums nicht so leicht werden dürfte, das auch durchzusetzen. Gibt es doch auf Bundesebene keine Instanzen, die Computerspiele verbindlich in Altersgruppen einordnen und die Einhaltung des Verbots überwachen könnten. Sie zu schaffen, bedürfe einer Verfassungsänderung, sagte Justizministerin Eveline Widmer-Schlumpf laut eines Berichts des Schweizer Radiosenders DRS.

Der zweite Vorschlag jedoch würde ein komplettes Verbot gewalthaltiger Computerspiele bedeuten und wäre in Europa einzigartig. Bei der Diskussion im Ständerat gab es daher auch erhebliche Bedenken dagegen. Trotzdem wurde das Papier mit 19 zu 12 Stimmen an den Bundesrat überwiesen. Es gehe, so die Argumentation des Gremiums, nicht um eine buchstabengetreue Umsetzung, sondern um die generelle "Stoßrichtung". Eine Verschärfung der Gesetze also.

Justizministerin Widmer-Schlumpf war gegen den Vorschlag. Sie sagte in der Beratung, eine Ausdehnung der Strafbarkeit führe zu nichts, "denn die Legitimität absoluter Verbote nimmt ab, je tiefer man die Verbotsgrenze ansetzt". Außerdem würden dadurch "Auslegungsschwierigkeiten geschaffen" und es bestünde die Gefahr, "auch konsumierende Erwachsene" zu kriminalisieren, "obschon bei ihnen die schädlichen Auswirkungen auf ihre Gewaltbereitschaft weniger zu erwarten ist".

Die heftigen Proteste, die es gegen ein solches Verbot gibt, waren auch den Standesräten bewusst. Zitierte doch Ständerat Ivo Bischofberger während der Aussprache aus einem Brief von Betroffenen an die Kammer: "Es ist nicht Aufgabe einer Generation, die offensichtlich Mühe hat, der rasanten Entwicklung der IT-Technologie zu folgen, die Freizeitbeschäftigung eines großen Teils unserer Generation moralisch zu be- oder verurteilen." Doch sei es, sagte er, "unsere Pflicht und Schuldigkeit (...) Rahmenbedingungen zum Schutz derjenigen jungen Menschen zu schaffen, die von ihrer Persönlichkeitsstruktur her nicht so stark sind, dass sie sich ohne Weiteres gegen negative, vor allem auch negative emotionale, Beeinflussung wehren und schützen können".

Allein der Begriff Killerspiele ist allgemein schon umstritten und gilt den Gegnern solcher Gesetze als diffamierende Bezeichnung. Die Schweiz ist längst nicht das einzige Land, in dem solche Verbote diskutiert werden. Auch in Deutschland gibt es immer wieder rege Debatten darum. Bislang führten sie hierzulande nicht zu einer Änderung der Gesetze.

In der Schweiz wird ein solches nun kommen. Der Beschluss des Parlaments ist bindend für den Bundesrat und nicht lediglich eine Empfehlung.

 
Leser-Kommentare
  1. Schweizer Waffenexport boomt
    BERN – Die Schweiz hat 2008 für 722 Millionen Franken Kriegsmaterial in 72 Länder exportiert. Das ist doppelt so viel wie im Vorjahr.
    Aktualisiert um 15:17 | 17.02.2009

    Quelle: Blick.ch
    http://www.blick.ch/news/...

  2. Ich kann die Verbotsdebatte nur aus deutscher Sicht kommentieren.

    Jedes Mal, wenn die Rufe nach einem Verbot wieder aufkommen, sehe ich vor meinem inneren Auge ein älteres, wenig computeraffines Ehepaar, das Sonntag Abend vor dem Fernseher sitzt. Bei dem Bericht in der Tagesschau über die Forderung nach einem "Killerspiel"-Verbot sind sich beide einig, dass so ein Verbot dringen nötig ist. Danach wird in trauter Zweisamkeit der sonntägliche Tatort geschaut, bei dem es selten bei nur einer Leiche bleibt.

    Seltsam, dass die Unterstützer eines Killerspiel-Verbots nicht bei anderen Dingen anfangen, die unbestreitbar einen weitaus Schädlicheren Effekt auf die Jugend haben.

    Wie wäre es denn mit einem kompletten Verbot der Herstellung, des Anpreisens, der Einfuhr, des Verkaufs und der Weitergabe von Alkoholika und Zigaretten? Der Aufschrei in der Bevölkerung wäre gigantisch - weil auch die Altersgruppe über 25 Jahren zu großen Teilen von einem Verbot betroffen wäre.

    Aber solange es nur um Verbote geht, die einen nicht betreffen, ist die Unterstützung groß. Ganz egal, wie sinnlos ein Verbotsvorhaben ist.

  3. der spruch "die dummheit der menschheit ist unbegrenzt"

    erstens was soll das jetzt noch bringen, es ist ja schon genügend solches material im umlauf, und was ist mit all den gewaltfilmen am vormittag, am nachmittag, am abend und in der nacht??

    haben die spielehersteller zu wenig an die politik bezahlt??

    • Ranjit
    • 19.03.2010 um 14:41 Uhr

    Super...
    Religionsfreiheit abschaffen - check
    Meinungs- und Kunstfreiheit abschaffen - check

    Was die Schweiz derzeit in wundervoller Klarheit demonstriert ist, dass direkte Demokratie gar keine Demokratie sondern die Diktatur der Masse ist.

    Muslime als Minderheit können sich nicht gegen die irrationale Islamophobie wehren und Kinder nicht gegen schlecht informierte Erwachsene.

    Nur ein kurzer Newsflash:

    1. Die bewusste Anwesenheit von echten Waffen macht aggressiver. Warum dann nicht echte Waffen verbieten?

    2. Bildungsmangel und prekäre Verhältnisse machen aggressiv. Warum wird nicht dort wie hier das eklatante Versagen unserer Eliten thematisiert, lebbare Lebensoptionen für die Jugend zu schaffen.

    3. Alkohol enthemmt und ist für so unendlich viel mehr Gewalttaten (durch Jugendliche und Erwachsene!) verantwortlich, dass hier viel leichter Fortschritte gemacht werden können.

    4. Computerspiele fördern nachweislich die Intelligenz, das Problemlösungsdenken und die Teamfähigkeit. Sie erlauben aktiven Umgang mit dem Medienmaterial, im gegensatz zum dahinvegetieren vor der Glotze.

    Daher mein Appell an die Politik drüben wie hier:
    Löst erst mal die anstehenden wirtschaftlichen und finanziellen Probleme. Solange lasst bitte die Finger von Bereichen von denen ihr noch weniger versteht als vom Bankenwesen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es besteht kein Zweifel, dass Killerspiele zur Verrohung von Jugendlichen führen. Die Intelligenz von Jugendlichen könnte man mit sinnvollen Spielen besser fördern. Killerspiele in den Zusammenhang von militärischen Waffendienst zu bringen ist volkommen unsinnig.Soldaten schießen im Kriegsfall nicht aus Spaß.
    Jugendliche sind heutzutage so vielen schädlichen Einflüssen ausgesetzt, die ihre geistige Entwicklung zum Guten behindern können, aber dass man zum Jux lernt, Menschen haufenweise abzuknallen - und sei es nur im virtuellen Spiel - ist inhuman oder einfach nur erschreckend.

    Zu Ihrer Information: Die Religionsfreiheit wurde in der Schweiz mit dem Minarett-Verbot nicht abgeschafft, da ja niemand an der Ausübung seiner Religion gehindert wird (die Religionsfreiheit ist in der Schweiz übrigens seit jeher nur im Kern geschützt). Die Schweiz kennt zudem einen ausgesprochenen Minderheitenschutz. So braucht es etwa bei vielen nationalen Abstimmungen neben dem Volks- auch ein Ständemehr. Ich empfehle Ihnen auch mal die Auswahl von Bundesratskanditaten oder Kanditaten fürs Bundesgericht dabei zu sein. Das ist jeweils eine richtige Ausmarchete, damit auch ja jede Landes- und Sprachregion genügend berücksichtigt wird. Angehörige von Religionsgruppen hingegen gelten in der Schweiz nicht als Minderheit, da Religion als Privatsache angesehen wird. Ausserdem herrscht in der Schweiz die Meinung vor, dass man sich als neu hinzugekommene Religion den Bau von kirchlichen Symbolen erst verdienen muss; die Erlaubnis zur Errichtung von Minaretten ist folglich als Belohnung einer abgeschlossenen Integration zu betrachten und steht nicht an deren Anfang. Aber zu diesem Thema wurde an anderer Stelle bereits genügend diskutiert.

    Bevor Sie Volksabstimmungen vollständig verteufeln, sei Ihnen gesagt, dass vielleicht genau eine solche ein Verbot von sog. Killerspielen auch wieder kippen könnte. Es kann nämlich sein, dass eine Gruppe Interessierter/Betroffener das Referendum ergreift und somit eine Volksabstimmung über das Gesetz erzwingt.

    Es besteht kein Zweifel, dass Killerspiele zur Verrohung von Jugendlichen führen. Die Intelligenz von Jugendlichen könnte man mit sinnvollen Spielen besser fördern. Killerspiele in den Zusammenhang von militärischen Waffendienst zu bringen ist volkommen unsinnig.Soldaten schießen im Kriegsfall nicht aus Spaß.
    Jugendliche sind heutzutage so vielen schädlichen Einflüssen ausgesetzt, die ihre geistige Entwicklung zum Guten behindern können, aber dass man zum Jux lernt, Menschen haufenweise abzuknallen - und sei es nur im virtuellen Spiel - ist inhuman oder einfach nur erschreckend.

    Zu Ihrer Information: Die Religionsfreiheit wurde in der Schweiz mit dem Minarett-Verbot nicht abgeschafft, da ja niemand an der Ausübung seiner Religion gehindert wird (die Religionsfreiheit ist in der Schweiz übrigens seit jeher nur im Kern geschützt). Die Schweiz kennt zudem einen ausgesprochenen Minderheitenschutz. So braucht es etwa bei vielen nationalen Abstimmungen neben dem Volks- auch ein Ständemehr. Ich empfehle Ihnen auch mal die Auswahl von Bundesratskanditaten oder Kanditaten fürs Bundesgericht dabei zu sein. Das ist jeweils eine richtige Ausmarchete, damit auch ja jede Landes- und Sprachregion genügend berücksichtigt wird. Angehörige von Religionsgruppen hingegen gelten in der Schweiz nicht als Minderheit, da Religion als Privatsache angesehen wird. Ausserdem herrscht in der Schweiz die Meinung vor, dass man sich als neu hinzugekommene Religion den Bau von kirchlichen Symbolen erst verdienen muss; die Erlaubnis zur Errichtung von Minaretten ist folglich als Belohnung einer abgeschlossenen Integration zu betrachten und steht nicht an deren Anfang. Aber zu diesem Thema wurde an anderer Stelle bereits genügend diskutiert.

    Bevor Sie Volksabstimmungen vollständig verteufeln, sei Ihnen gesagt, dass vielleicht genau eine solche ein Verbot von sog. Killerspielen auch wieder kippen könnte. Es kann nämlich sein, dass eine Gruppe Interessierter/Betroffener das Referendum ergreift und somit eine Volksabstimmung über das Gesetz erzwingt.

  4. ... man sich jetzt wirklich langsam Sorgen um die früher so coolen Schweizer machen?

    • Timo K
    • 19.03.2010 um 14:50 Uhr

    lässt sich hier in Erfahrung bringen.

    http://www.heise.de/tp/r4...

    • Parvis
    • 19.03.2010 um 15:08 Uhr

    Zuerst sollte man solche Literatur von Markt nehmen:

    Erschlagt Alte, Jünglinge, Jungfrauen, Kinder und Frauen, schlagt alle tot; aber die das Zeichen an sich haben, von denen sollt ihr keinen anrühren. Fangt aber an bei meinem Heiligtum! Und sie fingen an bei den Ältesten, die vor dem Tempel waren.
    Und er sprach zu ihnen: Macht den Tempel unrein, füllt die Vorhöfe mit Erschlagenen; dann geht hinaus! Und sie gingen hinaus und erschlugen die Leute in der Stadt.

    Sie sollen durchs Schwert fallen und ihre kleinen Kinder zerschmettert und ihre Schwangeren aufgeschlitzt werden.

    Als er nun heimkam, nahm er ein Messer und fasste sein Kebsweib und zerstückelte sie mit Gebein und mit allem in zwölf Stücke und sandte sie an alle Grenzen.

    .....

    Ach so - beinahe hätte ich die Quelle vergessen.

    Bibel

    RICHTER 19, 29
    HOSEA 14,1
    HESEKIL 9,6-7

    • zYcx
    • 19.03.2010 um 15:44 Uhr

    Haha, egal in welches Land man schaut. Man sieht nur hohle und veraltete Politikergestalten, die von nichts ne Ahnung haben, aber alles entscheiden dürfen. Da wundert sich dann noch einer über die Demokratieverdrossenheit der Jugend! Es ist wirklcih beschämend von sojemandem "repräsentiert" zu werden.

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    • Timo K
    • 19.03.2010 um 16:19 Uhr

    In Anlehnung an die lächerliche Containeraktion, in welchen die Leute bis zum Abend wohl 3 "Killerspiele" hinneingeworfen hatten, nach Winnenden, sollte man eine ähnliche Aktion mit Schulbibeln und dem ein oder anderem hoch geschätzen Stück Litaratur an öffentlichen Plätzen durchführen.

    • Timo K
    • 19.03.2010 um 16:19 Uhr

    In Anlehnung an die lächerliche Containeraktion, in welchen die Leute bis zum Abend wohl 3 "Killerspiele" hinneingeworfen hatten, nach Winnenden, sollte man eine ähnliche Aktion mit Schulbibeln und dem ein oder anderem hoch geschätzen Stück Litaratur an öffentlichen Plätzen durchführen.

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